Vergessene Edelsteine OM - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

Schallplatten als Wertanlage.
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Vergessene Edelsteine OM

Vergessene Edelsteine - eine Serie des Oldie-Marktes
05-17
463
Montana  legte mit Change The Weather zwar nur ein Album vor, aber das bot ausgezeichneten Countryrock.
Wenn sich eine Band auflöst oder sich Musiker vom Acker machen, lautet die entscheidende Frage immer: Was kommt als nächstes? Bei der Mission Mountain Wood Band war der Plan zumindest für die drei ehemaligen Mitglieder Rob Quist, Terry Robinson und Kurt Bergeron klar: Sie wollten eine eigene Band aufziehen und das taten sie denn auch. Um keine Fragen offen zu lassen, woher sie kamen, nahmen sie diesmal den Namen des Staates, aus dem sie kamen und nannten sich Montana.  Als erstes gingen sie mit den zusätzlichen Musikern, die sie angeworben hatten, ins Studio: Neben den drei erwähnten Musikern gehörten dazu der singende Bassist Jerry Zalnoski und der Schlagzeuger Greg Reichenberg. Mit dem Produzenten Randy Bean stellte man für das in Minneapolis ansässige Label Waterhouse Records die LP Change In The Weather her, die im Vergleich mit der Mission Mountain Wood Band deutlich konziser ausfiel. Das war absolut klassischer Countryrock mit ausgezeichneten Songs, die vor allem Quist, Robinson und Bergeron verantworteten. Der Mix aus rockigen Stücken und melodischen Balladen klappte ausgezeichnet wie auch die Bluegrass-Sprengsel, die das Quintett auf der Platte untergebracht hatte.
Doch erneut erlitt die Band mit einer ausgezeichneten LP dasselbe Schicksal wie die Gruppe, aus der drei der Musiker gekommen waren. Trotz ausgezeichneter Kritiken und umjubelten Konzerten schaffte man nicht den Einzug in die Charts und damit war das Ende der Formation bereits abzusehen. Immerhin machte man noch bis 1987 weiter, ohne Quist, der sich 1986 entschloss, als Songschreiber zu arbeiten. Dann beendete der Absturz eines kleinen Flugzeugs, mit dem man zum nächsten Konzert flog, die Geschichte dieser Band, da unter den Toten Terry Robinson, Kurt Bergeron und die restlichen Musiker der aktuellen Besetzung der Band waren, zudem noch ihr Manager Tom Sawan. Das bedeutete das Ende der Band, so dass Change In The Weather die einzige Platte dieser Truppe blieb. Rob Quist aber machte weiter und hat bis heute etliche CDs mit Musik aus Montana vorgelegt und tourt regelmäßig mit seiner   Begleitband Great Northern. Aufgrund seines ständigen Outputs und seiner Fähigkeiten als Songschreiber hat er es geschafft, eine Nische für sich zu finden, in der es sich recht komfortabel leben lässt. Und wie das Leben so spielt: 2017 bewirbt er sich für die Demokratische Partei der USA für den Kongress, weil der bisherige Inhaber wahrscheinlich in das Innenministerium der USA wechselt. Quist fühlt sich politisch den Zielen des leider als Präsidentschaftskandidat gescheiterten Bernie Sanders verpflichtet und hat damit exakt das Programm, das das genaue Gegenstück zu dem bildet, was die derzeit beide Häuser und den Präsidentenposten belegende Republikanische Partei postuliert. Montana war sein letzter Versuch, regelmäßig in einer Band aufzutreten und das blieb bis heute so, obwohl es inzwischen nicht nur regelmäßige Reunion-Konzerte der Mission Mountain Wood Band gibt, sondern auch Montana für einige Konzerte 2012 wieder auferstand, um eine Konzertbühne zu sponsern.

Waterhouse 14
03-17
461
        
Die Mission Mountain Wood Band legte mit In Without Knocking 1977 ihr einziges Album vor.
        
Montana ist landschaftlich einer der schönsten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika. Doch in punkto Rockmusik ist da eher Flaute. So war es fast ein Alleinstellungsmerkmal, dass sich Anfang der 70er Jahre in Billings eine Band gründete, von der alle Mitglieder aus dem Staat stammten. Die Geschichte der Mission Mountain Wood Band begann, als sich der Banjospieler und  Gitarrist Rob Quist und der Bassist Steve Riddle bei dem nur als Vehikel für Vorspielen gegründeten Jubileer Chor trafen. Danach kamen noch der Gitarrist Terry Robinson, der Gitarrist   Christian Johnson und der Schlagzeuger Greg Reichenberg dazu. Plötzlich hatte man eine Band und begann im Staat Montana aufzutreten. Ab 1973 kamen auch die anderen Bundesstaaten dazu. Der zwischen Grateful Dead und der Countrymusik liegende Klang der Band fand soviel Anklang, das man in den 70er Jahren in allen US-Staaten mit Ausnahme von Haswaii aufgetreten war, wobei letzteres auch nur deswegen so war, weil man dort mit dem Bandbus nicht hinkam. Die Gruppe wurde für ihre vierteiligen Vokalharmonien und die Fähigkeit der Mitglieder, die verschiedensten Instrumente zu spielen, berühmt. So erfolgreich man als Liveband auch war - Interesse an einer Platte des Quintetts war zwar groß bei den Fans, doch bis 1977 fand man keine Plattenfirma, die an einer Produkion Interesse gehabt hätte. Erst als man nach vier Jahrne in New York nach Hause zurückkehrte, brachte man die Energie auf, auf dem eigenen Label M2WB eine Platte aufzunehmen. Tatsächlich wurde das eine exquisite Countryrock-Produktion, die sowohl gute Lieder als auch die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker präsentierte. Natürlich war der kommerzielle Erfolg eher gering, denn schließlich besaß man keinen großen Vertrieb, der das Ganze unter das Volk bringen konnte, so dass man auf die Verkäufen bei den Konzerten angewiesen war. Immerhin blieb man bis 1981 aktiv und spielte im Vorprogramm solcher Stars wie  Bonnie Raitt, der Ozark Mountain Daredevils, Charlie Daniels, der Allman Brothers Band und am häufigsten den Grateful Dead. Irgendwann jedoch wurde das ganze schal und so löste man sich 1982 auf. Die Gründungsmitglieder Rob Quist und Terry Robinson gründeten Montana, die stilistisch ähnlich gelagert waren und die auf dieser Seite ein Thema sein werden. Damit wiedertholte sich die Geschichte der Mission Mountain Wood Band: Man war live extrem angesagt, aber die Platten verkauften sich nicht so wie man sich das erhofft hatte. Rob Quist schlug danach eine relativ erfolgreiche Solokarriere ein, während seine alten Kollegen wieder tourten. 1987 passierte dann die Katastrophe: Auf einem Flug zu einem Konzert verunglückte man mit dem Flugzeug und dabei starb Terry Robinson, der als einziges Original mit an Bord war. Das war erst einmal das Ende für die beiden Bands, doch ab 1992 begann man sich wenigstens einmal im Jahr mit Bruce Robinson, der für seinen verstorbenen Bruder Terry einsprang, zu treffen. Das Interesse war so groß, dass man ab den späten 90er Jahren wieder tourte und 2008 ein umfangreiches DVD-Pack herausbrachte. Die Mission Mountain Wood Band hat ein zweites Leben gefunden.

        
M2WB OU 8912
01-17
459
        
Mit Inner Voice legte Irvin Malonen ein Album mit schöner Gitarrenmusik vor.
So lange die Musikindustrie existiert, wird es auch immer neue Plattenfirmen geben die hoffen, mit ihren Produktionen gutes Geld zu verdienen. Ein solcher Fall war Ende der 70er Jahre das kleine Label Cain, dasd 1980 einen Vertriebsvertrag mit Bellaphon zustande brachte. Das Programm war hauptsächlich Deutschrock. So schlugen bei dieser Firma Bands wie Tobogan, You, Snake, Ticket oder ein Gitarrist namens Irvin Malonen auf, der 1946 in Homberg am Niederrhein als Erwin Kolibabka geboren wurde und mit 14 Jahren anfing, in Moers Gitarrenunterricht zu nehmen. Mit 16 spielte er bereits in lokalen Bands mit und begann, sich auf der Szene einen Namen zu machen. Nach und nach arbeitete er nicht nur als Musiker, sondern auch als Produzent. Als er das Angebot bekam, eine Soloplatte aufzunehmen, schlug er natürlich zu und das führte zu Inner Voice, das 1980 eben auf Cain erschien. Malonen machte fast alles selbst: Er produzierte, schrieb alle Stücke, spielte die Gitarren und arrangierte die Songs. Was er herstellte, war eine Sammlung poppiger Instrumentals, die hauptsächlich von der Gitarre des zu Irvin Malonen gewordenen Musikers dominiert wurden. Zusammen mit dem Bassisten Bernd Zinsius und dem Schlagzeuger Willy Ziss (auf einem Titel übernahm Georg Funke den Bass und auf einem anderen steuerte der Keyboarder Walter Günther Klänge bei) richtete Malonen einen gekonnten Mix aus akustischen und elektrischen Gitarrenklängen an, der durchaus gefallen konnte und seinen Fähigkeiten auf seinem Instrument, aber auch in den anderen Funktionen, die er übernommen hatte, das beste Zeugnis ausstellte. Auf jeder Seite fanden sich vier Titel, die meistens mit einem Mix aus akustischen und elektrischen Gitarren aufwarteten. Typisch für die Kompositionen von Malonen war die enge Verbindung von poppigen, jazzigen und rockigen Elementen. Vor allem sein elegantes Spiel auf der Gitarre konnte überzeugen. Unglücklicherweise  verkaufte sich die Platte nicht so gut wie erhofft, so dass Malonen wieder zurück nach Moers ging, wo er 1985 sein eigenes Studio aufmachte, in dem er fortan hauptsächlich Schlager produzierte, aber auch Künstler wie George McCrae. Zu diesem Zeitpunkt trat er unter dem Pseudonym Mr. Music auf. Er war sich auf der anderen Seite nicht zu fein, für den Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch den Bühnensound zu überwachen. Aufgrund seiner Fähigkeiten als Songschreiber war er relativ gut im Geschäft, weswegen er seine solistischen Ambitionen zurückstellte. Zudem gab er auch Privatschülern Gitarrestunden, um über die Runden zu kommen. Im Laufe der Jahre brachte er einige Instrumental-CDs auf dem Xenia-Label auf den Markt, die letzte 2009, die Aufnahmen enthielt, die er in den letzten 18 Jahren gesammelt hatte und die mehr in die Richtung gingen, die er auch 1980 präferiert hatte. Da alle diese Produktionen sich eher recht als schlecht verkauften, blieb Kolibabka vor allem bei seinem Brotberuf, also seinem Studio, hängen. Am 2. März 2014 starb er. Seine einzige LP ist bis heute nicht nur wegen des Labels, sondern auch wegen der guten Musik ziemlich gesucht. Da das Cain-Label zudem viele Deutschrockplatten der zweiten Generation herausbrachte, ist es ebenfalls gesucht.

