Platte des Monats 2017 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

Schallplatten als Wertanlage.
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Platte des Monats 2017

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur "Platte des Monats ...
Jahrgang 2017
AusgabeTextPlattenconver
12-17
Mit Exile & Grace legt die englische Bluesrockband King King ein fehlerloses Album vor.
Obwohl der Blues wohl der Stil ist, der immer mit den USA verkmüpft werden wird, hatten im Bluesrock erst einmal die Engländer das Sagen. Dort kamen Bands wie die Yardbirds, Pretty Things, John Mayall & His Bluesbreakers,Fleetwood Mac, Free oder die Savoy Brown Blues Band her, die den Stil definierten, den dann beispielsweise Canned Heat in die USA brachte. Auch in den mittleren 70er Jahren gaben noch Gruppen wie Bad Company den Ton an. Es ist also kein Wunder, dass der Bluesrock Teil der musikalischen DNA der britischen Musikszene geworden ist und aus ihr schöpfen der singende Gitarrist Alan Nimmo und seine Kollegen von King King ihre Inspiration, die sie jetzt auf Exile & Grace, beeindruckend umgesetzt haben. Dabei wurden sie natürlich auch von dem, was ihre Vorgänger hinterlassen haben, inspiriert. Anklänge an Bad Company beispielsweise finden sich imemr wieder, aber mit den eigenen Mitteln der Band. Und die sind die prägnante Gitarre von Alan Nimmo, sein ausgezeichneter Gesang, die ebenso präsente Hammonrogel von Bob Fridzema und schließlich die grundsolide Rhythmus-Sektion um Bassist Lindsay Coulson und Schlagzeuger Wayne Proctor, der das Ganze zusammen mit Alan Nimmo auch produzierte. Da ist jeder Song ein Treffer, ob der Opener (She Don´t) Gimme No Lovin´ mit einem tollen Gitarren-Intro, das riffige Heed The Warning oder, oder. Dazu kommen noch die Texte, die über die normale Bluesrock-Lyrik weit hinausgehen, ob sie Umweltzerstörung anprangern wie bei Broken oder die Politik Großbritanniens. Diese CD bietet herausragenden Bluesrock-CD. mvr

Manhaton HATMAN 2048/Soulfood
11-17
Mit  Bone On Bone feiert Bruce Cockburn ein begeisterndes Comeback
Wenn ein Künstler vom Range eines Bruce Cockburn sieben Jahre von de Bildfläche verschwindet, kann man sich schon manchmal Sorgen machen. Doch der Grund dafür ist einfach: Zum einen schrieb er bis 2014 seine Autobiografie Rumours Of Glory und zum zweiten wurde er Vater einer Tochter. Jetzt ist er zurück und es hört sich an, als ob er nie weg gewesen wäre. Es ist alles wieder da: Seine typische Melodieführung, die durchdachten Texte und seine Kommentare zur politischen Lage, die deswegen noch beißender als sonst ausfallen, weil er inzwischen in San Francisco lebt. Was an der Musik auffällt ist, dass er inzwischen nur noch akustisch zu Werke geht und so dem Folk seiner frühen Jahre wieder näher gerückt ist. Deswegen jedoch anzunehmen, seine Musi sei  langweiliger geworden, ist komplett falsch. Tatsächlich ist der Songschreiber Bruce Cockburn genauso ausgefuchst wie er es vor seiner Pause war. Überraschend ist, dass er Elemente des Gospel in seine Musik eingeführt hat, wobei ihm einige Kollegen helfen, die zu seiner Kirchengemeinde in San Francisco zählen. Darüberhinaus integriert er etliche Male die Dienste des Kornettisten Ron Miles, der speziell in 3 Al Purdys oder Twelve Gates To The City Akzente setzt,. die das Lied noch besser machen. Ansonsten bekommt man typische Cockburn-Songs bei States I´m In, Stab At Matter, Forty Years In the Wilderness und etlichen anderen Liedern der 11 Tracks. Das ist erneut eine absolut überzeugende Platte, weil jeder Aspekt gelungen ist. Ob Musik, Text oder Arrangements: Das ist einmal mehr ein Gesamtkunstwerk der Mannes, der in seiner Klasse einzigartig ist. mvr

