Platte des Monats 2018 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2018

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur "Platte des Monats ...
Jahrgang 2018
AusgabeTextPlattenconver
10-18
Mit seiner erst dritten CD Southbound unterstreicht Bob Rea, dass es nach wie vor den klassischen Singer/Songwrter gibt.
Eigentlich ist der klassische Singer/Songwriter ausgestorben. Natürlich gibt es noch einige Unentwegte, die diese Stilart am Leben erhalten, aber die meisten sind in Richtung Americana abgeschwenkt oder rocken lieber kräftig. Vorhang auf für Bob Rea, der irgendwann entdeckte, dass seine große Liebe die Musik ist und deswegen seine alten Berufe wie Rancher oder Erbauer von Holzhütten an den Nagel hängte. Man kann nicht beauhpten, dass das eine rationale Entscheidung war, denn reicher ist er dadurch sicherlich nicht geworden, aber musikalisch gesehen war es ein absolut korrekter Entschluss. Nimmt man die CD Southbound her, die auf einem Kleinstlabel (seinem Eigenen?) erschienen ist, stellt dieser 59-jährige Sänger, Songschreiber und Gitarrist eines der Ausnahmetalente dar, die genau die Inhalte in ihrer Musik vorweisen, die zu einer guten Singer/Songwriter-Produktion gehören: Die persönlichen Erlebnisse (am ergreifendsten in Vietnam), die introspektiven Stücke und die Impressionen, die das Leben als Musiker so mit sich bringt - alles das findet sich hier. Doch das ist nur der Anfang. Denn was Rea vor allem neben seiner beeindruckenden Stimme besitzt, ist das Gefühl für die Sehnsucht und Wehmut in der Musik. Wenn er von seinem Freund singt, der in Vietnam starb, nur weil er die falsche Nummer bei der Einzugs-Lotterie zog  - und Rea nicht - odervon Erlebnissen unterwegs erzählt - Screw Cincinatti, der Titelsong oder Soldier On - immer teilen die Musik und die Texte etwas mit. Dazu kommt die Musik zwischen Country und Rock. Fantastisch!

10-18
      
Elvin Bishop legt mit seinen Kollegen Bob Welsh und Willy Jordan das entspannteste Album seiner Karriere vor.
Entgegen der Vorstellungen vieler jüngerer  Menschen wird im Alter nicht alles schlechter. Man lernt beispielsweise, dem Leben mit einer gewissen Gelassenheit gegenüber zu treten. Das demonstriert der ehemalige Gitarrist der Paul Butterfield Blues Band, Elvin Bishop, der in den 70ern einmal sogar einen Singlehit auf Capricorn landete. Seit Jahren ist er bereits für das Chicagoer Blueslabel Alligator Records unterwegs und tat sich für das neue Opus mit dem Pianisten, Organisten und Gitarristen Bob Welsh und dem Sänger und Cajon-Spieler (eine Kistentrommel aus Peru) Willy Jordan zusammen. Unter dem Titel Somethin´ Smells Funky ´Round Here haben die drei eine Blues(rock)-Platte vorgelegt, die ihresgleichen sucht, wenn man Humor, Entspanntheit und einfach die Freude am Musizieren als Maßstab anlegt. Das liegt zum einen an den Songs, die die drei teilweise zusammen, aber auch alleine schrieben  wie auch an den Coverversionen, die sie eingestreut haben wie (Your Love Keeps Lifting Me) Higher And Higher, Another Mule oder I Can´t Stand The Rain. Dazu kommen solche Highlights wie die Bishop-Tracks Right Now Is The Hour oder Lookin´ Good, die das Alter thematisieren. Zusammen ist das nicht nur musikalisch absolut beachtlich, sondern die humorvollen Texte treffen immer wieder den Nagel auf den Kopf. In Anbetracht der Tatsache, dass das ein Alterswerk ist, sollte man den Jungs wünschen, dass sie noch ein paarmal zusammenarbeiten, weil sie sich in dieser Besetzung offensichtlich so anfeuern, dass das Beste dabei herauskommt. Hut ab! mvr

09-18
Keegan aus Köln haben mit ihrem fünften Album ein Powerpop-Album der Extraklasse vorgelegt.