Cain CL 5801

Max Creek spielten auf ihrer vierten LP Windows einen perfekten Mix aus Countryrock und Grateful Dead-Jams.
Veränderungen sind Teil der Rockmusik und jede Band, die länger existiert, wird irgendwann etwas anderes spielen als sie das am Anfang tat. Dafür sind Max Creek ein gutes Beispiel. Gegründet wurde die Band in dem Ort desselben Namens in Virginia von Bassist, Sänger und Songschreiber John Rider und dem Schlagzeuger Bob Gosselin 1971, die im selben Jahr in den Staat Connecticutt umzogen, wo sie den Gitarrenlehrer Dave Reed kennenlernten, der in ihre Band eintrat. Zu dritt spielten sie Bluegrass und Country, ehe der Keyboarder Mark Mercier und der Gitarrist Scott Murawski dazu stießen. Mit dem neuen Personal veränderte sich die Musik zum Countryrock, der Mitte der 70er Jahre absolut populär war und das führte 1977 zur ersten LP des Quintetts. Allerdings bedeutete das bei weitem nicht den Durchbruch der Gruppe. Nach wie vor spielte man in den Clubs von Connecticutt auf. Entscheidendes tat sich erst 1979, als Dave Reed ging, weil er mehr traditionelle und akustische Musik spielen wollte und der Percussionist Rob Fried dazu kam, der durch sein Instrumentarium ebenso auffiel wie durch seinen Panamahut, den er bei jedem Gig anzog. In diesen Jahren absorbierte man den Einfluss der Szene aus San Francisco mit besonderer Berücksichtigung der Jams von Grateful Dead. 1976 war die Sängerin Amy Frazzano mit an Bord gekommen, die immerhin auf den beiden nächsten Produktionen Rainbow und Drink The Stars mitwirkte, ehe sie 1983 ging. 1985 verließ auch Gründungsmitglied Bob Gosselin die Band. Seinen Platz am Schlagzeug nahm Greg de Guglielmo ein. In dieser Besetzung erhielt man das Angebot des Grateful Dead-Fanzines Relix, für das Label des Magazins eine LP einzuspielen. Das war ein vielversprechendes Angebot, das man gerne annahm, denn dadurch war man problemlos bei der Zielgruppe der Musik der Formation angekommen. Prompt wurde Windows die vielleicht beste Produktion des Sextetts. Der leichte Countryrock-Einfluss wirkte gerade bei den längeren Stücken äußerst reizvoll und mit ihren Jams dockten die Jungs direkt bei ihrem großen Vorbild an. Dazu kamen eingängige Songs wie You Write The Book, If You Ask Me, Double Dare, L.F.S oder I Will See. Es war die Verbindung eingängiger Melodien mit dem Jam-Modus, der die Gruppe legendär machte und beispielsweise dazu führte, dass man Musiker von Phish beeinflusste. Auf jeden Fall hatte man mit Windows sein Publikum gefunden und das führte zu der aktivsten Periode des Sextetts, dsd bis in die 90er Jahre hinein 200 Konzerte im Jahr gab. Bis geute folgten 3 weitere Albem und die Band ist nach wie vor aktiv, obwohl Greg de Guglielmo 2004 starb. Seitdem hat sich die Band den guten Ruf in der Jam-Szene erhalten und spielte des öfteren mit Grateful Dead-Mitgliedern. Windows bleibt eine der besten Verbindungen von Grateful Dead-Jams und guten Songs. Das zeigt auch, dass sie später auch als CD auf den Markt geworfen wurde.

Relix RRLP 2018
07-16
453
         
Alan Merrill legte mit seiner   Soloplatte 1985 ein perfektes Poprock-Album vor.
  
Alan Merrill hat eine Karriere hinter   sich, um die ihn viele Kollegen beneiden dürften. Eine frühe Karriere als   Solostar in Japan in den frühen 70er Jahren, eine zweite Laufbahn mit den Arrows in England und eine dritte als   Begleitmusiker für Meatloaf. Daneben immer wieder Soloplatten und Konzerte,   die er bis heute überall da gibt, wo man ihn hören will. Nachdem er in den   70er Jahren bereits zwei Solo-Alben in Japan vorgelegt hatte, wurde er nach   der Episode mit den Arrows, die   sich bis in die späten 70er Jahre hielten, dem Engagement bei den Runners und Projekten  mit Rick Derringer, die in den frühen 80er   Jahren akut wurden, erst Mitte der 80er Jahre wieder für sich selbst aktiv.   Bei Polydor legte er 1985 die LP Alan Merrill vor, auf der er seine   Fähigkeiten als Sänger, Gitarrist und Songschreiber demonstrierte. Mit   prominenten Mistreitern wie Stevie Winwood, Dallas Taylor und Mick Taylor   spielte er die LP ein, die er wohl deswegen produzieren durfte, weil Joan   Jett 1982 mit seinem Song I Love   Rock´n´Roll einen Millionenhit gelandet hatte. Als Songschreiber sorgte   Merrill für 10 Songs, die alle gute Melodien besaßen und die er mit seinen   Gästen mit einem lockeren Rock umsetzte. Das war qualitativ absolut gut, aber weder die ausgekoppelte Single Hard Hearted Woman noch das Album rissen viel, was Merill auf die   schlechte Promotion der Plattenfirma schob. Das ist insofern nicht ganz   falsch, weil die LP eigentlich nur positive Rezensionen bekam und die Single   zunächst durchaus im Radio gespielt wurde. Danach schloss er sich der Band   von Meatloaf an, bei dem er bis Anfang der 1980er Jahre blieb. Anschließend   spielte er eine Hauptrolle in der US-Fernsehserie Encyclopedia Brown, für die er auch den Titelsong schrieb und   einspielte. Danach folgte ein Don Covay-Tribute mit dem Produzenten Jon Tiven. Unter dem Namen Jon Tiven Group spielte man zwei Alben ein, Yes   I Ram und Blue Guru, auf denen   Alan komplett den Leadgesang übernahm, dafür jedoch nie bezahlt wurde. Im   Anschluss zog es ihn zurück nach Japan. Dort war seine 70er Jahre Band Vodka Collins wegen der auf CD neu   veröffentlichten Vinylplatten der 70er Jahre wieder so populär geworden, dass   man in Japan nach Konzerten und neuen Produktionen der Band schrie. Also blieb Merrill in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren dort aktiv. Seit 2002 ist er wieder zurück in New York, wo er bis heute etliche Soloplatten herstellte und auch ständig live auftritt. Daneben geht er immer wieder nach Japan, wo er dank Vodka Collins glänzend im Geschäft ist. Sein erstes Solo-Album in den USA (zuvor hatte er schon zwei in Japan auf den Markt gebracht) bleibt eine süffige Poprock-LP, die man sich problemlos bis heute anhören kann, weil die Qualität der Lieder und der Musik zeitlos ist. Merrill hat nicht zu Unrecht eine 50-jährige Karriere hinter sich.
 

US-LP: Polydor 823 577-1
05-16
451
Maggie Lee legte mit ihrem   einzigen Album 1984 eine schöne Poprock-Produktion vor.
  
Die wenigsten Menschen ziehen nach Los Angeles, weil   sie die Umgebung oder die Stadt landschaftlich interessiert, sondern weil sie   im weitesten Sinne in der Unterhaltungsindustrie reüssieren wollen. Das galt   natürlich auch für Maggie Lee, die   aus Sioux Falls in South Dakota in den 80er Jahren nach Los Angeles kam, um   einen Fuß ins Musikgeschäft zu bringen. Doch das klappte erst, als sie ihren späteren   Mann, Larry Lee traf, der seinerseits bereits eine Karriere mit den Scooters hatte. Doch nach deren Ende   tat er sich mit seinem Kumpel Jim Keller (Tommy   Tutone) zusammen und schrieb Songs nach den Texten seiner Frau, die Epic gut genug gefielen, um ihr einen   Plattenvertrag zu geben. Zusammen mit ihrem Mann und Jimmy Keller als   Produzenten ging sie auch ins Studio, wo sie mit Studioprominenz wie Mitchell   Froom und Nicky Hopkins sowie Freunden ihres Mannes, der die Gitarren und den   Bass bediente, die LP White Zone einspielte.   Ihre beiden Produzenten legten großen Wert auf die Vokalharmonien und holten   zu ihrer Unterstützung vier Backgroundsängerinnen als Hilfe, die alle    Stücke gehörig aufpeppten. Dadurch wurde der Charakter der Musik, der   deutlich Bezüge auf den klassischen Rock´n´Roll nahm, noch unterstrichen wie   auch der kräftige Anteil der modernen Popmusik der 80er Jahre. Im Vordergrund   jedoch stand immer die helle Stimme von Maggie Lee, die dem Material mehr als   gerecht wurde. Es entstand eine äußerst unterhaltsame Platte, die durch die   stilistische Einordnung zu jeder Zeit einen musikalischen Drive und die   Vitalität besaß, die man im Rock haben muss, um am Markt bestehen zu können. Unglücklicherweise setzte sich die LP jedoch die LP jedoch   nicht durch und so verschwand Maggie Lee in der Versenkung, oder besser,   hielt ihrem Mann den Rücken frei, der in eine Karriere als Produzent und   Musiker durchstartete. Er arbeitete zuerst als Komponist im Filmgeschäft,   bevor er die Dolly Dots produzierte   und für 18 Monate nach Holland zog, wo er etliche Bands und Künstler betreute. Zurück in den USA arbeitete er mit Künstlern wie Roger Daltrey, Meatloaf und Mr. Big zusammen, ehe er gemeinsam mit Giorgio Moroder wieder an Filmmusik mitwirkte. Im 21. Jahrhundert ist er auf die Managerebene der Musikindustrie gewechselt, zuerst als A&R Manager der YMA Records/Music Group. In den letzten Jahren zog er mit Freunden die Firma HOR auf, die sich um das gesamte Spektrum der Unterhaltungsindustrie kümmert. Zudem wurde er im 21. Jahrhundert auch in die Iowa Hall Of Fame der Rockmusik aufgenommen. Seine Frau ist nicht mehr als Rocksängerin aufgetaucht.

US-LP: Epic Columbia FC 39317

03-16
449
Mit seinem zweiten Solo-Album   Utopia Parkway legte Mike Mandel 1980 ein ausgezeichnetes Jazzfunk-Album vor.
  
Sessionmusiker sind die unbesungenen Helden der   Rockmusik. Ohne sie wären Myriaden von Produktionen deutlich schlechter, sie steuern   oft genug die nötige Prise Pfeffer in einen musikalischen Eintopf. Mike Mandel, der vor allem als   Keyboarder der legendären Jazzrockband Eleventh   House um Larry Coryell und Alphonse Mouzon bekannt wurde, ist bis heute   einer der herausragenden Keyboarder der Jazzrock-Szene geblieben, obwohl er   seit einigen Jahren nur noch von zuhause in New York arbeitet – gut zu   verstehen, wenn man weiß, dass er im Alter von 8 Jahren an derselben   Krankheit erblindete wie Ray Charles. Das geschah in seinem Geburtsort Yakama   im Staat Washington. Nur 50 Kilometer entfernt von ihm wuchs Larry Coryell,   seines Zeichens einer der größten Jazzgitarristen der letzten 50 Jahre auf,   und so war es unvermeidlich, dass sich die beiden irgendwann trafen, denn   Mike hatte schon früh damit angefangen, Klavier zu spielen und war inzwischen   ein ausgefuchster Pianist. Zusammen gründeten sie die Checkers, die natürlich den 1960 angesagten Sound spielten –   Rock´n´Roll. Doch bald begann der sogenannte Ernst des Lebens und der führte beide in   die große weite Welt der Musik. Während Larry nach einem kurzen Aufenthalt in   der Band Free Spirits, die mit Out Of Sight And Sound 1967 eine der   ersten Fusion-LPs   vorlegte, eine Solokarriere einschlug, machte Mandel die klassische   Ausbildung eines Musikers an der Hochschule, um dann genauso wie Larry in der   Musikwelt zu landen. 1973 traf man sich wieder, als Larry Coryell eine   Fusiongruppe gründen wollte und dafür einen Keyboarder brauchte. Natürlich   dachte er an Mandel, der inzwischen eines der Studio-Asse in New York geworden war und der sagte zu. 1973-1976   brachte das Quintett mit Coryell, Mandel, Randy Brecker, Danny Trifan und   Alphonse Mouzon vier Alben auf den Markt, die Jazzrock der Extraklasse   brachten und auf denen Mandel zeigen durfte, dass er inzwischen auch ein   Synthesizer-Spieler von Rang war. Nach dem Ende der Band hatte sich Mandel   einen derart guten Namen gemacht, dass er von Vanguard einen Vertrag über zwei LPs erhielt. Die erste, Sky Music, erschien 1978 und wartete mit einer Fülle berühmter Musiker und einem vom Synthesizer dominierten Jazzfunk auf. Zwei Jahre später kam Utopia Parkway auf den Markt, auf dem die großen Namen fehlten, aber die Musik gut oder sogar besser war als bei dem ersten Album. Diesmal stand zwar erneut der Synthesizer im Mittelpunkt, aber gleichzeitig hatte Mandel dafür gesorgt, dass die zweiten Soli bei jedem Titel von den Bläsern bestritten wurden. Bis heute ist diese LP nicht als CD erschienen und eine Freude für jeden Jazzfunk-Fan. Mandel macht bis heute Musik in den Studios von New York.
 

US-LP: Vanguard 79437
01-16
447
Mit The Rise And Fall Of   Honesty legten Maffitt & Davies 1968 eine lupenreine Folkpop-LP vor.
  
