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Emil Berliner: Entwicklung der Schallplatte

Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde
Herausgegeben von in Vinyl ·
Tags: 18.02.2016
Wie beim letzten Mal beschrieben, gelang Emil Berliner 1887 der entscheidende Schritt zur Schallplatte, oder besser zur Möglichkeit der massenhaften Erstellung eines Tonträgers: Er beschichtete eine Glasplatte mit Ruß und ließ eine Stahlnadel die mechanischen Schwingungen schneckenförmig in den Ruß einritzen.
Diesen Ruß erhärtete er chemisch und besaß dadurch ein Zink-Positiv, von dem er beliebig viele Negative abziehen konnte. Seine entscheidende Neuerung war die, dass er im Gegensatz zu Edison die Signale nicht vertikal, durch die Auf- und Ab-Bewegung des Schneidstichels auslas, sondern horizontal. Er erhielt am 4. Mai 1887 das US-Patent 372,786, übrigens fast zeitgleich mit dem Phonographen von Edison selbst. Da Berliner weniger ein Erfinder als ein Geschäftsmann war, sah er natürlich die Möglichkeiten, die er durch seine Erfindung gewonnen hatte.
Nachdem er als erste Schallplatte nach seiner Art am 25.Oktober 1887 eine Zinkplatte vorgestellt hatte, suchte er nach dem geeigneten Material, um die Negative herzustellen. Versuche mit Zelluloid schlugen fehl, so dass er auf Hartgummi verfiel. 1889 hielt er seine Erfindung für so ausgereift, dass die Massenfertigung beginnen konnte, doch in den USA fand sich kein Investor, der bereit gewesen wäre, seine Erfindung zu übernehmen.
Also ging er in sein Geburtsland, Deutschland, zurück, wo er seine Erfindung am 26. November 1889 den staunenden Mitgliedern der Elektrotechnischen Gesellschaft in Berlin präsentierte, die ihn sofort als Mitglied aufnahmen. Dadurch motiviert, beschloss er, das Projekt selbst in die Hand zu nehmen und ließ im Juli 1890 die Spielwarenfabrik Kämmer & Reinhardt in Waltershausen (Thüringen) einfach Grammophone mit Handkurbelantrieb anfertigen und eine sprechende Puppe mit einem Miniatur-Grammophon im Bauch. Die dazu passenden Schallplatten stellten gleich zwei Firmen her: Die Rheinische Gummi-und Celluloidfabrik (später als Schildkröt berühmt geworden) und die Grammophon-Fabrik Kämmer & Co. (abgekürzt G-F-K-C). Gepresst wurden Gummi-, Zelluloid- und Zink-Platten, wobei letztere als die haltbarsten teurer waren.
Zuerst waren die Platten so schlecht zu hören, dass beim Verkauf Zettel mit dem Inhalt mitgeliefert wurden. 1889/90 wurden in Deutschland 25.000 Platten produziert, von denen es nur noch ganz wenige gibt. Von der Sprechpuppe gibt es sogar nur noch ein Exemplar, das im Heimatmuseum von Waltershausen zu besichtigen ist. Aufgrund der unbefriedigenden Qualität war das Geschäft jedoch nicht so gut, wie Berliner sich das erhofft hatte und so kehrte er in die USA zurück, Dort gründete er am 23. April 1889 die American Gamophone Co, die aber kurz danach pleite ging.
Folglich versuchte sich Berliner in den nächsten Jahren daran, sein System und das Grammophon zu verbessern. Erst 1895 gelang es ihm, eine Gruppe von Investoren in Philadelphia für seine Erfindung zu begeistern, die dann die Berliner Gramophone Company gründeten, an der Berliner selbst jedoch nur einen kleinen Anteil besaß. Parrallel dazu bestand die Berliner gehörende United States Garmophone Co., die die Rechte an allen Patenten Berliners besaß. In Baltimore wurde eine Fabrik und ein Verkaufsraum gebaut und die industrielle Fertigung von Geräten und Schallplatten began, wobei die Größe der Platten auf 10 Zoll (= 25, 4 cm) festgelegt wurde.
1894 änderte man das Normalmaß auf 17,5 cm (= 6,9 Inch). Vor allem aber erhielt Berliner 1895 nach langen juristischen Verfahren (natürlich gegen Edison) tatsächlich das Patent für sein Horizontalschrift-Aufnahmeverfahren. Doch um wirklich industriell tauglich zu werden, musste noch ein weiterer Schritt folgen. Davon mehr das nächste Mal.





1 Kommentar
Durchschnittliche Bewertung: 115.0/5
2016-03-09 16:23:31
Richtig, dem deutsch-amerikaner Emil Berliner ist es zu verdanken, dass auch 129 Jahre später die Schallplatte immer noch nicht "out" ist, sondern im Gegenteil gerade wieder einen Aufschwung erlebt.

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