 
True North TND678 / Alive
10-17
Auf seinem sechsten Album Trouble & Whiskey legt Sean Chambers perfekten Bluesrock vor.
Rory Gallagher war in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der herausragende Bluesrocker in einer Zeit, in der dieser Stil langsam auszusterben drohte. Erst als Robert Cray den Soul hinzufügte, begann das Genre wieder aufzublühen und das dauert bis heute an. Sean Chambers aus Tampa Bay in Florida begann in den 80er Jahren, Gitarre zu spielen., Zuerst mochte er den klassischen Rock von Bands wie Led Zeppelin oder Lynyrd Skynyrd, ehe er eines Abends im Auto eines Freundes Jimi Hendrix hörte. Danach hatte er sein Herz an den Blues verloren. In den 90ern spielte er seine ersten Alben ein und wurde 1998 für vier Jahre der Gitarrist von Hubert Sumlin, dem ehemaligen Begleiter von Howlin´ Wolf und Muddy Waters. Nachdem er noch zwei Jahre bei einer Blackfoot-Reunion dabei war, konzertrierte er sich auf seine eigene Karriere - und das hat sich gelohnt. Diese CD kann man als Zenith seiner bisherigen Karriere betrachten, weil er dasselbe macht, was auch Rory Gallagher gelang: Er schrieb sieben der zehn  Lieder, singt und spielt Gitarre. Zusammen mit seiner Band hat er eine CD eingespielt, die den Bluesrock auf den Punkt bringt. Er beweist zudem, dass das Genre nicht so eintönig ist, wie es bei vielen Bluesrockbands klingt, sondern man nur die richtigen Songs schreiben muss, um für gute Unterhaltung zu sorgen. Ob der Opener I Need Your Love mit einer fasntastischen Gitarre, der Titelsong, Travelin North oder Sweeter Than A Honey Bee: Das sind alles mitreißende Titel zu denen noch die Coverversionen wie der Bullfrog Blues (Rory Gallagher) kommen. Das ist schlicht und ergreifend perfekt. mvr
 


09-17
Ohrenfeindt legt mit Zwei Fäuste für Rock´n`Roll ein bockstarkes Rock-Album vor.
 
Zugegeben: Wem der Sinn nach Zwischentönen steht, der sollte die Hände von der deutschen Band Ohrenfeind lassen. Denn die kennt nur zwei Tempi: Vollgas und nicht ganz Vollgas. Doch das bedeutet beileibe nicht, dass die Jungs nur gnadenlos prügeln bis der Doktor kommt. Zwei Dinge unterscheiden sie von der Feld-, Wald- und Wiesen-Metal-Band: Ihr Humor und ihre Fähigkeit, immer wieder gute Melodien einzustreuen, die Sänger Chris Laut, der diesen Namen absolut zurecht trägt, dann im Overdrive umsetzt. Anfangs wirkt das manchmal etwas eintönig, aber spätestens mit Titel 3, Wanda Wondergirl, nimmt einen die Musik gefangen. Plötzlich merkt man, dass man ständig mit dem Fuß mitwippt und die Gefahr von verschärftem Headbanging akut wird. Das kommt deswegen, weil die Drei derart lospowern, dass man – ob man will oder nicht – mitgerissen wird. Klar ist das nicht filigran oder von betörender Schönheit, aber es ist Rockmusik,  für die viele andere Bands alles tun würden, um das zu können. Denn so einfach ist es eben auch nicht, einfach so los zu rocken. Dazu braucht es vor allem einen mörderischen Groove, für den Andi Rohde und Chris Laut sorgen; dann die Gitarre von Pierre „Keule rockt“ Bl.esse und schließlich vor allem die Songs, die das umsetzen, ohne dass man ins Leere rockt. Und für die haben die Drei gesorgt. Ob das Titelstück, das bereits erwähnte Wanda Wondergirl, So nicht, die St.-Pauli-Hymne 20359 oder Dreh dein Radio auf: Das sind alles Songs, die jeden, der Rockmusik liebt, mitreißen. Deswegen ist diese CD eine echte Frischzellenkur für jeden, der geglaubt hat, Rockmusik vegetiert vor sich hin. mvr
 

AFM 609-9 / Soulfood
08-17
 Mit Indian Camel feiert Bröselmaschine ein Comeback nach Maß.
 