Der Zeitgeist ist für die Popmusik der entscheidende   Faktor. Er diktiert, was die Plattenfirmen unter Vertrag nehmen und er setzt   die Trends, die die Szene der populären Kultur dominieren. Anfang und Mitte   der 60er Jahre war der Folk und im Anschluss daran der Folkpop einer der   Stilarten, die absolut angesagt waren. Im Gefolge von Joan Baez, Bob Dylan,   Phil Ochs oder Eric Andersen – um nur eine kleine Auswahl zu nennen – kamen Simon & Garfunkel, die die   kommerziellen Erfolge einfuhren, auf die die Protagonisten der ersten Welle   vergeblich gewartet hatten. Fortan waren Duos absolut angesagt und eines   davon nannte sich Maffitt & Davies.   Es war in Los Angeles zusammen gekommen und trat dort im legendären Troubadour Club auf, wo sie von dem  extrem populären Folkie Glenn Yarbrough gesehen wurden. Er war derart   beeindruckt, dass er die beiden zuerst als Anheizer für seine Konzerte   engagierte, ehe er sie in seine Begleit-Band integrierte. Dort machten sie   einen guten Job und hatten zusätzlich Zeit, sich um einen eigenen   Plattenvertrag zu kümmern. 1967 zeigte Capitol   Records Interesse und schickte sie mit dem angesagten Produzenten Nick   Venet ins Studio, der beispielsweise Erfolge mit den Beach   Boys, den Lettermen oder Glen   Campbell gefeiert hatte. Er war verantwortlich für die Arrangements, die   teilweise psychedelische Anklänge wie die Tabla hatten, größtenteils aber den   Gesang der beiden Protagonisten in den Vordergrund rückten. Das Material   bestand aus zwei ausgezeichneten Coverversionen von Bob Dylan (Just Like A Woman, Tom Thumb´s Blues)   und anderen Covern damals angesagter Songschreiber wie Hoyt Axton, John   Hartford oder Bob Gibson, zu der eine Eigenkomposition von Brian Davies kam.   Die durchdachte Produktion von Venet verlieh der Platte einen sehr zurückhaltenden, sanften   Charakter, der ideal auf den Gesang der beiden abgestellt war. Allerdings war   das Cover vollkommen unpassend für die Musik und auch die Auswahl von Forest Lane als Single war eher   exzentrisch, da es sich dabei um ein Lied über einen Friedhof handelt.   Folglich war es keine sehr große Überraschung, dass die LP in den Regalen liegen blieb. Zunächst blieben die beiden bei Yarbrough, ehe Clark Maffitt es vorzog, als Solist zu arbeiten. 1978 kamen die beiden noch einmal zusammen und spielten eine zweite LP für das kleine MAL-Label ein, das jedoch genauso erfolglos blieb wie das Debüt. Danach trennten sich die Wege der beiden. Maffitt ging zurück nach Martha´s Wineyard in Massachusetts, wo er bis zu seinem Tod 2014 als Schauspieler arbeitete. Brian Davies arbeitete bis 1986 für Yarbrough und ließ sich dann als Pfleger ausbilden. Als er 2006 in Rente ging, holte ihn Yarbrough in seine Band zurück, wo er bis heute spielt. Die erste LP der beiden war eine der besseren Folkpop-LPs, was sowohl an den beiden wie am Produzenten Nick Venet lag.

 
US-LP: Capitol ST 2999
11-15
445

Mit ihrem vierten Album   gelang Love And Money ein Meisterwerk des Gitarrenrock.
  
So banal es ist, aber die Musikindustrie funktioniert   in der Regel nach dem Motto: The Trend Is Your Friend. Sprich: Wer immer   erahnt, wohin der Zeitgeist geht, der wird erfolgreich sein. Nach dem ersten,   der dies schafft, ziehen dann die anderen Firmen nach. Das beste Beispiel   dafür ist der Beat-Boom, der nach dem Erfolg der Beatles einsetzte, als speziell der A&R-Chef von Decca, dem der Fauxpas der Ablehnung   der Fab Four unterlaufen war, jede Gruppe unter Vertrag nahm, die Gitarren   spielen und singen konnte. Ähnlich war es in den späten 80er Jahren, als im   Gefolge der Smiths jede Menge von   auf den Gitarren basierende Combos unter Vertrag genommen wurden. Dazu   gehörten auch Love And Money aus   Glasgow, die sich aus der Asche von Friends   Again formierten. Dazu hatten der Sänger, Gitarrist und Songschreiber   James Grant, der Keyboarder Paul McGeechan und der Schlagzeuger Stuart Kerr   noch den Bassisten  Bobby Paterson von Set The Tone geholt. In dieser   Besetzung nahm man 1986 All You Need Is   Love And Money heraus, das ein Achtungserfolg wurde. Danach ging Kerr und   wurde für die Arbeit an Strange Kind Of   Love von Jeff Porcaro (Toto)   ersetzt, das der Steely Dan-Produzent Gary Katz   betreute. Mit Halleluiah Man gelang   der erste größere Hit, weniger in England als in Europa und Ozeanien, und man   machte sich zu extensiven Touren auf, die das Quintett, zu dem jetzt der   Rhythmusgitarrist Douglas McIntyre und der Schlagzeuger Gordon Wilson   gehörte, in die USA, nach Japan und Australien führte. Zuhause trat man im   Vorprogramm von unter anderem Tina Turner auf. Damit war der Durchbruch   geschafft, aber dennoch lehnte Phonogram   das dritte Album The Mother´s Boy ab,   so dass man zurück ins Studio ging und 1991 mit Dogs In The Traffic zurückkehrte, dass das beste Album der Band   geworden war. Das lag vor allem zum einen an den einfacheren Arrangements, die die Gitarren   in den Mittelpunkt stellten und den ausgezeichneten Songs von Grant. Zwar   wurden drei Singles ausgekoppelt, aber einen großen Hit konnte man nicht   landen, trotz der gro0en Qualität solcher poppigen Lieder wie Winter (der 2. Single), My Love Lives In A Dead House (der 1. Single), dem akustischen Looking For Angeline (das live eine echte Zugnummer wurde), Lips Like Ether oder Whisky Dream. Zuhause in Schottland war man inzwischen eine richtig große Zugnummer. Aber als sich die letzte LP Littledeath 1993 nur 25.000-mal verkaufte, war es das für die Band. 2006 starb Paterson, der zuletzt als Manager von Bars gearbeitet und ein Hotel gegründet hatte. Dennoch trat man 2011 und 2012 in Glasgow auf und veröffentlichte 2012 das neue Album The Devil´s Debt. James Grant hat zudem eine Solokarriere eungeschlagen. Seitdem herrscht Ruhe, doch Dogs In The Traffic bleibt ein Meisterwerk.

 
UK-LP: Fontana Phonogram 848 993-1
09-15
443
         
Moccasin legten 1970 ihr   einziges Album mit schönem Countryrock vor.
  
Wen Schallplattenfirmen unter Vertrag nahmen,   unterliegt genauso dem Zeitgeist wie alle anderen Aspekte der populären   Kultur. 1969 lag dank des phänomenalen Erfolgs des Debüts von Crosby, Stills & Nash und dem   triumphalen Auftritt des Trios mit Neil Young auf dem Woodstock Festival die   Verbindung von Folk, Country und Rock in der Luft und jeder Musiker oder jede   Band, die mit so etwas aufwarten konnten, hatten eine gute Chance, einen   Plattenvertrag zu erhalten. 1969 war Mike Curb Präsident von der   Schallplatten-Abteilung des Filmriesen MGM   geworden und machte Michael Lloyd zu seinem A&R-Manager. Lloyd hatte   seine Karriere mit der West Coast Pop   Art Experimental Band begonnen und suchte nun nach neuen Acts für sein   Label. Auftritt des Sessionmusikers Casey van Beek, der aus Tulsa nach Los   Angeles gekommen war und dort neben seinen Jobs in den diversen Studios der   Stadt noch eine Band gegründet hatte – Moccasin.   Dazu gehörten die beiden Gitarristen Keigh Johnson und Merlin Moran, der   Saxofonist Bud Deal und der Schlagzeuger Gerald Gibson. Auf der Suche nach   einem Stil war man wie viele andere Musiker damals auf das Debüt von Crosby,
  
Stills &   Nash gestoßen   und hatte sich entschlossen, das mit den eigenen Mitteln durchzuziehen. Dabei   half, dass alle Mitglieder auch Songs schreiben konnten. So bemühte man sich   um einen Plattenvertrag, den man dann auch von Michael Lloyd und MGM erhielt, wobei klar war, dass der,   falls das Album kein Erfolg werden sollte, beendet war. Also begab man sich   ins Studio und kehrte mit einem beachtlichen Album zurück, das die   stilistischen Vorgaben punktgenau umgesetzt und noch einen Schuss Psychedelic   dazugegeben hatte. Sowohl die Vokalharmonien als auch die Songs selbst waren   stark, die Leistungen der Instrumentalisten ebenfalls. Das Pech der Band war,   dass sie das Opfer der Anti-Drogen-Kampagne von Mike Curb wurde, der alle   Acts, die etwas mit Drogen zu tun hatte, von seinem Label feuerte. Dieser   Bannstrahl traf auch Moccasin und   folglich war die Karriere der Band bereits beendet, ehe sie richtig begonnen hatte, denn eine Tour war ohne die Unterstützung der Plattenfirma nicht möglich. So wandten sich die verschiedenen Mitglieder wieder ihren anderen Jobs zu, die mit der Ausnahme von van Beek und Deal mit Musik nichts zu tun hatten. Gilbert wurde Schauspieler und reüssierte im Fernsehen und in Hollywood, van Beek und Deal feierten erst in den 90ern einen richtigen Erfolg, als sie bei den Tractors unterkamen, die die Studio-Elite von Tulsa zusammenfassten und Millionen Platten von ihrer Art des Countryrock verkauften. Wenigstens war van Beek seiner Musik treu geblieben.

MGM SE 4728
 07-15
441
         
1974   legte das englische Duo Macko Palmer seine einzige LP Passing Clouds mit   Softrock vor.
  
Plattenverträge sind   heute nicht mehr das A&O der Musikindustrie, weil es in unserer Zeit dank   des Internets und der elektronischen Medien vielfältige Möglichkeiten   existieren, sich einen Namen in der Musik zu machen, aber in den 70er Jahren,   als das Geschäft mit der Schallplatte noch brummte, war es der einzige Weg,   um mit seiner Musik etwas Geld zu verdienen. Bill Macko und Palmer van Zorn hatten   sich Anfang der 70er Jahre kennen- und schätzen gelernt und entschlossen   sich, als Duo zusammen zu arbeiten. Ihr Programm war eigentlich Softrock im   Gefolge von Simon & Garfunkel, aber gleichzeitig wollte man auch einen   Schuss der Singer/Songwriter- Bewegung und der Musik von der Westküste der   USA mitnehmen. Da beide Songschreiber waren, dauerte es nicht lange, ehe sie   ein Programm hatten, mit dem sie auftreten konnten. Nach und nach eroberten   sie sich ein immer größeres Publikum, bis sie schließlich einem Scout von RSO,   dem Label des Managers Robert Stigwood, auffielen, der damals mit Eric   Clapton und den Bee Gees extrem gut im Geschäft war. Er holte sie in   ein Studio in London, wo sie unter der Leitung des ehemaligen Kevin Coyne-   und Link Wray-Produzenten Steve Verroca 1974 die LP Passing Clouds einspielten, die 1975 von RSO mit   einem aufwändig gestalteten Cover auf den Markt geschickt wurde. Sowohl die   Buchstaben des Gruppen- als auch die des Album-Namens waren erhöht gedruckt   worden, so dass das ganze Cover einen sehr gediegenen Eindruck machte. Dazu   passte auch die Musik, die die beiden geschrieben hatten. Das war ein   leckerer Mix aus Poprock wie beim ersten Song Cushing Street,  Folkpop wie beim Doppel-Lied I Don´t   Believe-You Baby oder unverfälschter Pop wie bei Hurry Sundown.   Dazu kam eine folkige Coverversion des Beach Boys-Hits I Get Around   und ähnliche Highlights und fertig war eine starke Platte mit einem Mix   aus Pop, Rock und Folkmusik. Dank des Produzenten Steve Verroca – der   beispielsweise mit Link Wray zusammen gearbeitet hatte - waren und sowohl die Arrangements als   auch die Begleitungen äußerst vielfältig und der Klang an die jeweiligen   Lieder angepasst. Dennoch hatte die Platte keinen Erfolg, obwohl das Duo im   Vorprogramm der 1975er Eric Clapton-Tour auftrat und auch sonst von RSO gut   unterstützt wurde. Doch Palmer zog wohl  das zutreffende Fazit, nachdem er wieder zuhause in Phoenix angekommen war: „Nach der ersten Aufmerksamkeit war unsere Musik wahrscheinlich nicht auffallend genug und die Teenager waren sicherlich nicht unser Zielpublikum.“ Das Duo als schwache Kopie von Crosby, Stills & Nash abzutun, wie das ein Kritiker im Rahmen der Eric Clapton-Tour tat, trifft zwar sicherlich ihre einzige LP nicht, aber die Live-Präsentation wohl. Da auch die sowohl in England als auch in Holland ausgekoppelte Single I Get Around / Nowadays Nobody Wants To Go To Heaven nicht reüssieren konnte, kam das Ende für das Duo relativ schnell. Macko ging zurück zu seinem Beruf, Palmer wieder in die USA, wo er in Phoenix lebt und arbeitet. Keiner von ihnen kam dem Erfolg mehr so nahe wie mit ihrer LP 1975.

