Platte des Monats 2019 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2019

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur "Platte des Monats ...
Jahrgang 2019
Ausgabe
Text
Plattencover
06-19
Mit Digging For Rays legt Joseph Parsons endlich ein rundum gelungenes Singer/Songwriter-Album vor.

Wenn man beim Blue Rose-Label einen Musiker hat, den man als Urgestein bezeichnen kann, dann ist es der Singer/Songwriter Joseph Parsons, der mit dieser CD  seine 13. vorlegt und mit diversen anderen Projekten auch schon bei der auf Singer/Songwriter, Westcoast und Americana spezialisierten Firma aus Heilbronn notorisch geworden ist. Auf jeder seiner Platten gab es immer etliche Highlights, doch diesmal hat er es zum ersten Mal geschafft, kein schwächeres Lied auf die CD zu packen, sondern nur gutes Material, zu dem auch die abschließend auf deutsch gesungene Version von Wide Awake, Hellwach gehört. Was er vorher eingespielt hat, demonstriert einmal mehr, dass er zur klassischen Art seines Stils gehört, bei der Elemente der Countrymusik ebenso in den Klang einfließen wie die der Westcoast Musik und natürlich der Rockmusik. All das verschmelzt er hier in seinen Songs und nicht nur das: Erstmals arbeitet seine ruhige Dar bietung nicht gegen ihn, sondern seine völlig souveräne Ablieferung passt genau zu den Songs, die er geschrieben hat. Schon der Opener Wide Awake sorgt für gute Stimmung, weil die Melodie ebenso passt wie die Gitarreneinsätze. Und das trifft auch auf die weiteren Songs zu, die nie sofort mitreißen, sondern nach und nach ihre Qualität erkennen lassen. Was da alles drin ist, macht die CD zu einer der seltenen Produktionen, wo man beim Hören jedesmal etwas Neues entdecken kann. Für so etwas muss man ein Meister seines Faches sein Joseph Parsons ist das definitiv und diese Platte ist seine beste. mvr

05-19
Krissy Matthews legt mit Monster In Me eine perfekte Rockplatte vor.

Wenn man schon mit drei Jahren von seinem Vater auf die Bühne geholt wird, liegt es nahe, irgendwann die Musik zu seinem Beruf zu machen. Mit 5 bekam Matthews von seinem Vater Keith eine elektrische Gitarre, mit 11 studierte er den Blues und mit 12 durfte er neben John Mayall auf der Bühne stehen. Noch im selben Jahr gründete Krissy Matthews die Krissy Blues Boys mit seinem Vater an der Rhythmus-Gitarre. 2006 veröffentlichte er seine erste CD und 2008 verließ er die Schule schließlich legte er mit 16 schon seine zweite Platte vor. Und doch kann man diese Disc, seine 6., nicht als Bluesrock bezeichnen. Dem Glücksfall, dass sich Pete Brown erbot, für ihn Texte zu schreiben, verdankt er es, dass auch auf dieser Disc Musik und Inhalte eine glückliche Verbindung eingegangen sind. Dabei kommt Matthews zunächst relativ direkt ´rüber. Zunächst denkt man, hier würde harter Rock geliefert, aber   dann stellt man fest, dass in jedem Song richtig gute Melodien stecken und Matthews die auch noch kompetent vorträgt. Seine Band besteht aus dem klassischen Gerippe einer Rockband. Zur Rhythmus-Sektion um Bassist Sam Weston und Schlagzeuger Kevin Hickman kommt noch der Tastendrücker Rasmus Solem, der das Tüpfelchen auf dem i bei vielen Arrangements liefert. Vor allem aber zählen die Songs und die sind Matthews glänzend gelungen. Die direkte Produktion ohne alle Gimmicks oder Kinkerlitzchen trägt ihren Teil dazu bei, dass man hier eine Rockplatte aus einem Guss bekommt, bei der der Blues vielleicht manchmal ums Eck schaut aber nicht mehr. Damit beweist Matthews echte Klasse. mvr

04-19
RPWL legt mit Tales From Outer Space eine CD vor, die sich an ihren Idolen orientiert.