Wiedergeburten alter Bands können eine Peinlichkeit ersten Ranges sein oder ein Geschenk an alle Fans, die sich noch an die Musik der 60er und 70er Jahre erinnern. Bröselmaschine.aus Duisburg, die sich nach einer Hasch-Zerkleinerungsmaschine benannten, haben das Glück, den Gitarrenlehrer der Nation, Peter Bursch in ihren Reihen zu haben, der durch seine beiden Lehrbücher reich geworden ist und immer noch Bock hat, Musik zu machen. Seine Partner sind seit dem letzten Comeback von 2001 aufgrund einer Sendung über Krautrock im Rockpalast die Sängerin Liz Blue, der Gitarrist Michael Dommers, der Keyboarder Tom Plötzer, der Bassist Detlef Wiederhöft und ein weiteres Urgestein der deutschen Rockmusik, Manni von Bohr am Schlagzeug. Diese Band scheint ausgezeichnet zu harmonieren - anders ist es nicht zu erklären, dass drei der acht Titel von der Band gemeinsam geschrieben wurden, darunter das zentrale der Platte, das 12 Minuten dauernde Titelstück. Es ist es auch, das den modernen Stil der Band auf den Punkt bringt: Folkrock mit einem guten Schuss Weltmusik. Das heißt aber nicht, dass man sich sklavisch auf diesen Klang festlegen lässt. Da gibt es einen saftigen Bluesrock am Anfang (I Was Agry), sphärische Instrumentals wie Peace Of Heaven oder Daydreaming, ausgezeichnete Songs wie Fall Into The Sky oder Don´t Cross My Way und schließlich eine überraschende Coverversion mit dem alten T. Rex-Hit Children Of The Revolution. Am Ende steht eine Platte, die altes ebenso bringt wie neues, den Klang der alten Band ebenso konserviert wie sie auch neue Wege beschreitet, die aber musikalisch alle absolut überzeugen. mvr
 

 MiG 01922 CD  
07-17
 Mit Novum feiert Procol Harum ein Comeback nach Maß.
 
Wieviele einstmals erfolgreiche Bands ein Comeback versucht haben und damit krachend gescheitert sind, kann wahrscheinlich nicht einmal der größte Fan der Rockmusik mehr aufzählen. Procol Harum auf jeden Fall muss man nun von dieser Liste streichen. Denn nach dem eher misslungenen Comeback von 2003 mit The Well´s On Fire war erst einmal Schluss. Zu halbgar war die CD gewesen, zu wenig Druck hatte sie der Band für die folgende  Tour mitgegeben, um länger anzudauern. Doch seit zehn Jahren spielt Gary Brooker mit dem Gitarristen Geoff Whitehorn, dem Organisten Josh Phillips, dem Bassisten Matt Pegg und dem Schlagzeuger Geoff Dunn zusammen und in dieser Zeit sind ihm offensichtlich etliche gute Songs eingefallen. Doch der eiugentliche Anlass, um wieder ins Studio zu gehen, war das 50-jährige Jubiläum der Band, das sich in diesem Jahr ereignet. Vor allem aber hat Gary Brooker in Josh Phillips und dem Lyriker Pete Brown, der schon mit Jack Bruce gemeinsam Songs geschrieben hat, ideale Partner gefunden. Ob es der feierliche Anlass war oder einfach ein glücklicher Umstand - Tatsache ist, dass nicht nur das Cover an die erste LP der Band 1967 erinnert, sondern vor allem auch die Qualität der Lieder. Angefangen mit I Told On You und Last Chance Motel, fortgesetzt mit Soldier, Don´t Get Caught und Neighbour und abgeschlossen mit Sunday Morning, Businessman, Can´t Say That, The Only One und Somewhen: Jeder dieser Titel hätte auf den klassischen Alben der Formation landen können und wäre nicht negativ aufgefallen. Das ist vielleicht das schönste Geschenk zum Jubiläum. mvr