UK: RSO Polydor 2394 146
05-15
438
         
Das   erste Album von Ken Lauber, Contemplation (View) wurde 1969 als Startschuss   eines neuen Stils gefeiert.
  
Der gebürtige New   Yorker Ken Lauber hatte, bevor er   sein erstes Album herausbrachte, bereits diverse musikalische Studiengänge   durchlaufen. Zuerst lernte er Schlagzeug von solchen Koryphäen wie Gene Krupa   und Cozy Cole. Danach absolvierte er noch während seiner Zeit in der Schule   weitere Percussion- und Schlagzeug-Workshops, ehe er Anfang der 60er Jahre an   der berühmten Juillard Music School Komposition bei Victor   Persichetti, Klavier bei Rosina Lhévinne und Dirigieren bei Jean Morel   lernte. Daneben ließ er sich noch privat von Marion Evans in Komposition   unterrichten. Die Früchte erntete er erstmals 1964, als er von United Artists   angestellt wurde und für den Peter Sellers-Film The World Of Henry   Orient ein siebenminütiges Klavierkonzert schrieb sowie die Musik zu dem   beim Filmfestival in Venedig 1965 ausgezeichneten Streifen The Drifter beisteuerte.   Doch danach schlug er eine andere Richtung ein, nahm Singles mit Material aus   den Filmen Lilies In The Field mit Sidney Poitier und Tom Jones mit   Albert Finney auf und unterschrieb 1969 einen Vertrag mit Polydor, die   sich in den USA etablieren wollten. In Nashville spielte er mit den Musikern von Area   Code 615 sein erstes Album ein, Contemplation (View), das von der   Kritik 1971 als erstes Produkt einer neuen Richtung namens Countrypolitan bezeichnet   wurde, womit man die Fusion von Country, Blues und Jazz meinte, die Lauber   auf seinem Debüt untergebracht hatte. Seine Songs waren selten eingängig,   wuchsen aber, je öfter man sie hörte. Unglücklicherweise hatte er bei dem   falschen Label angeheuert. Polydor schaffte es nie, den amerikanischen   Markt zu erobern, weil es einen schlechten Vertrieb hatte und die Komplexität   eines solch großen Landes offensichtlich unterschätzt hatte. Zu den Opfern des   fehlgeschlagenen Engagements in den Vereinigten Staaten zählte auch Elliott   Randall, dessen Produktionen auf keinen grünen Zweig kamen. Doch Lauber   steckte den Rückschlag  weg und begann,   in New York, Los Angeles und Nashville als Songschreiber und Musiker zu   arbeiten. Dank seiner Ausbildung war er die ideale Wahl als Pianist und Arrangeur, wovon beispielsweise Mimi Farina,   Richie Havens, Waylon Jennings, Doc Watson, Johnny Cash, Bob MacDill und   Sammy Smith profitierten. 1972 nahm er ein zweites Solo-Album für MCA auf,   das seinen Namen als Titel trug und von Val Garay produziert wurde. Ab 1973 fungierte er dann zehn Jahre lang als Filmkomponist und betreute einige berühmte Streifen wie Hearts Of The West mit Jeff Bridges, Chilly Scenes Of Winter, Wanda, Nevada von und mit Peter Fonda oder Goin´ South mit Fonda und Jack Nicholson. Zudem versorgte er auch Fernsehserien wie Studs Lonigan mit seinen Kompositionen. Im neuen Jahrtausend ging er dann ins Musical-Gewerbe und arbeitete mit an solchen Bühnenwerken mit Sugar Ray und Le Hot Blu, wobei er zu dem letzteren auch das Buch schrieb. 2007 nahm er zudem eine neue CD mit eigenen Liedern mit dem Titel O Soul Song auf, die in Europa von Douglas Records vertrieben wurde, aber auch auf seiner Homepage erhältlich ist. Der heute 73-jährige ist nach wie vor aktiv.

D-LP: Polydor 2425 005
03/15
436
         
Mit   seiner einzigen Soloplatte Marooned legte Larry Lee 1982 eine perfekte   Pop-Platte vor.
  
Das Schmieröl der   Musikindustrie sind die Hits, ganz egal, ob man wie heutzutage 20.000 für die   Nr. 1 verkaufen muss oder, wie früher, das zehnfache. Ab einer gewissen  Größenordnung werden erfolgreiche Lieder zu   einem Freifahrtschein für eine Solokarriere, falls man so etwas anstrebt. Larry Lee, der ehemalige Schlagzeuger   und Sänger der Ozark Mountain Daredevils und mit Steve Cash  der Schreiber ihres größten Hits Jackie   Blue (Nr. 3 in den USA 1974) hatte schon 1978 ein Solo-Album aufgenommen,   das aber unveröffentlicht blieb. Als dann der Erfolg immer mehr nachließ,   löste sich die Band nach und nach auf und diesmal klappte es mit der   Soloplatte für Lee. 1982 ging er zusammen mit der Session-Elite von LA ins   Studio und nahm dort eine Mischung aus eigenen Songs und Coverversionen auf,   die eine nahezu perfekte Pop-Platte ergaben. Dank des Produzenten John Ryan,   der zuvor beispielsweise für Styx gearbeitet hatte, herrschte der   damals typische Wesctoast-Sound vor, bei dem die elektronischen   Tasteninstrumente eines David Hungate dominierten. Doch die Qualität der   eigenen  Lieder von Lee, sowie Songs   von Clifford T. Ward, Robert Johnson, Alan Tarney oder Terry Britten war so   hoch und die Stimme von Lee so   prägnant, dass sich nie ein Dutzendsound einschlich. Etliche Lieder hätten   das Zeug zu einem Hit gehabt, außer dem Titellied beispielsweise Number   One Girl, The Best Is Yet To Come oder Hang On. Leider wurde nur The   Best Is Yet To Come ein kleinerer Hit in den Adult Contemporary Charts   und Lee zog es vor, anstelle seine Solokarriere weiter zu verfolgen, als   angestellter Songschreiber zu einem Songverlag nach Nashville zu gehen. Ab   1986 trat er dann als Backgroundsänger in der Band von Jimmy Buffett, den Coral   Reefers auf, ehe er sich mit Josh Leo in einem Produzententeam zusammen   tat. In dieser Funktion hatte er seine   größten Erfolge und betreute etliche der erfolgreichsten Acts in Nashville.   Gleichzeitig trat er mit der Coverband Del Beatles auf, die jahrelang   in den Clubs von Nashville auftrat, ehe sie sich aus Angst vor einer Klage   der realen Fab Four in Vinyl Kings umbenannte. Darunter nahm sie 2002   und 2005 zwei CDs auf. Irgendwann hatte Lee dann die Schnauze von der   Musikindustrie voll und zog zurück in seine Heimat nach Missouri, ohne   allerdings ganz von der Musik lassen zu können. Abgesehen von der Teilnahme an den jährlich stattfindenden Reunions der Ozark Mountain Daredevils zog er auch eine Band mit dem ehemaligen Gitarristen der Ozark Mountain Daredevils, Randall Chowning, auf. Die nahm 2005 die CD Beyond Reach auf und tritt ebenfalls sporadisch auf. Heute lebt Lee ein Leben im Quasi-Ruhestand und hilft manchmal Nachwuchsmusikern bei der Produktion ihrer ersten Platte aus. Seine einzige Soloplatte hätte ein weit größeres Echo verdient als das, was sie tatsächlich bekam. Sie wird von vielen Fans zu den herausragenden Produktionen des kalifornischen Popsounds der 80er Jahre gezählt. Wie so oft kam die Anerkennung zu spät, um Lee zu einem Solisten zu machen.

Columbia FC 37692
01-15
434
         
Mit   ihrem dritten Album Around The Horn legte das Chicagoer Quartett Souled   American einen ganz neuen Sound vor.
  
Die Countrymusik ist   zusammen mit dem Blues eines von drei Fundamenten, auf denen die populäre   Musik in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgebaut wurde. Deswegen war   und ist es kein Wunder, dass viele moderne Bands immer wieder auf einen der   drei Stile (der dritte ist der Folk) rekurrieren. Das tat auch die 1987 in   Chicago gegründete Gruppe um den Gitarristen und Sänger Chris Grigoroff, den   Gitarristen Scott Tuma, den Sänger und Bassisten Joe Aducci sowie den   Schlagzeuger Jarney Barnard. Von Anfang an suchte und fand man einen ganz   neuen Ansatz, den zuvor noch keine andere Formation entdeckt hatte. Sie   entschleunigten die gesamte Musik, bis sie teilweise fast wie in Zeitlupe   daherkamen. Nach den ersten beiden Alben Fe und Flubber fanden   sie auf ihrer dritten LP die endgültige Fassung ihres Klangs, der auf Around The Horn vor allem aus   Traditionals und aus Fremdkompositionen wie beispielsweise dem Titeltrack   bestand, der von Lowell George und Keith Godchaux geschrieben worden war.   Entscheidend war sowohl die Geschwindigkeit – besser: die Langsamkeit – der   Lieder und die Benützung eines normalen   Rock-Instrumentariums, bei dem klassische   Instrumente der Countrymusik wie die Fiddle oder die Pedal Steel-Gitarre   außen vor blieben. Deswegen lagen die Jungs auf dieser Platte näher beim Rock   als beim Country, was die zweite Komponente ihrer Musik war. Obwohl sie auf   den Alben zuvor mehr eigene Songs integriert hatten, zogen sie es diesmal   bewusst vor, bekannte Titel aus der Bibliothek der Countrymusik zu nehmen wie   Six Feet Of Snow, Willdawg, Durante´s Hornpipe oder In The Mud,   anhand derer sie ihre Methode besser anwenden konnten und sie vor allem   erkennbarer wurde. Damit schuf das Quartett einen ganz neuen Klang, der von   ihnen kreiert worden war. Trotz der   überwiegend hervorragenden Kritiken war das kommerzielle Ergebnis leider   wenig erfolgreich. Souled American   blieben ein Geheimtip, was bis heute zu einem mehr oder wenigen Absterben   der Gruppe führte, die ihre letzte CD 1997 veröffentlicht hat. Allerdings   scheint sie zumindest noch zu existieren, denn auf ihrer Homepage ist sie für   Angebote von Konzerten bereit. Trotz des mangelnden Erfolgs ihrer Platten   kann man absolut davon ausgehen, dass das Quartett aus Chicago stilbildend wirkte. Viele der Bands und Künstler, die heute auf der Americana-Welle schwimmen, holten sich mindestens einen Teil ihrer Inspiration von dem Sound, den die Kollegen aus Chicago angerichtet haben, als die musikalische Mode viel mehr  in Richtung Grunge ausgelegt war als zur Rückbesinnung zur Folk- und Countrymusik, wie es heute ist.  Es war, wenn man so will, einfach Pech für Souled American, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wie bereits oben angesprochen, waren die großen Zeiten für Americana noch nicht angebrochen und Chicago auch sicher keine Stadt für eine Country(rock)-Band. Doch gerade in der Rockmusik scheiterten viele Pioniere und die große Kohle kassierten die anderen ab.

Rough Trade ROUGH 152
10/14
         
Ron   Nagle legte mit Bad Rice 1970 ein Meisterwerk vor, das aber sein einziges   blieb.
  