Eigentlich war der Power Pop eine Erfindung der Punk-Ära, weil er die Energie des Punkrock mit feinen Melodien verband. Dieser Tradition fühlt sich das Quartett um den Sänger Ian Maxwell - der mit einer Ausnahme alle Songs schrieb - und dem Schlagzeuger Andreas Plappert verbunden. Zusammen mit den neuen Mitgliedern, dem Gitarristen und Sänger Jochen Rohde und dem Bassisten Ralf Mutz haben sie mit An Itch You Can´t Scratch ein geradezu beispielhaftes Album mit Powerpop-Edelsteinen vorgelegt, das sie in Solingen produziert haben. Schon die ersten Takte beweisen, dass Druck, Tempo und Melodie hier gleichberechtigt nebeneinander stehen. Ob die Melodien, die Songs, die Einsätze von Rohde oder der brutale Rhythmus von Plappert und Mutz: Das hätte auch 1978 von solchen Bands wie den Vibrators oder US-Vertretern wie Blue Ash kommen können, die in der großen Ära des Stils aktiv waren. Überraschend ist vor allem die Fülle an Songs, die unmittelbar ins Ohr gehen: Ob You Can´t Decide, Two Wrongs, Famous Last Words, Better Days oder The Least Notion: Das alles sind richtiggehende Ohrwürmer und davon gibt es unter den 14 Songs noch mehr, womit zudem bewiesen ist, dass das Quartett dem alten Punk-Motto zugetan ist: Besser kurz und kräftig als lang und ausgedehnt. Mit diesem Album im Rücken sollten die Herren speziell in England offene Türen einrennen, denn eine solche Platte hat man in den letzten Jahren aus dem Vereinigten Königreich nicht mehr gehört. Das ist eine grandiose Mischung aus tollen Melodien und krachenden Einsätzen, wie man sie so nur selten hört. mvr

Bellfire / Bellaphon 9621725
08-18
      
Mit seinem 16. Solo-Album My Soul For You legt Ben Granfelt ein Rock-Album der Spitzenklasse vor.

Gringos Locos, Leningrad Cowboys, Wishbo- ne Ash: Nur drei von vielen Stationen, bei de- nen der finnische Gitarrist, Sänger und Song- schreiber Ben Granfelt seine Spuren hinterlassen hat. Seine Musik basiert immer auf drei Stützen: Natürlich seinem herausragenden Gitarrenspiel, dann seinen fantastischen Songs und schließlich seiner Liebe zum Blues. Alle diese Dinge finden sich hier und dazu die Gastspiele einiger Kollegen, wie sei- nem von Wishbone Ash, Muddy Manninen, der zu This Is Love von P.,J. Harvey eine feine Lap-Steel Einlage gab oder seiner Frau Jasmine Wynants-Granfelt oder Bryn Jones, der My Heroine seine Stimme lieh. Doch im Vordergrund stehen immer Granfelt und seine Gitarre, sowie seine Band, die aus dem Bassisten Masa Maijanen sowie dem Schlagzeuger und Produzenten des Albums, Okko Laru, dessen Sohn Atte auch noch  Tasteninstrumente beisteuerte, besteht. Im Vordergrund stehen aber die Songs, die Granfelt mit der oben genannten Ausnahme alle selbst schrieb, wobei er bei einigen Texten Hilfe beispielsweise von seiner Frau und Bryn Jones benötigte. Schon der Anfang überzeugt mit dem eingängigen Rocker Weight Of The World, auf den der bluesige Shuffle Life, Living And You und das P.J. Harvey-Cover folgen. Nach der Ballade My Soul To You sorgen das griffige A Better Place und das Duett mit seiner Frau, Fuel To Burn für beste Stimmung, ehe mit dem sexy My Heroine das letzte Drittel eingeläutet wird, bis das feine Instrumental Sunrise den Rausschmeißer gibt. Mit dieser CD erweist sich Granfelt als Allround-Musiker, der Songs nur so aus dem Ärmel schüttelt und als Gitarrist zudem in der absoluten Spitzenklasse spielt. mvr


07-18
      
Jon Hiseman, Clem Clempson und Mark Clarke haben ein tolles Rock-Album hergestellt.