Eagle EAGCD 659 / Universal
06-17
Klaus Adamaschek hat mit der Doppel-CD Earthbound / Traumwandler ein Meisterwerk vorgelegt.
Man kann einen derzeit in einer Fernsehwerbung gebrauchten Spruch gut auf den Liedermacher Klaus Adamascheck aus Rotenburg in Nordhessen anwenden: Musiker werden nicht älter, nur besser. Der Mann mit einer Liebe für die englische Musik ist inzwischen 59 Jahre alt geworden, aber hat mit der Doppel-CD Earthbound / Traumwandler nicht nur seine beste Produktion vorgelegt, sondern auch die beiden musikalischen Welten verbunden, aus denen er stammt. Die eine ist der englisch-irische Folk und die andere die deutschsprachige Liedermacher-Szene. Dazu kommt noch die amerikanische Countrymusik und fertig sind die Quellen, aus denen sich seine Inspiration speist. Dabei ist es einigermaßen überraschend, dass er diesmal gerade bei seinem magnum opus so gute Songs geschrieben und mit seiner Band Shiregreen umgesetzt hat.  Denn seine letzten Platten konnten nicht einmal ansatzweise so überzeugen wie diese hier. Erstmals bei ihm sind alle Puzzlesteine in die richtigen Positionen gefallen. Sein Gesang passt genau zu den Stücken genauso wie die musikalische Begleitung, die mit ihrem unwiderstehlichen Groove den Hörer in seinen Bann schlägt. Die Texte sind ohne Ausnahme einfach gut und oft mehr, was mit dem ausgezeichneten Opener der ersten CD On The Road To Aberdeen beginnt und mit dem letzten, Liedermacher, aufhört. Und schließlich passen auch die Arrangements, die der Mann für seine Lieder fand. Sie ziehen den Hörer in die Welt des Mannes hinein und am Ende ist man traurig, wenn man den letzten der 24 Songs gehört hat. Damit hat Adamascheck Maßstäbe gesetzt. mvr

DMG/Broken Silence 18258
05-17
Pieta Brown legt mit ihrem siebten Album Postcards ein  fehlerloses Countryfolk-Album vor.
 Manche Musikerinnen und Musiker sind erblich vorbelastet, wenn es um ihren Beruf geht. Pieta Brown ist die Tochter von Greg Brown, dem Musiker, der in den 80er und 90er Jahren fast alleine dafür sorgte, dass die Folkmusik wiederbelebt wurde. Zwar musste sie deswegen als Kind auch 18mal umziehen, aber ihr Vater verlieh ihr offensichtlich Gene, in denen die Musik eingespeichert ist. Wie er bevorzugt sie auch die akustische Musik, gab aber zum Folk ihres Vaters einen kräftigen Teil Country dazu. 2002 begann sie damit, Platten vorzulegen und mit Postcards ist ihr zum ersten Mal ein perfektes Album gelungen. Das liegt zum einen an der Idee, an jedem Track eine Band oder einen Musiker teilhaben zu lassen, der seine Signatur zugibt. das betraf Calexico genauso wie Mark Knopfler, die Pines wie David Lindley und so weiter. Doch neben den Beiträgen der Gäste war es mindestesn genauso wichtig, dass die Dame fantastische Songs geschrieben hat.. Ob Rosine, Street Tracker, Stopped My Horse, Station Blues, Take Me Home oder All The Roads - das sind alles Songs, die direkt ins Herz gehen, denn der Gesang von Pieta Brown ist einer der größten Bestandteile, der zum Erfolg der CD beiträgt. Das als schöne Musik zu bezeichnen, würde zu kurz greifen. Die Gefühle, die die meisten Lieder ausdrücken, packen den Hörer und ziehen ihn in die Emotionalität der Künstlerin. Das zeichnet Postcards vor allen anderen Vorzügen auf. Die Highlights ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter   sind da nur noch das Pünktchen auf dem i. Genau so sollte Folk klingen. mvr
Lustre/H´art 7749627