Ehe San Francisco für   zwei Jahre zum Nabel der Rockwelt wurde, gab es schon einige Bands dort, wie Mystery   Trend, die mit frühen Ausgaben von Grateful Dead und Jefferson   Airplane auftraten, aber genauso wenig etwas mit psychedelischer Musik   hatten wie diese Bands um diese Zeit. Tatsächlich waren die Haupteinflüsse   der Band um Keyboarder Ron Nagle, Gitarrist Bob Cuff, Gitarrist Larry West,   Bassist Larry Bennett und Schlagzeuger John Luby die englischen Bands aus dem   Mod-Bereich wie The Kinks oder The Who und Motown.   Obwohl sie bis 1967 auftraten, brachten sie nur eine Single (Johnny Was A   Good Boy) im Februar 1967 auf Verve auf den Markt und die floppte   natürlich. Danach zerstreute sich die Band in alle Winde und nur Ron Nagle   blieb als Songschreiber aktiv. 1970 brachte er auf Warner Brothers sein   einziges Solo-Album heraus, Bad Rice,   von dem bis heute die meisten glauben, es sei deswegen kein Erfolg geworden,   weil es selten ein so unattraktives Cover gegeben habe. Auf der Frontseite   sah man einen Haufen Reis, hinten ein Foto von Nagle (?) mit einer Zahnlücke.   Im Klappcover fand man immerhin einige Informationen, und wer soweit   vorgedrungen war, hätte immerhin Namen von Musikern wie Ry Cooder, John   Blakeley, Sal Valentino oder Bruce Botnick gefunden und entdeckt, dass das   Album von dem damals enorm einflussreichen DJ Tom Donahue und dem Arrangeur   Jack Nitzsche produziert wurde. Allerdings hätte ihn das nicht auf die Musik   vorbereitet, die er dann erhielt. Denn wie schon in Mystery Trend hatte   auch dieses Album nichts mit psychedelischer Musik sondern viel mehr mit   amerikanischer Popmusik zu tun. Nagle schrieb einfach ausgezeichnete Lieder,   angefangen mit dem Rocker 61 Clay – einer Adresse in San Francisco -,   dem Rocker Marijuana Hell oder Frank´s Store mit einem   typischen Streicher-Arrangement von Jack Nitzsche, das ein weiterer Rocker, Party   In LA, ablöst, ehe die Klavier-Ballade That´s What Friends Are For die   erste Seite beendet, die auch von Billy Joel stammen könnte. Dolores eröffnet   die zweite Seite erneut mit einem Streicher-Arrangement von Nitzsche, das genauso   ausgezeichnet passt, darauf folgen die beiden Rocker Capricorn   Queen und Sister Cora, wobei vor allem bei letzterem John Blakeley   bewiesen darf, dass er ein fantastischer Gitarrist war. Something´s Gotta Give schwenkt über zur Countrymusik, dank der Pedal Steel-Gitarre von Steve Davis (ansonsten bei Commander Cody), Family Style bringt Music Hall-Feeling aus England und House Of Mandia wandert vom R&B nach Brasilien. Niemand kaufte die Platte und Nagle zog sich bis 1980 auf das Songschreiben zurück, ehe er in dem Jahr mit Scott Matthews als The Durocs einen neuen Start versuchte, der etwas besser gelang – kommerziell gesehen. Danach jedoch war Schluss mit der Musik. Seit 1978 hatte sich Nagle bereits einen Namen als Keramik-Künstler gemacht, der er bis heute geblieben ist. Er stellte sogar bei der Biennale in Venedig aus und hatte bislang zahlreiche Solo-Ausstellungen in den USA und Europa.

Warner Brothers WS 1902
08/14
         
Mit   Wax bewiesen zwei  herausragende   Musiker, wie gut sie zusammen sein konnten.
  
Wenn ein Teenager schon   mit 17 seinen ersten Hit schreibt, darf man davon ausgehen, dass dieser   Hochbegabte auch im späteren Leben seinen Weg machen wird. Graham Gouldman   schaffte das nach verschiedenen, vergeblichen Anläufen in den späten 60ern   als Songschreiber für die Yardbirds, die  Herman´s Hermits und die Hollies,   um nur einige zu nennen, ehe er von den Lollipop-Erfindern Kasenetz-Katz nach   New York eingeladen wurde. Doch nach drei Monaten flog er zurück nach   Manchester, weil ihm das Ganze zu stressig war. Inzwischen hatte er sich mit   den Musikern Lol Creme, Eric Stewart und Kevin Godley angefreundet und schlug   Kasenetz-Katz vor, doch im Studio, das Stewart und ihm gehörte, für das Duo   zu arbeiten. Das akzeptierten die beiden und so begann die Existenz von 10   CC als Studioband. Nachdem man als Hotlegs den Hit Neanderthal   Man (ohne Gouldman) gelandet hatte, kehrte er zurück und man bekam einen   Vertrag von Jonathan King, der ihnen auch den Namen 10 CC gab. Darunter   arbeiteten Stewart und Gouldman auch nach dem Ausstieg von Creme und Godley   bis 1983 weiter. Eine ihrer letzten LPs hieß Ten Out Of 10 und der   A&R-Manager der amerikanischen Plattenfirma Warner Brothers, Lenny Waronker, war   der Meinung, die LP könnte noch etwas mehr auf den amerikanischen Markt   ausgerichtetes Material vertragen. Deswegen rief er Andrew Gold an, der ein   Fan der Band war und sehr gerne nach England flog. Dort freundete er sich mit   Stewart und Gouldman an, schlug aber ein Angebot aus, bei ihnen einzusteigen.   Zwei Jahre später war die Gruppe am Ende und Graham Gouldman rief Gold an, um   ihn zu fragen, ob er nicht mit ihm etwas schreiben wolle. Gold sagte zu und   blieb 7 Monate. Daraus entstand die Idee einer gemeinsamen Formation, die sie   zuerst World In Action, dann Common Knowledge und – nachdem   Singles unter den beiden ersten Namen floppten – schließlich Wax nannten. Damit kam endlich der   Erfolg. Zwar platzierte sich die erste Single Right Between The Eyes nur   in den hinteren Bereichen der Charts, wurde aber im Radio wesentlich häufiger   gespielt. Andere Songs wie Hear No Evil, Shadow Of Love, Ball And Chain oder   Only A Visitor demonstrierten den Ansatz des Duos, moderne Popmusik   mit fantastischen Riffs und Melodien zu produzieren. Doch der ganz große Erfolg sollte erst mit dem zweiten, im Vergleich zum Erstling weniger originellen Album American English dank des Hits (Building A) Bridge To Your Heart (Top 5 in Deutschland) kommen, doch dabei blieb es auch. Das dritte Opus 100.000 Pounds In Fresh Notes blieb ohne großen Erfolg und das bedeutete auch das Ende der Zusammenarbeit der beiden Musiker. Gouldman ging zur Reunion von 10 CC, Gold schloss sich seiner alten Band Bryndle an. Auf seiner Homepage brachte Gold später einen Sampler heraus, der auch die Tracks der beiden Vorläuferbands enthielt. Im Juni 2011 starb Gold und damit war das endgültige Aus von Wax gekommen. Graham Gouldman ist bis heute aktiv geblieben, schreibt Musik für Filme und legte erst 2012 seine letzte Soloplatte vor.

RCA PL 70937
6/14
427
         
Mit   Sundance nahm Byron Berline 1974 eine fantastische Countryrock-Platte auf,   die ein Unikat blieb.
  
Das Verständnis für   Rockmusik war im Nashville der 60er und 70er Jahre, vorsichtig ausgedrückt,   gebremst. Schon das Aussehen vieler Rockmusiker wirkte auf das Establishment   der Stadt schockierend und dann noch die Musik! Die Musiker indes sahen das   häufig anders und ein gutes Beispiel dafür ist Byron Berline, der in Kansas geboren wurde und schon mit 5 Jahren   begann, Fiddle zu spielen. 1965 wollte ihn Bill Monroe für seine Bluegrass   Boys engagieren, aber Berline lehnte mit Hinblick auf seine Ausbildung   ab. Zwei Jahre später jedoch ging er zu dem Großmeister des Bluegrass, nur um   kurz darauf in die Armee einzutreten, die er 1969 wieder verließ. Dann   schloss er sich Dillard & Clark an, die ihn bereits in Berührung   mit der Rockmusik brachte, ehe er in die dritte Version der Flying Burrito   Brothers eintrat. Danach spielte er mit Manassas. 1975 zog er nach   Los Angeles um, weil er in die Filmindustrie kommen wollte. Das klappte nicht   so wie geplant, aber dafür lernte er jede Menge Musiker kennen, die so wie er   keine Berührungsängste mit der Rockmusik kannten. Prompt stellte er eine Band   mit den Gitarristen Dan Crary und Skip Conover, dem Fiddler Allen Wald, dem Mandolinenspieler John   Hickman und dem Bassisten Jack Skinner zusammen, die alle genauso wie er   versuchen wollten, Country und Rock miteinander zu verbinden. Dabei kam 1976 Byron   Berline´s Sundance heraus, das hauptsächlich auf den Liedern von Jack   Skinner beruhte. Da dieser ein mehr als akzeptabler Songschreiber war,   stellte dies gewiss keinen Nachteil war, sondern gab dem Quintett, das im   Studio noch teilweise durch den Schlagzeuger von Crosby, Stills, Nash   & Young, Dallas Taylor, ergänzt wurde, ein gutes Fundament, um die   eigenen Fähigkeiten
  
  
glänzen zu lassen. Da   die vokalen Fertigkeiten ebenso gut waren wie die instrumentalen, bekam man   eine Fülle von Liedern, die zwischen Country und Rock standen und zusätzlich   mit Bluegrass-Elementen angereichert wurden. Trotz der offensichtlichen   Qualität fiel die Besetzung schnell wieder auseinander, verabschiedete sich   aber mit dem Konzertmitschnitt Live At McCabe´s 1978. Byron Berlin,   Dan Crary und John Hickman spielten als Trio noch einige Platten zusammen   ein, die jedoch deutlich stärker in Richtung traditioneller Country gingen.   Danach machte sich Byron Berline wieder selbständig, arbeitete als Sessionmusiker und gründete die LA Fiddle Band. Doch so gut wie auf Sundance  spielte er selten. Bis heute ist er einer der renommiertesten Countrymusiker, der sein eigenes Bluegrass-Festival gegründet hat, das inzwischen zu den renommiertesten dieser Veranstaltungen gehört. So hat sich sein Rückzug auf die traditionelle Countrymusik für ihn ausgezahlt. Wer allerdings Rock liebt, wird am besten mit der einzigen Studioplatte von Sundance bedient, auf der Berline bewies, dass es eine Musik ohne Scheuklappen gibt, die nicht unbedingt in eine Schublade passen muss und trotzdem hohe Qualität besitzt. Als Sessionmusiker wirkte er häufig bei Rockmusik mit, beispielsweise auch bei den Rolling Stones.

US: MCA MCF 2207
04/14
425
         
Mit   Look Inside brachte Paz 1983 eine ausgezeichnete LP mit einem Mix aus   Latin-Jazz und Jazzrock heraus.
  
Im Jazz sind   Jamsessions im Gegensatz zur Rockmusik etwas ganz Normales, auch deswegen,   weil man bei längeren Engagements immer einmal wieder einen Musiker   austauschen muss. Der Percussionist Dick Crouch hatte im London der 70er   Jahre die Vision einer Gruppe, die seine beiden Lieben, lateinamerikanische   Musik und Jazzrock, zusammenbrachte. Nach ersten Sessions bekam er 1974 einen   festen Gig jeden Sonntag im Kensington Pub im Holland Park, der ihm half,   nach und nach eine feste Gruppe zu formieren. Neben einem voluminösen   Percussionisten-Satz stellten sich nach und nach renommierte Musiker wie der   Keyboarder Geoff Castle, der Gitarrist Phil Lee, der Bassist Ron Matthewson   und die Bläser Brian Smith oder Ray Warleigh ein und zogen schnell derart   viel Publikum an, dass ein Plattenvertrag nur noch eine Frage der Zeit sein   konnte. 1977 kam er und man spielte die erste LP Kandeen Love Song ein,   die von den Kompositionen von Crouch und seinem Spiel auf den Vibes ebenso   lebte wie von den Soli der Bläser Brian Smith und Ray Warleigh (auf der   zweiten Seite). Das war allerdings noch mehr Latin Jazz als Jazzrock, aber   als Debüt sicherlich äußerst beachtlich. In den Jahren danach   spielte man weiterhin im Kensington Pub, gab aber auch Konzerte außerhalb   Londons, so dass der Name der Band langsam bekannter wurde. Nach wie vor   formierte sich die Gruppe um Dick Crouch Geoff Castle und Ray Warleigh, doch   der Rest war einem mehr oder weniger ständigen Wechsel vollzogen. So kamen   beispielsweise in den folgenden Jahren der Gitarrist Jim Mullen und der   Percussionist João Bosco da Oliveira dazu, die immer neue stilistische   Momente einbrachten. So kristallisierte sich nach und nach eine neue   Besetzung heraus, die diesmal 1982 ins Studio ging und Paz Are Back aufnahmen.   Diemal war Gitarrist Ed Speight dabei, ansonsten die üblichen Verdächtigen.   Das war schon deutlich rockiger und mit AC/DC fiel ein Dancefloor-Hit   ab. Zu diesem Zeitpunkt entschloss sich Crouch, es mit der Band zu versuchen   und schon ein Jahr später erschien Look Inside auf dem Markt, das zunächst   auf dem kleinen Paladin Label auf den Markt kam, ehe der Erfolg   eine Reissue mit neuem Cover vom englischen Coda Label erforderte,   weswegen die Platte mit einem neuen Cover (siehe oben, das Original war ein   Gemälde im lateinamerikanischen Stil von Peter Neal) auf den Markt kam. Interessanterweise hatte Crouch AC/DC erneut aufgenommen, wohl, weil er dem Titel ein neues Arrangement verpasst hatte. Mit Produzent Paul Buckmaster an den Reglern (berühmt durch seine Streicherarrangements auf zahllosen Platten, beispielsweise auch für Elton John) entstand ein ausgezeichnetes Album, das sich zwischen Latinsound, Jazz und Rock aufhielt. Crouch war ein eingängiger Sound gelungen und einige hochkarätige Kompositionen eingefallen. 2004 gab es noch ein Lebenszeich mit einer Live-CD, aber der Tod von Dick Crouch bedeutete auch das Ende einer der langlebigsten Formation der britischen Jazzrock-Szene. Die LPs bekommt man auch auf CDs, beispielsweise auf dem Label von Geoff Castle, Turret.

Teldec 6.25916

01/14
422
         
Das Duo Martini Ranch legte 1988 mit Holy Cow   sein  einziges Album vor.
  
Wie einflussreich die   elektronische Ausrichtung der englischen New Wave tatsächlich war, merkte man   erst in den 80er und 90er Jahren, als die Elemente neu angeordnet und in ein   anderes Umfeld gestellt wurden, verbunden mit einem technisch   fortgeschrittenen Instrumentarium. Prompt kam eine neue Musik dabei heraus,   die zwar an solche Bands wie Human League, Orchestral Manoeuvres In The   Dark oder Devo erinnerte, stilistisch aber einen eigenen Weg   gefunden hatte. Zu den Gruppen, die von den Vorarbeiten profitierten, gehörte   auch das Duo Martini Ranch, das   sich um den Songschreiber, Sänger und Gitarristen Andrew Todd Rosenthal und   den Sänger und Programmierer Bill Paxton formierte, die eindeutig von Devo   beinflusst waren und teilweise sogar vom ehemaligen Devo-Musiker Bob   Casale produziert wurden. 1985 bekam man einen Vertrag mit Sire und   begann mit der Arbeit an dem Album, das dann 1988 auf Sire Warner Brothers   veröffentlicht wurde. Holy Cow zeichnete sich durch seine profunde   Musikalität aus, die sowohl die berückenden Melodien als auch die teilweise   abgedrehten Arrangements betraf, die beide von Todd Rosenthal kreiert worden   waren. Beeindruckend war sowohl die Qualität der Lieder als auch ihre   Umsetzung, die einen perfekten Mix aus den Instrumenten und den Stimmen der   beiden Macher darstellte. Das Video   für die Single Reach wurde von dem damals noch nicht berühmten   Regisseur James Cameron gedreht, übrigens das einzige Musikvideo, das er je   gemacht hat. Witzigerweise wurde es in seine Werkshow im Hollywood   Film-Museum integriert. Doch das kommerzielle Ergebnis hielt mit der Qualität   der Musik nicht einmal ansatzweise mit. Weder die Single noch das Album   konnten sich in den Charts platzieren und das bedeutete gleichzeitig bereits   das Ende für dieses Projekt, das seinen Namen übrigens von einem berühmten   Musikclub in Scottsdale, Arizona genommen hatte. Bill Paxton ging in die   Filmindustrie, wo er ein weiteres Mal auf seinen ehemaligen  Partner traf: Für Weird Science schrieb   er einen Teil der Musik. Diese   Tätigkeit ist das, was Todd Rosenthal seit seinem Gruppenprojekt tut. Er hat   für eine Vielzahl von Filmen und Fernsehserien die Musik geschrieben und   erhielt dafür auch bereits einen Emmy,   das Gegenstück zum Oscar der   amerikanischen Fernsehindustrie. Paxton wurde im Laufe der Zeit einer der   erfolgreicheren Darsteller, der in vielen Blockbustern gespielt und eine nach wie vor aktive Karriere hat. Insgesamt war die einzige LP von Martini Ranch insofern ein Geniestreich, als sie wie anfangs ausgeführt, die Vorlagen der New Wave aufnahm und sie auf eine eigenständige Art und Weise umsetzte. Beeindruckend vor allem war, dass die beiden die moderne Aufnahmetechnik in ihren Klang integrierten und das Ganze mit ganz altmodischem Songschreiben verbanden. Sie ersetzten nicht, wie so häufig, die Songs durch die Technik, sondern ergänzten die damals moderne Studiotechnik mit wunderbaren Melodien, die in jeder Form der Rockmusik angebracht gewesen wären. Leider kam kein zweites Album, nur Todd Rosenthal machte mit Michael Sherwood als Swifty´s Basar das Album Everything You Hear Is For Sale.

D-LP: Sire WEA 925 674-1
10/13
419
         
Mit ihrem gleichnamigen Debüt legten The   Shooters eine der besten Countryrock-LPs der 80er Jahre vor.
  
Motown machte es unter Berry   Gordy jr.   vor, Nashville hat es seit   den 70er Jahren nachgeahmt: Die Herstellung von Popmusik nach industriellen   Maßstäben. Ähnlich wie die Firma in Detroit, die ihre Art von Soulpop zu   einem Handelszeichen machte und so zum Marktführer auf ihrem Gebiet wurde, gelang   es den Machern in Nashville spätestens ab den 70ern, zum einen den Stil   vorzugeben, der Countrymusik repräsentieren sollte und zum zweiten eine   Produktionslinie aufzubauen, die über Songschreiber zu den Produzenten, den   Musikern und schließlich den Gesichtern reichte, die diesen Sound verkaufen   sollten, meistens aber nur singende Pappkameraden waren, die ins Schaufenster   gestellt wurden, tatsächlich aber nur ein Produkt der Frauen und Männer   waren, die ihre Musik tatsächlich herstellten. Spätestens ab den 80er Jahren,   als mit dem Erfolg von Alabama statt den Solisten die Bands wieder in   Mode kamen und statt dem puren Country die Vermischung mit Rock und Pop   angesagt war, wurde die Produktion etwas umgestellt, blieb vom Schema her   aber gleich. Nur standen jetzt statt Solisten Formationen im Vordergrund.   Insofern waren The Shooters um den   Gitarristen, Sänger, Songschreiber und Produzenten Walt Aldridge untypisch   für diese Welle, denn er schrieb nicht nur die meisten Lieder seines Band,   sondern produzierte sie auch noch in den berühmten Fame Studios in   Alabama, wo er auch unter Vertrag stand. Dass Teile der amerikanischen Presse   das Quintett in den Southern Rock einordnete, kann man nur damit erklären,   dass die Band eben aus dem Süden der Vereinigten Staaten kam. Das war eigentlich   klassischer Countryrock, aber natürlich modernisiert, denn schließlich wurde   das Ganze 1987 aufgenommen, lange vor der Americana-Szene, die ja tatsächlich   nichts anderes ist als eine Bewegung zurück zu den Ursprüngen, die natürlich   – schließlich befinden wir uns in einer Industrie – einen neuen Namen   erhalten hat. Doch zurück zu den Shooters, die problemlos einen   Plattenvertrag von Epic erhielten und in der Besetzung Aldridge, Barry   Billings (Gitarre, Gesang), Chalmers Davis (Tasteninstrumente, Gesang), Gary   Baker (Gesang, Bass) und Michael Dillon (Schlagzeug, Gesang) antraten und 1987 ihr   Debüt herausbrachten, das mit They Only Come Out At Night, ´till The Old   Wears Of , Tell It To Your Teddy   Bear und I Taught Her Everything   She Knows About Love gleich vier mittelschwere Hits in den Countrycharts ergab. Dennoch zog die LP nicht selbst dort ein. Als dann zwei Jahre später die zweite LP Solid As A Rock diesen Sprung schaffte, schien alles in Ordnung zu sein, doch kurz darauf löste sich die Gruppe auf. Zurück blieb eine sehr gute und eine gute LP und die Songschreiber Walt Aldridge und Gary Baker, die bis heute für etliche Stars der Countrymusik tätig sind. Doch nur Baker wurde auch noch einmal als Musiker in einer Gruppe aktiv, während sich Aldridge mit dem Platz im Hintergrund zufrieden gab. Der Erstling bleibt bis heute eine der besten Countryrock-Platten der 80er Jahre, auf der beispielsweise Bands wie Southern Comfort aufbauten.

US-LP: Epic Columbia BFE 40885
08/13
417
         
The Characters brachten 1988 eine   ausgezeichnete Bluesrock-Platte heraus, die    ein zweites Leben erhielt.
  
Ob Literatur oder   Musik: Wer ein problematisches Leben geführt hat, besitzt eine Fülle an   Erlebnissen, über die er schreiben kann. Calvin Russel, der 1948 geborene   Musiker, begann zwar bereits als Jugendlicher als Rhythmusgitarrist bei den Cavemen,   glitt aber bald in den kriminellen Bereich ab, nachdem er wegen Handels mit   Marihuana eingebuchtet wurde. Sein Leben führte 20 Jahre in die Randbereiche   der amerikanischen Gesellschaft und er driftete zwischen dem Südwesten der   Vereinigten Staaten und Mexiko hin und her. Als er 1985 noch einmal in San   Antonio eingesperrt wurde, hatte er von diesem Leben genug und kehrte in   seine Heimatstadt Austin, der Hauptstadt von Texas, zurück, um dort als   Musiker Fuß zu fassen. Trotz seiner authentischen Lieder hatte er anfangs   große Probleme, Auftritte zu ergattern, was bei einer Konkurrenz von solchen   Künstlern wie Townes van Zandt, Guy Clark, Butch Hancock oder Joe Ely nicht   gerade schwer zu verstehen war. Dennoch setzte er sich durch und formierte   aus seinen Musikern und sich selbst 1987 die Characters. Zu ihnen   gehörten der Gitarrist und Multi-Instrumentalist J.D. Steagall und die beiden   Brüder David (Bass) und Leland (Schlagzeug) Waddel. Da die Kompositionen von   Russell eh in Richtung Bluesrock gingen, war diese Band genau   das richtige Vehikel dafür. In Austin erarbeitete man sich einen guten Ruf   und nahm dann 1987 die erste Platte auf, Act 1. Mit ihr erlebte   Russell das Problem, das seine gesamte Karriere überschatten sollte: Während   er in den USA bestenfalls in Austin und Texas einen Namen hatte, war seine   Musik in Europa absolut gefragt. Einen ersten Vorgeschmack dieses   Sachverhalts sollte er bereits mit Act 1 machen, das in den USA   überhaupt nicht auf den Markt kam, aber in Deutschland und Europa 1988 auf Line   auf weißem Vinyl veröffentlicht wurde. Aufgrund des fehlenden Namens und   der ausbleibenden Auftritte – sie waren ökonomisch nicht darzustellen – hielt   sich der Absatz stark in Grenzen, obwohl der kompromisslose Bluesrock im Stil   der frühen ZZ Top und solch ausgezeichneter Songs wie Living At The   End Of A Gun durchaus ansprechend war.   Bis 1990 muckte das Quartett weiter, dann fiel Russell dem Chef des   französischen New Rose-Labels,   Patrick Mathé, auf, der so von ihm begeistert war, dass er ihn nicht nur   unter Vertrag nahm, sondern auch mit den ökonomischen Mitteln versorgte, um   nach
 
Frankreich und Europa zu kommen, wo er  ganz andere Chancen hatte als zuhause. Das sollte sich speziell in den 90er Jahren zeigen, als er nicht nur in Frankreich zum Star wurde, sondern auch in Deutschland gut verkaufte. Aufgrund des Erfolgs blieb er irgendwann in Europa und ließ sich in der Schweiz nieder, wo er auch eine Einheimische heiratete. In dieser Phase erlebte die LP mit den Characters ein zweites Leben. Mathé brachte sie unter dem Namen von Russell zuerst als A Crack In Time zusammen mit einigen Bonustracks heraus, ehe sie nochmals mit einigen Bonustracks 1997 als Le Voyageur auftauchte, natürlich erneut unter dem Namen von Russell. Bis zu seinem Tod 2011 feierte Russel in Europa etliche Erfolge, konnte sich aber zuhause nie wirklich durchsetzen.

Full Blast Line FBLP 4.00442

04/13
413
         
Mit seiner Band New York nahm Elliott Randall  1977 ein nahezu perfektes Poprock-Album auf.
  
Session Musiker bilden   in der kleinen Gesellschaft der Rockmusiker eine eigene Kaste. Sie leben   davon, möglichst vielen Studios ihre Dienste anzubieten und verdienen im   Optimalfall damit eine Menge Geld, weil sie variabel und virtuos genug sind,   um zu jeder Aufnahme ihren Senf dazu zu geben. Elliott Randall (* 1947, New York) schaffte den Einstieg in die   Elite der amerikanischen Studiocracks durch seine Freundschaft mit Donald   Fagen, die ihn in die erste Ausgabe von Steely Dan führte. Zwar lehnte   er die Offerte von Fagen ab, dort einzusteigen, spielte aber auf mehreren   Alben ihrer Band mit und machte sich damit einen Namen, der ihm nicht nur zahllose   Jobs einbrachte, sondern ihn auch als Gitarristen für Touren und Konzerte   solcher Künstlerinnen und Künstler wie Carly Simon, den Doobie Brothers, John Lennon und Yoko Ono, Jeff Baxter, Peter   Frampton und Asia, um nur einige zu   nennen, qualifizierte. Daneben aber hatte er auch Zeit, eigene Gruppen für   Plattenproduktionen ins Leben zu rufen und sie in den 70ern auf den Markt zu   bringen. Meistens bildeten sie einen Mix aus guten Songs und feinen Soli des   Helden, aber nur einmal fand er den idealen Mix zwischen guten Liedern,   starkem Ensemblespiel und seinen Soli, die das Ganze krönten: 1977 mit seiner   Band New York, die als Elliott   Randall´s New York auf Kirshner Records erschien. Tatsächlich war   es eine Produktion, die Randall zusammen mit der Creme der New Yorker   Session-Elite angefertigt hatte, zu der damals solche Musiker wie Mitch Margo   an den Keyboards, die Rhythmiker Tony Levin am Bass, Jeff Porcaro, Ralph   McDonald und Steven Gadd an Percussion und dem Schlagzeug sowie Jay Siegel   und den Tokens im Hintergrund als   Sänger gehörten, um nur einige zu nennen. Das Staraufgebot war nicht fehl am   Platze, weil Randall sich eine Fülle starker Songs hatte einfallen lassen,   die in der klassischen Produktionsart der 70er Jahre umgesetzt worden waren.   Randall war als Sänger und Instrumentalist der Hauptdarsteller der Platte.   Lieder wie High On Love, Just A Thought   oder Samantha besaßen alles, um   Hits zu werden, aber ohne die Unterstützung durch eine   Tour oder die Promotion durch die Plattenfirma nahm das Werk seinen üblichen   Verlauf: Es verkaufte sich kaum und das war es dann erst einmal für Randall   und Soloprojekte. Erst in den 90er Jahren nahm er noch einige CDs auf, die   aber rein instrumental gehalten waren und eher in die Richtung New Age oder Jazzrock gingen. Letztlich erlitten die Platten von Randall – zuvor hatte er Anfang der 70er Jahre zwei Alben als Randall´s Island aufgenommen – das typische Schicksal für die Fingerproben renommierter Studiomusiker: Weder die Plattenfirmen glaubten richtig daran und unterstützten folglich die Produktionen nicht mit einem normalen Werbe-Etat, noch hatten die Musiker selbst die Mittel, um eine teure Tour zu veranstalten. Folglich fehlten die zwei Mittel, mit der Platte eines Neulings Erfolg zu haben. Ausnahmen wie der Hit Motor Biking von Chris Spedding bestätigten die Regel. Tatsächlich besaßen etliche Produktionen von Studiomusikern eine hohe Qualität, obwohl sie in der Regel singuläre Aktionen blieben. Das gilt auch für Elliott Randall´s New York.

Kirshner Columbia 34351

02/13
411
         
Mit ihrem Erstling   Bolt Out Of Blue legten Jeff Stevens & The Bullets tollen Countryrock   vor.
  
In Nashville in den   80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts herrschte die Richtung vor, die die   Countrymusik in die Mitte der Musik rücken wollte. Das konnte nur durch eine   deutlichere Hinwendung zu Pop und Rock gemacht werden und deswegen wurden die   Produktionen in Richtung dieses Klangs beeinflusst, obwohl Künstler wie   George Strait bewiesen, dass man auch mit einer traditionelleren Countrymusik   Erfolg haben konnte. Die Brüder Jeff und Warren Stevens wurden in Alum Creek   in West Virginia geboren und wuchsen dort auf. Schon früh begeisterten sie   sich für Musik und gewannen zusammen mit ihrem Cousin Terry Dotson schon als   Kinder einen Talentwettbewerb. Nach der Schule reüssierten Jeff und Terry als   Songschreiber und verfassten zwei Hits für die Retortengruppe Atlanta,   Atlanta Burned Again Last Night und    Sweet Country Music. Dadurch hatten sie sich einen Namen in der   Branche gemacht und da sie nach wie vor auch zusammen spielten, wurde ihnen   ein Vertrag für eine Single angeboten. Ihre Coverversion des Bruce   Springsteen-Liedes Darlington County schaffte immerhin den Sprung in   die Top 70 der Countrycharts. Folglich durften sie in die Studios für eine LP   gehen und kamen mit Bolt Out Of The Blue zurück, das nicht nur   die erste Single enthielt, sondern auch   die zweite, die Coverversion von Michael Murphey´s Hit Geronimo´s Cadillac, die ebenfalls in den unteren Bereichen der   Charts einschlug. Die LP selbst bot ausgezeichneten Countryrock, der sowohl   von den Songs, die hauptsächlich von dem Team Stevens und Dotson stammten,   als auch vom Gesang von Jerry Stevens als auch von seiner Gitarre getragen   wurde. Dennoch reüssierte die Platte nicht so gut, wie sie von Atlantic America  erhofft wurde, zumal die dritte Single   ohne Erfolg blieb. Obwohl die vierte, Johnny   Lucky & Suzi 66, die 1990 vom zweiten Werk ausgekoppelt worden war,   in die Hitparaden einzog, war es das für die Plattenkarriere des Trios. Jeff   Stevens jedoch blieb  in Nashville und   legte seitdem eine beachtliche   Karriere als Songschreiber und Produzent hin. Er schrieb beispielsweise den   Tophit für Alabama, Reckless. Das geschah, nachdem eine   zuerst angedachte Solokarriere für dieselbe Firma scheiterte, obwohl bereits   ein Album mit Red Stegall als Produzent entstanden war, aber nie das Licht   der Plattenläden erblickte. Folglich kümmerte er sich fortan um sein   Kerngeschäft – das Songschreiben und die Musik im Studio zu betreuen. Dank größerer Erfolge mit solchen Stars wie John Anderson, den bereits angesprochenen Alabama, Blackhawk, Tracy Byrd und George Strait hat er sich in Nashville etabliert. Als Produzent betreute er Jerry Kilgore und Luke Bryan, wobei vor allem letzterer dank der Betreuung von Stevens richtig große Erfolge feiern konnte. Letztlich ist die Karriere von Stevens relativ typisch für eine hochgradig spezialisierte Musikindustrie, in der Talent nie ganz untergeht, sondern in einem anderen Terrain den angemessenen Erfolg findet. Bolt Out Of The Blue bleibt ein herausragendes Beispiel einer Countryrock-Platte der 80er Jahre, obwohl der Erfolg fehlte. Leute wie Garth Brooks feierten in den 90ern mit demselben Rezept zig Millionen Verkäufe.

Atlantic America 90556-1


11/12
408
         
Bobby Charles legte mit seinem zweiten   Solo-Album 1983 ein Kleinod der Roots-Musik vor.
  
Bobby Charles wurde   1938 als Robert Charles Guidry in Louisiana geboren und hörte in seiner   Jugend vor allem die schwarzen Rundfunksender, aber auch die der   französischsprachigen Minderheit. So legte er sich einen Stil zwischen dem   rauen R&B und dem Akkordeon-Sound der Cajun Musik zu. Als Songschreiber   hatte er zuerst Erfolg.
Von   ihm kamen solche Klassiker wie Walking To New Orleans (Hit für Fats Domino),   See You Later Alligator (Bill Haley & The Comets) und But I   Do (Clarence “Frogman” Henry), die er noch als Robert Guidry schrieb. Ab   1955 trat er dann als Bobby Charles auf und spielte einige Singles für das   legendäre Chess Label ein, wo er dann auch als Produzent und   Talentscout arbeitete. Nach 3 Jahren ging er zurück in den Süden und   arbeitete für Imperial, ehe er für Paula aufnahm. 1972   produzierte er dann sein erstes Solo-Album für das Bearsville-Label in   Woodstock, bei dem ihn die Band unterstützte.   Sein neues Material lag zwischen Blues, Country und Rock, und konnte   durchwegs überzeugen. Dennoch verkaufte es    nicht viel und so blieb Charles, abgesehen von der Teilnahme am Better Days-Album von Paul Butterfield   in den nächsten Jahrzehnten den Plattenstudios fern. Zwar arbeitete er noch   als Songschreiber, aber abgesehen von einigen Gastauftritten bei Freunden wie   Willie Nelson beschränkte   er sich auf seine Hühner- und Alligatorenzucht in Louisiana. Erst in den 80er   Jahren bekam er wieder Lust darauf, selbst Musik zu machen. 1986   veröffentlichte er zwei Singles bei seiner eigenen Firma und 1988 kam ganz   überraschend ein Album von ihm auf den Markt, das in Deutschland vom   unabhängigen Zensor-Label aus   Berlin veröffentlicht wurde. Clean   Water war ein weiteres Kleinod und handelte diesmal von den Veränderungen   in seiner Heimat, in der inzwischen dank vieler Erdöl-Raffinerien und   Industrie das saubere Wasser Mangelware geworden war. Seine Lieder waren   ähnlich individuell wie auf der ersten LP und sie passten in kein Schema –   Vorteil und Fluch zugleich, denn zum einen zeigte sich so seine Individualität,   aber für den Rundfunk war er kaum programmierbar, zumal die Platte in den USA   nicht auf den Markt kam. Dennoch trat Charles wieder öfter auf und blieb   diesmal zumindest verhalten aktiv. 1998 kam dann noch mit Secrets Of The Heart eine weitere CD   mit neuem Material auf den Markt, die qualitativ ähnlich gut klang wie die   beiden Alben zuvor. Das war Rootsmusic im besten Sinn. Natürlich hatte diese Produktion genauso wenig Erfolg wie die zuvor und so zog sich Charles bis zu seinem Tod am 14. Januar 2010 wieder nach Hause zurück. Clean Water bleibt ein Lebenszeichen eines begnadeten Songschreibers und guten Sängers, der stets das Pech hatte, als Solist zu Unrecht übersehen zu werden. Immerhin legte er drei Talentproben vor, von denen jede alleine für sich ein ausgezeichnetes Album des Mannes gewesen wäre. Zusammen sind sie mit der langen Liste seiner Songs ein beeindruckendes Lebenswerk eines Mannes, der als Interpret der eigenen Songs nicht zu den Erfolgen kam, zu denen er anderen Musikern verhalf.

Zensor ZS 37

08/12
405
         
Gone Fishin´ nannte sich ein Projekt der beiden   Gitarristen Tim Lee und Matt Piucci 1986.
  
In   den 80er Jahren gab es nach den ersten Erfolgen von R.E.M. eine kurze Blüte von Gitarrenrock-Bands aus dem   amerikanischen Süden. Zu den Gruppen, die damals auftauchten, gehörten auch   die von den Gitarristen Tim Lee und Bobby Sutliffe 1982 in Mississippi   gegründeten Windbreakers, die sich relativ   schnell aufgrund ihres eingängigen Sounds einen Namen machten. Bis 1986 kamen   zwei Alben und mehrere EPs auf den Markt, ehe sich Bobby Sutliffe von Tim Lee   trennte und der mit einer neuen Besetzung weitermachte. Außerdem stellte er,   nachdem er eine LP mit der Gruppe aus San Francisco, Rain Parade, produziert hatte, mit deren Gitarristen Matt Piucci   die LP Can´t Get Lost When You´re Goin´   Nowhere unter dem Namen Gone   Fishin´ her. Darauf spielten er und Piucci eine andere Fassung des   bereits von den Windbreakers bekannten   Art Gitarrenrock. Typisch waren neben den ausgezeichneten Liedern von Lee die   Beiträge der beiden Gitarristen, die sich auf der Platte von Bruce Goldon,   Randy Everett, George Cartwright, Bobby und Robin Sutliffe sowie Andy Piucci   unterstützen ließen. Die Musik war allerdings keineswegs identisch mit der   von den Windbreakers, sondern ging   mehr in die Richtung Folkrock, der allerdings nicht durchgängig der Stil war,   sondern gleichzeitig auch mit Fuzz-Gitarren, einigen feurigen Soli und   feinem Satzgesang aufwartete. Im Gegensatz zu den Alben seiner Band erhielt   man wohl wegen der Beteiligung von Piucci einen Vertrag von dem größeren Restless-Label, doch die einzige   Auslands-Ausgabe erschien in Spanien, was deswegen schlecht war, weil der   wichtigste Absatzmarkt für die Gitarrenbands damals England war, dank solcher   Fanzines wie Bucketfull Of Brains, für   die diese neue Musik eine Befreiung vom damals in England herrschenden   Synthipop war. Deswegen blieb es bei dem einen Streich der beiden Gitarristen   und Tim Lee kehrte genauso zurück zu den Windbreakers   wie Matt Piucci zu Rain Parade,   die sich jedoch 1986 vorübergehend und 1988 endgültig auflösten, weil sie für   ihr letztes Doppel-Album keine Firma fanden. Danach ging Piucci zu Crazy Horse, die zu dieser Zeit noch   eine LP auf den Markt brachten, ehe er zurückkehrte zu seinem alten Freund   David Roback – der mit ihm zusammen Rain   Parade gegründet hatte – und half ihm bei seinem neuen Projekt Viva Saturn aus. Danach jedoch verlor   sich seine Spur. Tim Lee blieb bis 1988 den Windbreakers treu, bis sich die Band auflöste und Tim  Lee in den 90er Jahren fast völlig inaktiv blieb. Erst im neuen Jahrtausend tauchte er zusammen mit seiner Frau wieder in Texas auf, diesmal unter dem Namen Tim Lee Band. Seitdem hat er einige CDs unter diesem Namen veröffentlicht und tritt regelmäßig in Texas und auch in anderen Staaten auf. Verglichen mit den Windbreakers ist Lee natürlich nicht mehr international bekannt, aber er macht wenigstens wieder Musik. Seine Karriere ist ein Musterbeispiel für das Leben von Musikern, die eben nicht den großen Erfolg schaffen, sondern sich in den Niederungen der Rockmusik inklusive kleiner Clubs herumschlagen müssen.

Restless Records 72126-1
06/12
403
         
Mit seinem ersten Album brachte Kostas Lazarides 1980   eine gute Singer & Songwriter-LP heraus.
  
Sofern   man in Nashville Erfolg als Songschreiber hat, besitzt man das Beste aus   beiden Welten: Durch die Tantiemen der Hits, die für andere geschrieben   wurden, rollt das Geld herein und auf der anderen Seite kann man dank des   guten Rufs als Komponist eigene Ambitionen als Musiker verwirklichen. Diese   Chance bekam auch der in Thessaloniki geborene, aber im Alter von sieben   Jahren mit seinen Eltern nach Billings im US-Bundesstaat Montana umgezogene   Kostas Lazarides. In seiner Jugend reüssierte er als Musiker und   Songschreiber. Seine große Chance kam 1989, als der Produzent Tony Brown für   seinen Schützling Patty Loveless neue Songs suchte. Er wurde auf Lazarides   aufmerksam und der schrieb für die Dame mit Timber, I´m Falling In Love With You ihren ersten Nr.-1-Hit, dem   etliche weitere folgten. Von da an war Lazarides in Nashville angesagt und   hat seitdem eine Vielzahl von Hits für Künstler wie die Dixie Chicks, Emmylou Harris, Martina McBride, Marty Stuart und   Dwight Yoakam, um nur einige zu nennen, verfasst. Doch zu Beginn seiner   Karriere in den 80ern hatte er es noch deutlich schwerer, seine Lieder zu   verkaufen und so versuchte er sich zuhause als Sänger und Songschreiber. In   dieser Funktion wurde die   in Seattle residierende Plattenfirma First   American auf ihn aufmerksam, die schon Frühwerke von Danny O´Keefe   veröffentlicht hatte. Die Qualität der Lieder von Lazarides war unbestritten,   und so ermöglichte man es ihm, 1980 unter seinem Künstlernamen Kostas eine LP aufzunehmen. Da First American gewiss keine große   Firma war, sparte   man am Budget, aber das störte Kostas nicht – schließlich   war er gewohnt, seine Songs mit schmalen Arrangements vorzustellen. So wurde   diese LP ein echter Wurf einer rockigen, auf die Songs zugeschnittenen   Platte, die dank des Sängers und Songschreibers voll überzeugen konnte.   Leider waren dank der limitierten Vertriebspower und des schmalen   Promotion-Budgets keine großen Sprünge möglich, aber in der Szene erregte der   Mann dadurch das Aufsehen, das ihm Jahre später die Gelegenheit gab, seinen   Fuß in die Songschreiber-Szene in Nashville zu bringen. Bis heute ist   Lazarides übrigens in Montana ansässig und hat nur eine weitere CD seitdem   vorgelegt: 1994 legte er aus Liberty eine   CD vor, auf der er seine Hits für andere selbst einsang und die im Rahmen einer Reihe der Firma, Songwriter´s Series, erschien. Nach wie vor ist er einer der erfolgreichsten Songschreiber der Countryszene, doch als Solist schaffte er nie den Durchbruch. Das ist deswegen bedauerlich, weil seine eigenen Platten, angefangen mit dem Album von 1980 einen individuellen Singer/Songwrriter vorgestellt haben, der sowohl rockig als auch balladesk überzeugen konnte. Was ihm jedoch im Gegensatz zu seinen Klienten fehlte, war die richtige Produktion und vielleicht der Gesang, der bei ihm sicher nicht ganz das Gelbe vom Ei ist. Nichtsdestotrotz sei jedem Sammler der Singer/Songwriter-Szene diese LP als Artefakt aus den frühen 80er Jahren ans Herz gelegt.

First American FA 7742

06/12
401
         
Mit ihrem Debüt Road Apple legten Dan Gillmor &   Doug McClaran 1974 eine perfekte Kammer-Rock LP vor.
  
In   den 60er und 70er Jahren gab es hierzulande eine Diskussion um kommerzielle,   sprich: schlechte, und nicht-kommerzielle, sprich: gute Musik. Alles was man   diffamieren wollte, bezeichnete man als Kommerzkacke und damit hatte es sich.   Dabei entging den Verfechtern des guten, schönen und wahren, dass jede Musik,   die verkauft werden soll, zwangsläufig kommerziell ist, weil sie nicht umsonst   zu bekommen ist. Abgesehen davon besitzen Musiker die hässliche Angewohnheit,   von ihren Produktionen leben zu wollen. Diese Einleitung dient dazu, daran zu   erinnern, dass Musik nicht deswegen schlecht sein muss, weil sie verkauft   werden soll. Das ist eine ähnlich dümmliche Einstellung wie die, dass alles   im Internet kostenlos sein muss und natürlich keine Zensur stattfinden darf,   worüber sich Päderasten und Rechtsradikale sicher freuen. Anfang der 70er   trafen sich im malerischen Champlain Valley im kleinen US-Staat Vermont zwei   Musiker: Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber Dan Gillmor und der Pianist   Doug McClaran. Ihre musikalischen Interessen waren höchst eklektisch.   Tatsächlich mochten und spielten sie Jazz der 20er Jahre genauso wie Folk,   poppigen Rock wie Country und alles, was dazwischen passte. Das war nicht   gerade ein Rezept   für den großen Erfolg, doch die beiden waren fest entschlossen, ihr Ding   durchzuziehen. Nachdem sie erste Auftritte als Duo veranstaltet hatten,   fanden sie mehr und mehr Freunde, so dass immer öfter ihre Konzert wie   lebende Musikboxen ausfielen, in der alles auftauchen konnte, was ihnen in dem   Moment einfiel. Das machte sie auf Dauer zu einer lokalen Attraktion und das   in North Ferrisburg in Vermont beheimatete Fretless Label wurde auf sie aufmerksam. Also ging man ins Studio   und kehrte mit einer wunderbar unprätentiösen, größtenteils akustisch   gehaltenen Platte zurück, die den eklektischen Klang der Konzerte 1:1   umsetzte, nur mit dem Unterschied, dass 9 der 12 Lieder eigene Kompositionen   von Gillmor waren. Coverversionen von Joe   Arnold (David Batteau), Ballad Of   Casey Deiss (Shawn Phillips) und Blowin´Away   (John Cassel) rundeten das Programm ab, wobei bereits die Namen der auswärtigen   Songschreiber den Charakter der Musik umreißen: Sowohl Batteau als auch   Phillips zählten in den 70ern zu den prominenten Vertretern der Musik, die   sich aus dem Folk heraus entwickelt hatte und da fand sich das Duo wieder. Zusammen mit den Begleitern, die auch bei den meisten Konzerten anwesend waren, hatten Gillmor und McClaran eine wunderbar entspannte, gelassene, melodische und durchdachte Platte eingespielt, die den Stil ihrer Auftritte 1:1 umsetzte. Zwar war es Ihnen nicht möglich, damit einen nationalen Erfolg zu erreichen, aber der im Nordosten der Vereinigten Staaten war groß genug, dass sie in den folgenden Jahren weiter auftraten und sogar eine zweite LP einspielten, die der ersten in nichts nachstand. Doch irgendwann rief das wirkliche Leben und man musste mit dem Ganzen aufhören. Was bleibt, sind zwei wunderbare Platten, die beweisen, dass schöne Musik aus dem Herzen kommt.

 
Fretless 5000
02/12
399
         
Elliot Lurie legte mit seiner einzigen Soloplatte   eine elegante Poprock-LP vor.
  
In   der Rockmusik gibt es nichts Wichtigeres, als einen Hit zu haben. Besser ist   es noch, wenn man ihn selbst geschrieben hat. Das traf auf Elliot Lurie zu, der mit seiner alten   Band Looking Glass 1972 den   Nr.-1-Hit Brandy schrieb. Der am   19. August 1948 in New York geborene Musiker war daneben auch der Gitarrist   und Sänger der Band, die sich an der New Brunswick Universität in Brunswick,   New Jersey formiert hatte und 1972 einen Plattenvertrag von Clive Davis   erhielt. Ihr Problem war, dass der Hit nicht mit ihrem normalen Stil,   Southern Rock, harmonierte, so dass viele ihrer Fans bei den Konzerten   enttäuscht waren, wenn sie ihre normale Musik spielten. Deswegen löste man   sich 1974 nach der zweiten LP auf und Lurie wurde zum einen Songschreiber und   unterschrieb zum zweiten einen Vertrag als Solist mit Epic. Dieser war das Fundament für die LP Elliot Lurie, die 1975 erschien und im Gegensatz zu seiner Arbeit   mit Looking Glass modernen Poprock   der 70er Jahre bot. Natürlich hatte Lurie die meisten Lieder selbst   geschrieben. Zu seinen Titeln nahm er zudem noch zwei Stücke von Jackie   DeShannon und einen Titel von Donny Weaver auf, die sich perfekt in den Klang   der Platte einfügten. Dieser wurde sowohl vom Gesang Lurie´s als auch von den   Beiträgen der   Session-Elite der USA definiert, beispielsweise von Larry Carlton, David   Hungate, Ernie Watts, Joe Sample, Steve Gadd, Ralph MacDonald, Wilton Felder   und vielen mehr. Auch für die Arrangements hatte man mit Michael Omartian   einen der angesehendsten Fachleute dafür engagiert. Dennoch   geriet das Album zu einem Flop, was zwar nicht das sofortige Ende der   Solokarriere von Lurie bedeutete – er nahm noch einige Singles für Arista auf – aber zumindest nahe   legte, dass er sich ein neues Betätigungsfeld suchen sollte. Das tat er denn   auch. Er ging in den 80ern nach Los Angeles und gründete dort eine Firma, die   sich um die Koordinierung und Überwachung von Film- und Fernsehmusiken   kümmerte. Auf diesem Gebiet war er so erfolgreich, dass er 1985 von 20th Century Fox als Chef der   Musikabteilung eingestellt wurde, wo er bis 1995 blieb. Danach machte er sich   wieder selbständig und ist bis heute einer der wichtigsten Männer in   Hollywood, wenn es um die Musik für Filme und Fernsehserien geht. Sein   einziges Solo-Album ist bis heute ein typisches Beispiel für die großstädtische Popmusik der 70er Jahre geblieben, die sowohl mit den Songs als auch der Eleganz der Backing Tracks und den Themen der Lieder die Stimmung in den Metropolen der USA in der Mitte der 70er Jahre eingefangen hat. Es bleibt das Verdienst von Lurie, Popmusik hergestellt zu haben, die über den Tag hinaus sowohl musikalisch als auch textlich relevant geblieben ist. Das liegt zum Einen an der perfekten Produktion des Routiniers David Kershenbaum und zum anderen an den Kompositionen von Lurie selbst, die wie gerufen sind für den Einsatz eines massiven Teams von Sessionmusikern.

Epic Columbia KE 33337



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