      
Man sollte davon ausgehen, dass alte Musiker ihren Beruf nur noch als Lust an der Freude betreiben, auch wenn die Tatsache, dass sie immer Freiberufler waren, da schon Zweifel auslösen könnte. Jon Hiseman, Dave „Clem“ Clempson und Mark Hughes waren immerhin bei genügend gut verdienenden Gruppen um sich einen geruhsamen Lebensabend zu schenken. JCM nannten sie ihre neue Gruppe und ihre erste CD Heroes deswegen, weil sie Songs und Instrumentals aus ihrer eigenen und der Vergangenheit von Kollegen nachgespielt oder besser, neu interpretiert haben. Das fängt fantastisch mit dem alten Colosseum-Titel The Kettle an, setzt sich fort mit Strangeher, das von Hiseman, Clarke und Alan Holdsworth geschrieben wurde und endet dann mit der Larry Coryell-Komposition The Real Great Esacpe. Man übertreibt sicher nicht, wenn das Trio neben den Songs, die sie selbst und andere schrieben, zudem auch den Musikern widmen wollten, die inzwischen verstorben sind. Dazu zählen neben den bereits erwähnten Gitarristen Larry Coryell und Alan Holdsworth noch Jack Bruce, Graham Bond und Gary Moore, mit denen sie abgesehen von Coryell alle zusammengespielt haben. Doch die Anrichtung der Tracks sorgt dafür, dass nie Nostalgie aaufkommt. Das ist immer knackige Rockmusik, die die drei Musiker hier angefertigt haben und nie wird auch nur ansatzweise der Tradition gehuldigt. Zudem sind viele Tracks kaum je berühmt geworden. Deswegen ist die CD ein Geschenk für alle Rockfans, die tolle Musik und Tracks aus der großen Zeit  der Stilart genießen wollen. Die drei Musiker rocken wie die Teufel. mvr

06-18
      
36 Jahre nach ihrem letzten Album beweisen Fargo auf Constellation ihre Klasse.

      
Reunions im 21. Jahrhundert besitzen einen großen Unterschied zu denen im 20.: In der Regel ist die Qualität der daraus resultierenden Produktionen deutlich höher als das früher häufig der Fall war. Ein ausgezeichneter Beweis für diese Behauptung ist die Wiedergeburt der Hannoveraner Hardrocker Fargo, die mit Constellation ein Album vorgelegt haben, das es so in ihrer Karriere noch nie gegeben hat. Die Band besteht mit Gitarrist und Sänger Peter Ladwig und dem Bassisten Peter Knorn aus zwei Originalen, die von dem Gitarristen Arndt Schulz (früher bei Harlis und Jane tätig) und dem Schlagzeuger von Mob Rules, Nikolas Fritz, ergänzt werden. Das hauptsächlich von Ladwig und Knorn geschriebene Material - bei etlichen Songs arbeitete auch Arndt mit Knorn zusammen - bringt einen fetten Mix aus Hard- und Bluesrock, den die vier aus dem FF beherrschen. Doch ohne die richtigen Songs wäre das nicht viel und da springen Stücke wie der Opener Step Back, das melodische Buzz Buzz oder Cross To Bear, Don´t Talk oder Southern Breeze, das hauptsächlich aus Elvis-Songtiteln besteht, in die Bresche. Anders gesagt: Diese CD verbindet grundguten Rock mit feinsten Melodien, die mit einer Souveränität vorgetragen werden, die dem Alter der Protagonisten geschuldet ist. Jenseits der 60er muss man sich nicht mehr beweisen, sondern macht nur noch das, was einem gefällt und das wird vielen Hörern dieser Platte so gehen. Tatsächlich bietet sich der Vergleich mit altem Wein an: Ein schlechter wird zu Essig, doch ein guter Jahrgang am Ende zu einem noch besseren Wein. Das gilt ohne Abstriche für das Comeback von Fargo. mvr

      
Steamhammer/SPV 285842
05-18
Mit ihrem 12. Album hat die kanadische Band Sloan ein Meisterwerk vorgelegt.