04-17
Mit Fearless schaffen Pride Of Lions im sechsten Anlauf  ein pergektes Melodic Rock-Album.
Wenn man einen Rockmusiker als Routinier bezeichnen kann, dann ist es Jim Peterik. Mit 16 Jahren begann er seine Karriere mit den Ides Of March, die 1968 einen Nr.-2-Hit in den USA mit Vehicle feierten. Allerdings ließ der Erfolg nach und 1970 war die Gruppe am Ende. Danach versuchte sich Peterik  als Songschreiber (mit großem Erfolg)  und Solist (mit weniger großem Erfolg). Sein nächstes Projekt wurde 1978 Survivor. Diesmal war der Erfolg deutlich größer, mit den zwei Titelsongs für Filme der Rocky Balboa-Serie, The Eye Of The Tiger und Burning Heart gelangen veritable Welthits. Doch 1984 legte Peterik dieses Thema ad acta und arbeitete wieder als Songschreiber. Erst als er den Sänger Toby Hitchock traf, der zwar beim US-Gegenstück von Deutschland sucht den Superstar, American Idol, nur den zweiten Platz belegte, für Peterik aber genau die richtige Stimme hatte, beschloss er, mit ihm die Band Pride Of Lions zu gründen, die 2003 das erste Album vorlegte. Von Anfang an brachte man eine Musik, die auf der Schnittstelle zwischen Hard- und Melodic Rock lag.  Vor der Produktion von Fearless hörte sich Peterik noch einmal alle Alben des Duos an und analysierte die Fehler. Das hat geholfen. Dies ist die erste CD der beiden, die keinen Schwachpunkt besitzt, aber dafür Songs wie All I See Is You, In Caricature, den Titelsong, Freedom In Your Eyes, The Light In Your Eyes, Faster Than A Prayer oder Unmasking The Mystery, die in einer gerechteren (Musik)Welt alle Hits werden würden. Selten, falls überhaupt, hat Peterik je so viele gute Songs auf einmal geschrieben. mvr
Frontiers FR CD 768 / Soulfood
03-17
Jennie Abrahamson schafft auf Reverseries die Verbindung zwischen Kate Bush und elektronischem Pop.
So häufig ist es in der Popmusik nicht, dass eine Künstlerin oder ein Künstler mit seinem Debüt Maßstäbe setzt. Kate Bush gelang das 1978 mit der Single Wuthering Heights und dem Album The Kick Inside. Ihre hohe Stimme, ihre ziselierten Arrangements und die feinen Melodien - so etwas hatte man bis dahin nicht gehört. Jetzt hat sie eine Nachfolgerin gefunden. Jennie Abrahamson aus Schweden benützt einige Elemente ihres Vorbildes, um ihren eigenen Klang zu definieren. Im Vordergrund steht die hohe und doch kräftige Stimme der Skandinavierin, doch das ist nur ein Element ihrer Musik. Genauso wichtig sind die elektronischen Tasteninstrumente, die  Johannes Berglund beisteuerte, der die Platte mit ihr herstellte. Und zum dritten schrieb Abrahamson neun der 10 Tracks, abgesehen von Lift Me Up, das Bruce Springsteen verfasst hat. Ihre Musik ist Pop und das bedeutet, dass sie für gute Melodien zu sorgen hat. Genau das hat sie getan und nicht nur das: Sie besitzt auch noch eine Stimme, die an Kate Bush erinnert und die sie genau so einsetzt, dass nie der Eindruck zum einen der Imitation und zum zweiten der Gleichförmigkeit entsteht. Vor allem aber hat sie es geschafft, die Hintergründe auf die Melodien abzustimmen. Deswegen wird die Platte nie langweilig, sondern jeder Song kann für sich stehen. Das ist ausgezeichneter Pop von einem echten Original, das zudem eine ausgezeichnete Songschreiberin ist. Ihr gelang der Spagat zwischen der Erinnerung an eine große Stimme und ihre Integration in die eigene Musik. mvr