Eine der erfolgreichsten Bands der progresisven Rockmusik in Deutschland begann ihre Existenz einmal als Coverband von Pink Floyd. Irgendwann schwammen sie sich frei und brachten eigene CDs heraus, die immer dann besonders überzeugten, wenn sie an ihre Idole erinnerten. Dies ist 2019 auf jeden Fall gelungen. Dieses Konzeptalbum über Science Fiction - deswegen auch der Titel Tales From Outer Space und das Cover, das an die billigen Heftchen der 50er und 60er Jahre erinnert, die sich mit Science Fiction  beschäftigten - ist musikalisch eine herausragende Produktion geworden, vor allem deswegen, weil die Oberbayern diesmal eine Produktion vorgelegt haben, auf der nicht nur der Sound in Richtung der Wish You Were Here-Phase von Pink Floyd geht, sondern sie ihn mit den eigenen Mitteln erarbeitet haben. Dass Guy Pratt, der sowohl für Pink Floyd als auch für David Gilmour den Bass zupfte hier bei einem Stück mitspielte, rundet das Bild ab. Am Überzeugendsten auf der CD sind jedoch die langen Tracks, die demonst- rieren, wie gut das Quartett die großen Zusammenhänge beherrscht und nicht nur das: Es schafft vor allem, stets die Spannung auf- recht zu erhalten. Man könnte ironisch sagen: Über diese Platte wäre Pink Floyd extrem stolz, aber David Gilmour & Co. fehlen inzwischen die Ideen. Die Oberbayern aber haben sie und das unterstreicht diese 50-minütige CD zu jeder Zeit. Mit diesem Album be- weist das Quartett, dass es von seinen Vorbildern viel gelernt hat, aber vor allem in der Lage ist, ihre Musik so umzusetzen, dass man die eigene Handschrift entdecken kann.

03-19
Sean Chambers legt mit Welcome To My Blues ein ausgezeichnetes Bluesrock-Album vor.

Florida ist in den USA eigentlich als Paradies der Rentner berühmt, weil es dort viel Sonne und Wärme gibt. Doch gleichzeitig kamen daher viele große Bands und auch der Sänger, Gitarrist und Songschreiber Sean Chambers stammt von da. Er legte sein erstes Album 1998 vor und spielte danach fünf Jahre  als Leadgitarrist in der Band des ehemaligen Gitarristen von Howlin´ Wolf, Hubert Sumlin, ehe er sich wieder selbständig machte. Seine Qualität als Gitarrist ist ebenso unbestritten wie die als Sänger, aber als Songschreiber konnte er bislang nicht voll überzeugen - bis heute. Das mag auch am Produzenten Ben Elliott liegen, mit dem er seit dem vorletzten Opus zusammenarbeitet. Offensichtlich hat der Mann, der bereits mit Eric Clapton und Steve Miller arbeitete, den richtigen Knopf gefunden, um seinen Klienten zu Höchstleistungen zu stimulieren. Diese CD ist auf jeden Fall die bislang eindeutig beste, die er vogelegt hat. Das liegt an drei Ursachen: Zum einen setzt er seine Gitarre so effektiv und explosiv ein wie selten zuvor. Zum zweiten hält er mit seiner rauen Stimme die Spannung immer oben. Und zum dritten sind ihm noch nie zuvor so viele gute Songs eingefallen wie diesmal. Zudem nahm er mit der Luther Allison-Komposition Cherry Red Wine und dem T-Bone Walker-Stück All Night Long zwei Coverversionen auf, die dem Ganzen noch eine Prise Pfeffer mehr geben. Mit diesem Album rückt Chambers in die erste Garde der Bluesrocker vor. Hoffentlich kann er dieses Niveau auch in den nächsten Jahren halten, dann hat er richtig gute Karten, um in die erste Liga des Bluesrock zu kommen. mvr


02-19
Dornenkönig legen mit Hell einen Erstling vor, der in jeder Hinsicht durch seinen harten Rock und die Texte überzeugen kann.

In Deutschlands Rockmusik tut sich etwas. Nachdem im Oldie-Markt vom Januar bereits Albert Luxus aus Köln einen herausragenden Tonträger vorgelegt haben, ziehen jetzt Dornenkönig nach. Wobei die Band, die aus der 2005 gegründeten Schlagwerk entstand, einmal mehr die Theorie bestätigt, dass viele erfolgreiche Gruppen aus der Provinz kommen, weil man dort nicht viel anderes zu tun hat. Sänger und Songschreiber Ralph Bartelmess und seine Kumpane stammen nämlich aus dem bei Heilbronn gelegenen Städtchen Brackenheim, das sich als die größte Weinbaugemeinde Württembergs bezeichnet. Nachdem man unter dem Namen Schlagwerk (eine CD 2012) nicht reüssierte, versucht man es jetzt unter dem neuen Namen und produzierte die CD Hell bei dem renommierten Produzenten Tommy Newton (Victory, Helloween, Guano Apes), der in seinem Studio in Hannover die Musik der Band in einen direkten, glasklaren Rock- Ohren und Beine geht. Was auffällt, sind drei Faktoren: Zum einen die uniform guten Songs, die sowohl Melodie als auch harten Rock bringen. Die Stimme von Ralph Bar- thelmess, der immer der Chef im Ring bleibt. Und schließlich der nahezu perfekte Mix aus den rockigen Liedern und den melodischen Balladen, die das Quintett ausgezeichnet hinbekommen hat. Dabei ist der Klang der Gruppe alles andere als einseitig: Keyboarder Markus Dietz kommt genauso zur Geltung wie Gitarrist Stefan Schönbrunn und Bassist Michael Schmitz hält mit Schlagzeuger Matthias Konrad das Ganze schön am Boden. Das ist richtig gut.  mvr





01-19
      
Mit seiner  dritten CD Diebe nimmt das Kölner Duo Albert Luxus einen kompletten Stilwechsel zu ausgezeichnetem Deutschpop vor.
Im Duo zu musizieren ist nicht ganz einfach. Die Erfahrung haben der Songschreiber, Sänger und Gitarrist Matthias Sänger und der singende Schlagzeuger Andreas Kiwitt seit Jahren gemacht. Besonders auf dem zweiten Album, auf dem Kiwitt neben den Drums auch noch den Bass bediente, war das problematisch. Nach einer längeren Pause ist Albert Luxus wieder da und legt ein Album vor, das besten Deutschpop bringt. Nicht nur, weil die Texte in der Regel witzig und fundiert sind, sondern vor allem, weil die beiden den Klang richtig gut hingekriegt haben. Was besonders auffällt, sind die Vokalharmonien bei vielen Stücken, aber auch die Soli, die Sänger, der normalerweise als Sozialarbeiter in Düsseldorf arbeitet, so hinlegt. Im Vordergrund stehen natürlich die Songs und da hat Sänger definitiv ins Schwarze getroffen. Angefangen mit Socken von gestern, Jacuzzi, dem Titelsong oder In den Arm bitte! - das sind nur die ersten vier Songs und in derselben Qualität geht es weiter. Das ist richtig guter Pop, der niemals seicht oder schleimig wird, sondern die NDW-Atmosphäre des unfertigen oder naiven vom Anfang bis zum Ende beibehält. Gleichzeitg fielen Sänger immer wieder starke Melodien ein, die die Lieder mühelos tragen können. Da die beiden darüberhinaus auch bei den Arrangements ein feines Händchen bewiesen haben, ist das immer ebenso überraschend wie eingängig, ohne sich an den Boom der Musikrichtung anzuhängen: Hier scheppert es nämlich und das ist nicht so geleckt wie viele Produktionen, die man inzwischen in den deutschen Hitparaden hört.  mvr

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