Selbstverständlich hat die Rockmusik im 21. Jahrhundert bei weitem nicht mehr die Bedeutung, die sie in den 60er und 70er Jahren hatte, als man kurz glauben konnte, Botschaften wie Love & Peace oder ähnliches würden tatsächlich Gesellschaften verändern und Gruppen wie die Beatles wie Götter behandelt wurden. Die Realität war und ist eine andere, aber aus dem Rückblick auf diese gol dene Zeit der Rockmusik bezieht sie bis heute eine Legitimation, die sie objektiv schon lange nicht mehr besitzt. Heute gehört sie zum großen Bereich der Unterhaltung und deswegen sollte sie das auch tun. Sloan haben sich das auf jeden Fall auf ihr Panier geschrieben und das mit ihrem schlicht 12 betitelten neuen Opus auch absolut überzeugend umgesetzt. Die Kanadier sind in jeder Hinsicht eine Ausnahme: Sie haben es bis zum 12. Werk geschafft und noch dazu in der Be setzung, mit der sie 1992 auch ihren Erstling eingespielt haben und jeder der vier Mitglieder steuerte jeweils drei Lieder bei. Was dabei heraus kam, ist eine nahezu fehlerlose Platte mit poppigem Rock, die vom Klang her deutlich auf die Vergangenheit verweist. Doch jeder Titel verfügt über eine schöne Melodie, die Gitarren beherrschen den Klang und singen können Jay Ferguson, Chris Murphy, Patrick Pentland und Andrew Scott auch noch. Endlich wieder einmal eine Formation, die unterhalten will und das vor allem auch kann. Das ist schon an sich eine echte Leistung. Fragt sich jetzt nur, wie die elf Platten davor waren. Wieder ein Grund, die Produktionen einer neuen Band zu sammeln, auch wenn sie wahrscheinlich nicht an die Qualität dieser Veröffentlichung heranreichen. mvr

Yep Roc CD-YEP-2567 / H´art
04-18
The Winnetou Tapes verbindet die Talente von Claus Boesser-Ferrari und Adax Dörsam zu einer überragenden Gitarrenplatte.

So banal das klingen mag, aber auch Musiker waren einmal Kinder und sowohl Claus Boesser-Ferrari als auch Adax Dörsam wuchsen mit den Karl May-Filmen und der Musik von Martin Böttcher auf. Dörsam, der seit dem Tod seines alten Partners Markus Reffert eine neue Herausforderung gersucht hat, tat sich jetzt mit seinem Kollegen zusammen, um diese Liebe aus ihrer Kindheit musikalisch aufzuarbeiten. Das taten sie jedoch nicht, indem sie die bekannten Schöpfungen von Böttcher nachspielten, sondern zum einen verfremdeten sie sie und zum anderen fügten sie eigene Improvisationen hinzu. Das ist der eine Punkt, doch der andere, viel wichtigere ist der, dass das Duo von vorneherein nicht vor hatte, in Schönheit zu sterben, sondern teilweise die bezaubernden Melodien Böttchers dekonstruierte. Da tauchen Dissonanzen ebenso auf wie rockige Einsätze der elektrischen Gitarre. Diese beiden Bestandteile machen diese CD mit Instrumentalmusik erst zu einer durchwegs spannenden und aufregenden Sache. Boesser-Ferrari und Dörsam müssen ihr Können nicht mehr unter Bewis stellen, sondern sie stellen sich und ihre Instrumente in den Dienst der Sache und die war es, ein intensives, erregendes Album zu produzieren, das auf dem Fundament der Böttcher-Kompositionen demonstriert, wie man diese Melodien spannend erhalten kann. Eben nicht durch plumpes Nachspielen, sondern indem man sie genauso mit der Realität konfrontiert wie das bei den Filmen angebracht gewesen wäre. Am Ende steht ein Stück herausragender Musik. mvr

Acoustic Music/Rough Trade 319.1584.2
03-18
Mit Tuscumbia bringt Belle Adair einen starken Mix aus Pop und Reminiszenzen an die 60er Jahre.

Manchmal kann es auch schädlich sein, wenn man als Band von anderen Musikern angefordert wird, um mit ihnen aufzutreten. Denn das zweite Album der Gruppe aus Alabama sollte eigentlich bereits vor einiger Zeit erscheinen, aber Angebote von Dylan LeBlanc und Donnie Fritts waren zu gut, um sie abzulehnen und so tourte man über 2 Jahre lang durch die USA, um die oben genannten Herren zu begleiten. Doch letztes Jahr war es soweit, dass man in die berühmten FAME Studios in Muscle Shoals einrückte, um unter den Augen des Wilco-Produzenten Tom Schick diese CD aufzunehmen, die Matt Green nach dem Ort benannte, in dem er das Gros des Materials schrieb, das man zu hören bekommt. Stilistisch liegt es zwischen dem, was die Byrds in den 60er Jahren veranstalteten und den englischen Pop-Bands der 90er wie dem Teenage Fanclub. Doch dank ihres Sängers, Gitarristen und Songschreibers besitzt die Formation eine eigene Handschrift, die ein Lied wie der Auftakt des Albums, Get Away, verdeutlicht. Denn in ihm kommen die Einflüsse zusammen, die den Klang von Green & Co. dominieren: Die flirrende Gitarre, die vor allem an die Byrds erinnert, die bezaubernden Melodien und die Vokalharmonien, die das Ganze rund machen. Und da Green nicht nur den einen Ohrwurm, sondern andere wie The Absentee, Out On The Blue, Phantom Beach oder Neptun City schrieb, bekommt man eine Platte, die das Beste der 60er und der 90er Jahre nahm und es mit dem eigenen Klang verbunden hat. Deswegen sollte diese CD nur der Anfang von etwas Großen sein. mv

Single Lock Records / H´art
02-18
Mit ihrem Comeback-Album A Sting In The Tale liefern Ten Years After eine tolle Platte ab.

Als sich die alten Mitglieder von Ten Years After mit Ausnahme von Alvin Lee sich 2003 entschieden, wieder zusammen zu spielen und mit dem Gitarristen Jo Gooch das Album Now aufnahmen, zeigte es sich, dass das durchaus eine legitime Fortsetzung der großen Karriere ihrer alten Band war. Danach tourte man und bewies den alten und neuen Fans, dass dies ein sinnvolles Comeback war. Nachdem man einige DVDs und Live-Alben veröffentlicht hatte, erschien 2009 die nächste Studioplatte Evolution. Doch 2013 verabschiedeten sich Bassit Leo Lyon und Joe Gooch, um mehr Zeit für ihre eigene Band Hundred Seventy Split zu haben. Ric Lee und Chick Churchill überlegten nur kurz, ob sie weitermachen wollten. Dann holten sie den Bassisten Colin Hodgkinson und den Gitarristen, Sänger und Songschreiber Marcus Bonfanti und machten weiter. Aus heutiger Sicht kann man nur sagen: Zum Glück. Denn die erste Studioproduktion dieser Formation ist die beste Platte seit A Space In Time, weil wie 1971 der Blues nur einen Teil der Musik bildet. Mit Marcus Bonfanti haben die Routiniers einen jungen Musiker gefunden, der auf dieser CD bewiesen hat, dass er das richtige Gespür für die Musik seiner neuen Kollegen hat, aber vor allem auch Songs schreibt, die genau in das Stilspektrum der Band passen. Das ist alles vor allem ein gutes RockAlbum, bei dem zwar der Blues immer einmal wieder  um  die  Ecke  schaut,  aber  im Vordergrund stehen die Melodien, die Bonfanti fand. Das hört sich nicht immer spektakulär an, aber über die 52 Minuten wird die Musik immer besser. mvr

Butler 8718627226216 / H´art
01-18
Mit ihrem dritten Album Agusa legen die Schweden ein exemplarisches Symphonic Rock-Werk vor.
 
Der Symphonic  Rock geriet in der Vergangenheit zurecht etwas unter Beschuss. Viele Kritiker waren der Meinung, etliche der Veröffentlichungen aus dieser Ecke wären hauptsächlich dröge Veranstaltungen mit kaum Spannung in der Musik und langen Tracks,  die irgendwann im Nirvana der Rockmusik endeten. Das traf sicherlich auf etliche Formationen zu, denen es häufig an melodischen Einfällen mangelte, aber es gab immer auch Ausnahmen, die ihre Kompositionen so anfertigten, dass sowohl die Melodik als auch der Rock nicht zu kurz kamen. Zu dieser seltenen Spezies gehört die schwedische Band Agusa, die bislang zwei Studio-Alben und einen Konzertmitschnitt vorgelegt hat. Die vierte CD trägt nur den Namen der Gruppe und ist ihr bislang bestes Opus. Das liegt an drei Faktoren: Zum einen natürlich an den Tracks, die alle von der Band kommen und die geschickt die Balance zwischen Esoterik und Rock halten. Zum zweiten fanden Keyboarder Jonas Berge, Flötistin Jenny Puerta, Gitarrist Mikael Ödesjö, Bassist Tobias Petterson und Schlagzeuger  Tim Wallander genau den richtigen Mix aus ruhigeren und rockigen Passagen. Und schließlich hielten sie die Spielzeit der Tracks so, dass keiner ausufert, sondern der Spannungsbogen immer aufrecht erhalten bleibt. Bei dieser Musik ist es keine Überraschung, dass die Titel im Konzert nie so bleiben, wie sie auf der Platte gespielt wurden. Zu der Musik gehören Improvisationen dazu wie das Brot zum Leben. Dies ist eine Formation, die den Symphonic Rock verkörpert. mvr

 
Laser´s Edge 10802-8 / Alive
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