How Sweet The Sound / Indigo 323075
02-17
Mit Resonate knüpft Glenn Hughes an seine besten Soloplatten in den 90er Jahren an.
Eine gute Stimme zu haben, ist in der Rockmusik schon die halbe Miete. Aber wenn
man dann noch ein Instrument beherrscht und starke Songs schreiben kann, steht einem die Welt offen. Glenn Hughes aus Cannock in der Grafschaft Staffordshire ist seit Trapeze einen weiten Weg gegangen, der ihn durch zahlreiche Bands und Soloprojekte geführt hat. 2016 kehrt er auf Resonate zu dem Sound zurück, der ihn in den 90er Jahren dank solcher Alben wie Addiction oder Feel zu einem Original werden ließ: Er mixte harten Rock mit Elementen der Soulmusik und schrieb dazu Lieder, die diesen Klang absolut passgenau umsetzten. Das ist ihm jetzt mit seiner Tourband um Gitarrist Soren Andersen, Schlagzeuger Pontus Engborg und dem neuen Keyboarder Lachy Doley gelungen. Das liegt natürlich vor allem an den Songs, die seiner Stimme den Hintergrund geben, um aufzutrumpfen. Es beginnt mit dem an Heavy Metal erinnernden Heavy, dreht dann etwas zurück bei My Town und weist auch noch so schöne Balladen wie Let It Shine vor. Dass seine Stimme nach wie vor eine der besten in der gesamten Rockmusik ist, muss man nicht besonders ausführen. Aber auf dieser Produktion glänzt sie einmal mehr sowohl bei den harten Rockern als auch in den gefühlvollen Liedern, wo Hughes manchmal eine Sensibilität beweist, die ihm eine Zeit lang abging. Diese CD darf man getrost auf eine Stufe mit seinen Klassikern stellen und es ist schön festzustellen, dass er nach wie vor die Kreativität für solch ausgezeichnete Kompositionen besitzt, wie sie sich hier finden. mvr

Frontiers FR CD 758 / Soulfood
01-17
Mit Rejoice! I´m Dead! hält die aktuelle Besetzung von Gong das Labenswerk von Daevid Allen aufrecht.
Wenn man das Genre Hippiemusik definieren wollte, könnte man auch einfach das
hernehmen, was Gong über die Jahrzehnte hergestellt hat. Gegründet von Daevid Allen nach seinem Ausstieg bei Soft Machine und am Leben gehalten von dem Schlagzeuger Pierre Moerlen, nahm irgendwann Daevid Allen wieder der Gruppen-Namen für seine Kreationen. Doch nach seinem Tod müsste diese Phase ja eigentlich zu Ende sein - Pustekuchen. Der Gitarrist und Sänger Kavus Terabi hat das Erbe des gebürtigen Australiers hoch gehalten und legt jetzt mit seinen Kollegen ein Album vor, dass das Beste der vorangegangenen Formationen bündelt und gleichzeitig neue Wege beschreitet. Zwar ist der Jazzrock, der in den 70er und 80er Jahren das Rückgrat des Klangs der Band war, nicht mehr so stark vertreten, aber dafür gibt es Songs, die an solche Klassiker wie Wingful Of Eyes vom Album Shamal anknüpfen. Es kommt nicht von ungefähr, dass ehemalige Musiker der Band wie Didier Malherbe oder Steve Hillage hier mitgewirkt haben, denn das Sextett, das diesen Namen jetzt trägt, musiziert im Geist der originalen Gruppe. Nur ist der Mix inzwischen etwas moderner. Es gibt sowohl süffigen Rock wie im Titelstück oder Model Village, aber auch instrumentale Passagen wie bei Matrix oder Visions. Gleichzeitig ist das gute Rockmusik. Die abgedrehten Passagen, die vor allem die frühen Platten prägten, gehören der Vergangenheit an. Gong 2016 ist nur noch eine Musikband, dafür aber eine richtig gute. Daevid Allen wäre stolz auf diese Weiterentwicklung seiner Idee. mvr

Stony Plain / In-akustik 0671391
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü