Platte des Monats 2018 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2018

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur "Platte des Monats ...
Jahrgang 2018
AusgabeTextPlattenconver
05-18
Mit ihrem 12. Album hat die kanadische Band Sloan ein Meisterwerk vorgelegt.

Selbstverständlich hat die Rockmusik im 21. Jahrhundert bei weitem nicht mehr die Bedeutung, die sie in den 60er und 70er Jahren hatte, als man kurz glauben konnte, Botschaften wie Love & Peace oder ähnliches würden tatsächlich Gesellschaften verändern und Gruppen wie die Beatles wie Götter behandelt wurden. Die Realität war und ist eine andere, aber aus dem Rückblick auf diese gol dene Zeit der Rockmusik bezieht sie bis heute eine Legitimation, die sie objektiv schon lange nicht mehr besitzt. Heute gehört sie zum großen Bereich der Unterhaltung und deswegen sollte sie das auch tun. Sloan haben sich das auf jeden Fall auf ihr Panier geschrieben und das mit ihrem schlicht 12 betitelten neuen Opus auch absolut überzeugend umgesetzt. Die Kanadier sind in jeder Hinsicht eine Ausnahme: Sie haben es bis zum 12. Werk geschafft und noch dazu in der Be setzung, mit der sie 1992 auch ihren Erstling eingespielt haben und jeder der vier Mitglieder steuerte jeweils drei Lieder bei. Was dabei heraus kam, ist eine nahezu fehlerlose Platte mit poppigem Rock, die vom Klang her deutlich auf die Vergangenheit verweist. Doch jeder Titel verfügt über eine schöne Melodie, die Gitarren beherrschen den Klang und singen können Jay Ferguson, Chris Murphy, Patrick Pentland und Andrew Scott auch noch. Endlich wieder einmal eine Formation, die unterhalten will und das vor allem auch kann. Das ist schon an sich eine echte Leistung. Fragt sich jetzt nur, wie die elf Platten davor waren. Wieder ein Grund, die Produktionen einer neuen Band zu sammeln, auch wenn sie wahrscheinlich nicht an die Qualität dieser Veröffentlichung heranreichen. mvr

Yep Roc CD-YEP-2567 / H´art
04-18
The Winnetou Tapes verbindet die Talente von Claus Boesser-Ferrari und Adax Dörsam zu einer überragenden Gitarrenplatte.

So banal das klingen mag, aber auch Musiker waren einmal Kinder und sowohl Claus Boesser-Ferrari als auch Adax Dörsam wuchsen mit den Karl May-Filmen und der Musik von Martin Böttcher auf. Dörsam, der seit dem Tod seines alten Partners Markus Reffert eine neue Herausforderung gersucht hat, tat sich jetzt mit seinem Kollegen zusammen, um diese Liebe aus ihrer Kindheit musikalisch aufzuarbeiten. Das taten sie jedoch nicht, indem sie die bekannten Schöpfungen von Böttcher nachspielten, sondern zum einen verfremdeten sie sie und zum anderen fügten sie eigene Improvisationen hinzu. Das ist der eine Punkt, doch der andere, viel wichtigere ist der, dass das Duo von vorneherein nicht vor hatte, in Schönheit zu sterben, sondern teilweise die bezaubernden Melodien Böttchers dekonstruierte. Da tauchen Dissonanzen ebenso auf wie rockige Einsätze der elektrischen Gitarre. Diese beiden Bestandteile machen diese CD mit Instrumentalmusik erst zu einer durchwegs spannenden und aufregenden Sache. Boesser-Ferrari und Dörsam müssen ihr Können nicht mehr unter Bewis stellen, sondern sie stellen sich und ihre Instrumente in den Dienst der Sache und die war es, ein intensives, erregendes Album zu produzieren, das auf dem Fundament der Böttcher-Kompositionen demonstriert, wie man diese Melodien spannend erhalten kann. Eben nicht durch plumpes Nachspielen, sondern indem man sie genauso mit der Realität konfrontiert wie das bei den Filmen angebracht gewesen wäre. Am Ende steht ein Stück herausragender Musik. mvr

Acoustic Music/Rough Trade 319.1584.2
03-18
Mit Tuscumbia bringt Belle Adair einen starken Mix aus Pop und Reminiszenzen an die 60er Jahre.

Manchmal kann es auch schädlich sein, wenn man als Band von anderen Musikern angefordert wird, um mit ihnen aufzutreten. Denn das zweite Album der Gruppe aus Alabama sollte eigentlich bereits vor einiger Zeit erscheinen, aber Angebote von Dylan LeBlanc und Donnie Fritts waren zu gut, um sie abzulehnen und so tourte man über 2 Jahre lang durch die USA, um die oben genannten Herren zu begleiten. Doch letztes Jahr war es soweit, dass man in die berühmten FAME Studios in Muscle Shoals einrückte, um unter den Augen des Wilco-Produzenten Tom Schick diese CD aufzunehmen, die Matt Green nach dem Ort benannte, in dem er das Gros des Materials schrieb, das man zu hören bekommt. Stilistisch liegt es zwischen dem, was die Byrds in den 60er Jahren veranstalteten und den englischen Pop-Bands der 90er wie dem Teenage Fanclub. Doch dank ihres Sängers, Gitarristen und Songschreibers besitzt die Formation eine eigene Handschrift, die ein Lied wie der Auftakt des Albums, Get Away, verdeutlicht. Denn in ihm kommen die Einflüsse zusammen, die den Klang von Green & Co. dominieren: Die flirrende Gitarre, die vor allem an die Byrds erinnert, die bezaubernden Melodien und die Vokalharmonien, die das Ganze rund machen. Und da Green nicht nur den einen Ohrwurm, sondern andere wie The Absentee, Out On The Blue, Phantom Beach oder Neptun City schrieb, bekommt man eine Platte, die das Beste der 60er und der 90er Jahre nahm und es mit dem eigenen Klang verbunden hat. Deswegen sollte diese CD nur der Anfang von etwas Großen sein. mv

Single Lock Records / H´art
02-18
Mit ihrem Comeback-Album A Sting In The Tale liefern Ten Years After eine tolle Platte ab.

Als sich die alten Mitglieder von Ten Years After mit Ausnahme von Alvin Lee sich 2003 entschieden, wieder zusammen zu spielen und mit dem Gitarristen Jo Gooch das Album Now aufnahmen, zeigte es sich, dass das durchaus eine legitime Fortsetzung der großen Karriere ihrer alten Band war. Danach tourte man und bewies den alten und neuen Fans, dass dies ein sinnvolles Comeback war. Nachdem man einige DVDs und Live-Alben veröffentlicht hatte, erschien 2009 die nächste Studioplatte Evolution. Doch 2013 verabschiedeten sich Bassit Leo Lyon und Joe Gooch, um mehr Zeit für ihre eigene Band Hundred Seventy Split zu haben. Ric Lee und Chick Churchill überlegten nur kurz, ob sie weitermachen wollten. Dann holten sie den Bassisten Colin Hodgkinson und den Gitarristen, Sänger und Songschreiber Marcus Bonfanti und machten weiter. Aus heutiger Sicht kann man nur sagen: Zum Glück. Denn die erste Studioproduktion dieser Formation ist die beste Platte seit A Space In Time, weil wie 1971 der Blues nur einen Teil der Musik bildet. Mit Marcus Bonfanti haben die Routiniers einen jungen Musiker gefunden, der auf dieser CD bewiesen hat, dass er das richtige Gespür für die Musik seiner neuen Kollegen hat, aber vor allem auch Songs schreibt, die genau in das Stilspektrum der Band passen. Das ist alles vor allem ein gutes RockAlbum, bei dem zwar der Blues immer einmal wieder  um  die  Ecke  schaut,  aber  im Vordergrund stehen die Melodien, die Bonfanti fand. Das hört sich nicht immer spektakulär an, aber über die 52 Minuten wird die Musik immer besser. mvr

Butler 8718627226216 / H´art
01-18
Mit ihrem dritten Album Agusa legen die Schweden ein exemplarisches Symphonic Rock-Werk vor.
 
Der Symphonic  Rock geriet in der Vergangenheit zurecht etwas unter Beschuss. Viele Kritiker waren der Meinung, etliche der Veröffentlichungen aus dieser Ecke wären hauptsächlich dröge Veranstaltungen mit kaum Spannung in der Musik und langen Tracks,  die irgendwann im Nirvana der Rockmusik endeten. Das traf sicherlich auf etliche Formationen zu, denen es häufig an melodischen Einfällen mangelte, aber es gab immer auch Ausnahmen, die ihre Kompositionen so anfertigten, dass sowohl die Melodik als auch der Rock nicht zu kurz kamen. Zu dieser seltenen Spezies gehört die schwedische Band Agusa, die bislang zwei Studio-Alben und einen Konzertmitschnitt vorgelegt hat. Die vierte CD trägt nur den Namen der Gruppe und ist ihr bislang bestes Opus. Das liegt an drei Faktoren: Zum einen natürlich an den Tracks, die alle von der Band kommen und die geschickt die Balance zwischen Esoterik und Rock halten. Zum zweiten fanden Keyboarder Jonas Berge, Flötistin Jenny Puerta, Gitarrist Mikael Ödesjö, Bassist Tobias Petterson und Schlagzeuger  Tim Wallander genau den richtigen Mix aus ruhigeren und rockigen Passagen. Und schließlich hielten sie die Spielzeit der Tracks so, dass keiner ausufert, sondern der Spannungsbogen immer aufrecht erhalten bleibt. Bei dieser Musik ist es keine Überraschung, dass die Titel im Konzert nie so bleiben, wie sie auf der Platte gespielt wurden. Zu der Musik gehören Improvisationen dazu wie das Brot zum Leben. Dies ist eine Formation, die den Symphonic Rock verkörpert. mvr

 
Laser´s Edge 10802-8 / Alive
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