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Labelkunde Vinyl im Oldie-Markt-Magazin

Labelkunde - Artikel aus den Oldie-Markt-Magazinen
Ausgabe
Labelkunde im Oldiemarkt
12-2017
Das Veep-Label begann sein Leben als eine Firma des Produzenten und Songschreibers Don Costa.
Man könnte durchaus die Meinung vertreten, dass es doch naheliegen würde, dass erfolgreiche Musiker ihr eigenes Label gründen würden, weil sie doch wissen sollten, was erfolgreich ist und was nicht. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Was man dabei zunächst außer Acht lässt ist, dass eine Plattenfirma mit Musik nur teilweise zu tun hat. Das Gros der Arbeit betrifft Bürokratie, Werbung und Buchhaltung - nicht unbedingt etwas für Musiker. Und doch gab es bereits vor der Moderne Musiker, die das Risiko nicht scheuten. Einer von ihnen war der Arrangeur, Songschreiber, Musiker und Produzent Don Costa, der, nachdem er sich in der Industrie etabliert und bei ABC Paramount bereits die Position des A&R Managers und Produzent ausgefüllt hatte, sich entschloss,
ein eigenes Label zu gründen. Das tat er denn auch mit DCP International 1964, nachdem er ABC Paramount verlassen hatte. Sein Ansatz war, Musiker, die bereits erfolgreich gewesen waren, aber inzwischen nicht mehr in den Charts auftauchten, zu engagieren und mit ihnen einen neuen Ansatz zu versuchen. Das gelang ihm geradezu sensationell mit Little Anthony & The Imperials, die nach ihren ersten Triumphen kein Land mehr gesehen hatten. Damit feierte er Hits wie Going Out Of My Head. Zudem kamen dort auch Künstler wie Jimmy McGriff, Jackie Edwards und Jimmy Cliff unter. Diese Erfolge überzeugten United Artists derart, dass sie Costa das Label 1966 abkauften und es in Veep umbenannten. Hauptsächlich geschah das, um Little Anthony & The Imperials zu verpflichten, die sich dann in Anthony & The Imperials umtauften. Doch ohne Costa, der zuvor natürlich auch seine eigenen Alben auf seiner Firma veröffentlicht hatte, fehlten die Künstler, die neben Anthony & The Imperials echte Hits feiern konnten. Deswegen erschien die letzte LP 1968 und das war es dann mit Veep. Das auffällige Labeldesign wurde vor allem von der ungewöhnlichen Form - einem Achteck - dominiert, der Name des Label stand auf der ersten Form in der Mitte über dem Loch. Die Farben waren gelb oder orange. 1966 änderte sich dann das Design. Der Name der Firma wurde auf die linke Seite gerückt und etwas verkleinert und das Achteck machte einem normalen, runden Label Platz. Die Farben blieben jedoch gleich. Die Geschichte von Veep zeigt, dass ohne den Gründer der Gesellschaft der Impetus fehlte, ein wirklich erfolgreiches Label aufzubauen. Denn neben den bereits genannten Künstlern diente das kleine Sublabel am Ende vor allem dazu, Chorplatten zu veröffentlichen, die natürlich ein sehr geringes kommerzielles Potenzial hatten. Während Don Costa als Arrangeur und Dirigent von Frank Sinatra und anderen sehr gut im Geschäft blieb, endete die Geschichte des von ihm gegründeten Labels relativ unauffällig. Doch gerade die Singles und LPs von (Little) Anthony & The Imperials finden noch ihren Preis.


10-2017
        
Vault begann als Jazz-Label, wurde jedoch berühmt als Firma für Surfmusik und später Psychedelic.
Die Wege zur eigenen Plattenfirma sind des öfteren verschlungen, aber relativ häufig auch geradlinig wie im Fall von Vault aud Los Angeles. Die Gründer, Jack Lewerke und Ralph Kaffel hatten nämlich bereits eine lange Karriere im Musikgeschäft hinter sich. Lewerke hatte bereits 1946 mit Record Shack einen auf Jazz und Blues spezialisierten Plattenladen an einer der Hauptschlagadern von Los Angeles, dem Wilshire Boulevard, gegründet. Damit war er aber nicht ausgelastet und so gründete er daneben noch das Clef Magazine, das sich mit Jazz beschäftigte. Das wiederum beeindruckte Lester Koenig von Goodtime Jazz und Contemporary so, dass er ihn als A&R Manager anheuerte. Zudem gründeten die beiden gemeinsam die Vertriebsfirma California Record Distributors. Dort begann Ralph Kaffel 1953 im Warenlager der Gesellschaft zu arbeiten. 1957 kauften dann Lewerke und Kaffel Koenig aus. Zudem gehörte Lewerke in den 60er Jahren noch Merit Distributors und er besaß Anteile an der  Schallplattengeschäfts-Kette Sam´s Jazz Shops mit vier Filialen in Los Angeles. Und weil Lewerke offensichtlich noch nicht genügend Arbeit hatte, wurde er auch als Produzent für Atlantic tätig. In dieser Funktion kooperierte er einige Male übrigens mit Phil selbst eine Plattenfirma zu gründen und so riefen Lewerke und Kaffel 1963 Vault ins Leben. Da er ja bereits für Atlantic gearbeitet hatte, arrangierte Lewerke einen Vertriebsdeal für seine Firma mit ATCO. Die ursprüngliche Absicht war es, Jazzplatten zu produzieren, aber als Inhaber verschiedener Schallplattengeschäfte wurde ihm täglich unter die Nase gerieben, was sich wie geschnitten Brot verkaufte: Surfmusik. Also nahm er eine der frühesten Surfbands, die Challengers, unter Vertrag und deren Schlagzeuger, Tom Delvy, wurde einer seiner ersten Produzenten, der wiederum Surf-Fans wie Gary Usher ins Spiel brachte. So waren Lewerke & Kaffel dort echte Pioniere.Allerdings verkauften sich etliche Singles zwar in Kalifornien, nicht aber auf nationaler Ebene. Um den Jazz ins Spiel zu bringen, brachten die beiden einige Alben von Jack Wilson auf den Markt.. Als dann Sonny & Cher 1965 mit I Got You Babe einen Smash-Hit feierten, veröffentlichte Lewerke die 7“, die sie für ihn als Cesar & Cleo aufgenommen hatten, mit ihrem neuen Namen heraus und feierte den ersten nationalen Hit (# 75). Damals wurde Vault von Autumn vertrieben und als die Firma pleite ging, übernahm man ihr Material, weil sie Lewerke & Kaffel noch Geld schuldete. Da dem Label jedoch nie der große Hit gelang, verkaufte man es 1969. Die beiden Label waren zuerst in blassem Blau mit dem Label-Design gehalten, nur die Reissue von Sonny & Cher kam schlicht in Mint-Grün.
        
        
        
        




06-2017
        
Keen wurde 1957 von den Brüdern Siamas in Los Angeles gegründet und existierte bis 1961.
        
Es ist eigentlich ganz egal, in welchem Geschäftsgebiet man erfolgreich ist - ist man es in einem, schafft man es auch in einem anderen. Das zumindest glaubten 1957 die beiden Brüder John und Alex Siamas in Los Angeles. John war äußerst erfolgreich im Geschäft mit dem Weltall als Chef der Randall Engineering Co. in Culver City, Kalifornien. Da er ein Musikfan war, gründete er 1957 das Label Keen, das Alex leiten sollte. Kaum im Geschäft hatte die kleine Firma ein riesiges Glück: Sam Cooke, bis dahin als Leadsänger der Soul Stirrers in der Gospelbranche auf Speciality Records, wollte sich verändern und Soul singen. Mit dem Produzenten Robert „Mumps“ Blackwell nahm er seine ersten weltlichen Sings auf. Als Art Rupe, der Chef von Specialty das hörte, feuerte er Blackwell umgehend. Der wusste allerdings, was er da hatte und ging mit den Bändern zu dem neu gegeründeten Keen Label, weil er wohl den A&R-Chef der Firma, Bob Kuhn/Keane kannte, der früher in Big Bands Saxofon gespielt hatte. So startete die neue Gesellschaft mit einem Monster-Hit, denn die Single You Send Me / Summertime verkaufte 1,7 Millionen Stück.  Kuhn/Keane schied kurz darauf aus oder besser, wurde entlassen, was ihm nicht gefiel. Also ging er vor Gericht wegen des Bruchs des mündlich abgeschlossenen Vetrags. Er verlor, gründete aber unmittelbar danach Del-Fi Records, das dann Erfolge mit Ritchie Valens feierte und eine der wichtigsten Firmen für die Surfmusik wurde. So war er auch nicht auf dem Bild, das am 23. Dezember 1957 in der Bibel der Sparte, Billboard, veröffentlicht wurde. Dort begrüßte die neue Firma Cooke, Blackwell, The Valiants, Johnny Guitar Watson, The Debs und noch etliche andere Künstlerinnen und Künstler.  Ironischerweise erschien noch 1957 auch eine LP des Bob Keane Septetts auf dem Keen-Sublabel Andex. Zusätzlich engagierten die Siamas-Brüder noch junge Produzenten und Musiker wie Lou Adler, Herb Alpert oder Fred Smith, die später alle Erfolge im Plattengeschäft feierten. 1961 zogen sich die beiden aus dem Geschäft mit der Musik zurück, weil sie relativ schnell die negativen Seiten des Geschäfts kennengelernt hatten. So mussten sie das erste Label, das schlicht mit silbernen Buchstaben auf schwarzer Grundlage gehalten war ändern, weil es zu leicht nachzumachen war und illegale Pressungen hergestellt wurden. So kam das zweite Label zum Einsatz, das vor allem von vertikalen farbigen Streifen geprägt wurde. Das Labeldesign wurde von Großbuchstaben in grauen Ringen beherrscht. Die Angaben waren wie auf dem Label vorher angebracht. Blackwell kaufte den Brüdern das ganze Material der Firma ab, um es auf seinem eigenen Famous Label wieder zu veröffentlichen. Fraglos hatten die beiden Brüder großen Erfolg, aber die Geschäftspraktiken der Musikindustrie stießen sie ab.
        



04-2017
        
Kent wurde 1958 als Sublabel von Modern gegründet und blieb bis 1973 aktiv.
 Die Geschichte des Rhythm&Blues in den USA kann man nicht ohne das Modern Label schreiben, das von den beiden Brüder Saul und Jules Bihari 1945 in Los Angeles  gegründet wurde. Relativ schnell stellte sich der Erfolg ein, zuerst mit Hadda Brooks, später mit Pee Wee Crayton, der den ersten Nr.-1-Erfolg 1948 mit Blues After Hours feierte. Trotz ihrer etwas problematischen Zahlungsmoral wurde die Firma der Brüder (Lester war auch noch als Buchhalter tätig) derart erfolgreich, dass man schnell Sublabel ins Leben rief, um zum einen Stuern zu sparen aber auch, um andere Musikstile aufzunehmen. 1958 wurde Kent gegründet, das die beiden Brüder von vorneherein als auf Singles spezialisierte Firma einführten, weswegen dort Singles vieler Künstler, die eigentlich bei Modern unter Vertrag standen, erschienen. Genannt seien hier nur  Z.Z. Hill, B.B. King, John Lee Hooker, Elmore James oder Ike & Tina Turner. Kent feierte deswegen relativ schnell große Erfolge und existierte deswegen weiter, als das Mutterlabel 1965 in Insolvenz ging. Das ursprünglich als Single-Label gedachte Unternehmen erlebte einen starken Aufwind, weil dort  jetzt auch Alben mit dem alten Material von Modern herauskamen. Vorherrschendes Motiv war, dass die Alben deutlich besser ausgestattet wurden als die Originale auf Modern, um einen zusätzlichen Kaufanreiz zu erzielen. Tatsächlich liefen die Geschäfte so gut, dass man bis 1973 weitermachen konnte, ehe auch hier das Ende aus ökonomischen Gründen erfolgen musste. Prinzipiell sind drei Label der Firma bekannt: Das erste war in schmuckloser grauer Farbe gehalten. Doch das zweite war erheblich besser gestaltet, sowohl vom Design wie von der Farbgestaltung her: Es besaß auf der linken Seite einen in orange gehaltenen Halbkreis, der rechts in einem schmalen Streifen endete und so Platz ließ für den ebenfalls in orange gehaltenen Schriftzug der Firma. Der Titel, der Künstler/Gruppe und die Songschreiber sowie die rechtlichen Anmgaben tauchten ober- und unterhalb des Plattenlochs auf. Noch interessanter war die dritte Form der Label von Kent gehalten: Diesmal war es  farblich in geometrische Formen aufgeteilt worden, die die Spektren von braun bis purpurrot abdeckten. Dazu hatte der Name des Labels den Zusatz The Original Blues Label in lateinischer Schreibschrift erhalten, während Kent selbst in einen Kasten gepackt worden war. Die sonstigen Angaben waren wie auf dem Label vorher angebracht. Das Ende der Firma 1973 sorgte dafür, dass sowohl die LPs als auch die Singles einen akzeptablen Sammlerwert erhalten haben, obwohl die Singles ohne Bildhüllen erschienen.  Die Bihari-Brüder starben 1975 (Saul) und 1984 (Julius).



02-2017
Das Palladium-Label wurde von Edward „Punch“ Andrews gegründet, dem Manager von Bob Seger.
Es gibt viele verschiedene Absichten, die man mit der Gründung einer Plattenfirma haben kann. Im Fall von Palladium stand das Betreiben von Eward „Punch“ Andrews dahinter, seinen Klienten, beispielsweise Bob Seger, eine Möglichkeit zu bieten, ihre Produktionen auf den Markt zu bringen, sofern das bei keiner anderen Firma möglich war. Das zweite Ziel war es, talentierte Künstler zu finden und sie auf dem Label unterzubringen. So ganz klappte das zunächst nicht. Das 1968 ins Leben gerufene Label hatte zuerst vor allem damit zu tun, Singles von Bob Seger auf den Markt zu bringen. Doch nach und nach baute man sich etwas auf, beispielsweise kamen auf Palladium Brownsville Station unter. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass es hauptsächlich Bob Seger war, der das Label am Leben erhielt, da seine Singles oft genug in Detroit ein Hit waren, wenn schon nirgends sonst. Den größten Erfolg hatte die kleine Firma denn auch, als Seger seine frühen LPs Smokin´O.P. s, Back In 72 und Seven bei der Firma veröffentlichte. Wobei das letztere Album 1974 bereits zu einem Zeitpunkt erschien, als Reprise Palladium aufgekauft hatte. Kurz danach war es dann nicht mehr nötig, Palladium noch am Leben zu erhalten, weil Seger Reprise hinter sich gelassen hatte und bei Capitol untergekommen war. Da auch Brownsville Station woanders Erfolge feierte (auf Big Tree) gab es für die Firma keine Existenzberechtigung mehr und sie wurde eingestellt. Die Single-Label kamen zuerst mit einem dunklen Blau und dem grafisch interessant gehaltenen Schriftzug des Labels. Das zweite Design veränderte den Schriftzug komplett und kam jetzt auf Purpurrot. Die dritte Gestaltung schließlich besaß ein farblich in gelblichen Tönen gehaltenes Bild, das von Wolken durchzogen wurde und das individuellste der drei Abarten war. Für Sammler hat Palladium aufgrund der frühen Singles von Bob Seger einen Wert, aber auch deswegen, weil dort Mitglieder der Detroiter Szene der 60er Jahre ihre Aufnahmen veröffentlichten, die man teilweise nur auf Palladium findet. LPs erschienen darauf nur von Bob Seger. Dessen Erfolg sorgte für das Ende des Ganzen, was drei höchst unterschiedliche Gestaltungen der Label zurückließ und eine mindestens in Detroit legendäre Firma, die vor allem aufgrund des späteren Erfolgs von Bob Sege zur Legende wurde. Ein gutes Beispiel einer lokalen Firma.






12-2016
        
Das Mala-Label wurde als Sublabel von Bell gegründet und war einige Zeit fast erfolgreicher als seine Mutterfirma.
Praktisch alle erfolgreichen Plattenfirmen haben im Lauf ihrer Existenz Sublabel gegründet, um entweder einen anderen Stil als den, der auf der ursprünglichen Firma vertreten war, zu bringen oder um Künstler, die man zunächst testen wollte, auf den Markt zu bringen. Das bereits relativ erfolgreiche Bell-Label machte diesen Schritt 1959, als der Präsident der Firma, Al Massler, die Anfangsbuchstaben seines Namens für ein Sublabel nahm: Mala war geboren. Zuerst brachten darauf Künstler Singles heraus, die meistens Eintagsfliegen waren oder später mit einer ganz anderen Musik Erfolg hatten wie etwa David Gates, der Ende der 60er Jahre mit Bread abräumte oder Roger Dean Taylor, der zehn Jahre später einen massiven Hit auf dem Sublabel von Motown, Mowest feierte. Als Ende 1963 Big Top bankrott ging, übernahm Mala etliche seiner Künstler wie Don & Juan, Johnny & The Hurricanes oder The Royaltones. Nur Del Shannon gründete sein eigenes Label und ging danach zu Amy. Ab 1964 stellten sich dann die ersten Erfolge ein: Zuerst landeten Ronny & The Daytonas einen der größten Instrumentalhits mit G.T.O. - Ronny feierte später als John Buck Wilkin Erfolge als Singer/Songwriter - dann kamen Künstler wie Chip Taylor dort unter, bevor er Wild Thing schrieb. Jimmy Clanton kam ebenfalls dazu, konnte aber seine Erfolg der 50er nicht wiederholen. Der nächste Hit war (My Girl) Sloopy von Little Caesar & The Consuls. Erst 1967 feierte Mala endlich einen längerfristigen Erfolg mit The Boxtops, die mit The Letter die erste Nr. 1 für die Firma erreichten. Bis 1970 feierte die Band um Alex Chilton noch zehn weitere Hits. Gerade weil  die Band so erfolgreich war, erschienen ihre Alben auf Bell. Von da an kamen auch Künstler wie Reparata & The Delrons, Gene Simmons, Chad Allen, Frankie Vaughan, Billy Fury und Spooky Tooth zu Mala. 1969 erschien mit Turn On A Dream von den Box Tops die letzte Single auf der Firma. Es gibt zwei verschiedene Labeldesigns. Das erste kam mit einer tiefroten Farbe, auf der der Labelname oben angebracht wurde, während die restlichen Daten wie üblich links und rechts sowie unterhalb des Lochs platziert wurden. Die zweite Version präsentierte auf hellblauer Grundfarbe über dem Namen der Firma die Mutter, die in Silber aufgeführt wurde. Aufgrund der vielen später berühmten Musiker besitzt Mala durchaus einen guten Status bei Sammlern. Alleine die frühen Singles beispielsweise von David Gates bringen heute 50-60 Euro und die vielen Singles, die von ehemaligen und zukünftigen Stars veröffentlicht wurden, sind auch nicht gerade billig. Deswegen ist Mala ein Label, das auch in Zukunft seinen Status in der Sammlerszene behalten wird.
        



08-2016
 Das Yew-Label aus New York war zwei Jahre lang im Soul tätig.
 
Ob eine Firma Erfolg hat oder nicht, hängt meistens davon ab, ob nach einem ersten Durchbruch weitere folgen. Ist das nicht der Fall, wird gerade bei kleinen Firmen die Finanzierung ein Problem und das Ende rückt näher. So ging es mit dem Yew Label aus New York, das 1969 gegründet wurde und sich auf Soul spezialisierte. Der Anfang schien große Versprechungen für die Zukunft zu beinhalten, denn schon die zweite Single wurde ein Hit. Sie kam von den Intrigues aus Philadelphia, die dort Anfang 1969 die Single In A Moment auf dem kleinen Bullet-Label untergebracht hatten. Das war lokal bereits ein größerer Erfolg. Aber um mehr zu reißen, musste eine größere Firma ran und dafür war Yew  (was auf gut deutsch Eibe bedeutet) genau der richtige Partner: Ambitioniert und in der Lage, die Intrigues in die nationalen Charts zu bringen. Tatsächlich schaffte es die Single 1969 auf einen 31. Platz, was einen  nicht zu unterschätzenden Erfolg bedeutete. Das sollte aber nur der erste Schritt sein. Es folgten 1970 I´m Gonna Love You und The Language Of Love, die aber beide gerade einmal knapp in die Hot 100 eindrangen, obwohl die zweite Single der junge Van McCoy produziert hatte. Damit war das Ende der Firma abzusehen, die sich zwar um neue Künstler bemühte und weitere 7 Inches von Phyllis Smith, The Radars, Onyx oder Tommy McCook & The Supersonics auf den Markt brachte. Aber als keine von ihnen auch nur ein bisschen erfolgreich war, schlugen die Gesetze der Branche zu: Yew musste seine Pforten schließen, bekam aber ein zweites Leben: Im 21. Jahrhundert wurde nicht nur 2011 die Single von Tommy McCook & The Supersonics  erneut auf den Markt gebracht, sondern Marcia Basset bringt unter dem Namen Znaimph ihre elektronische Musik dort unter die Leute. Yew hatte zwei Singles-Label: Das erste war in blau oder orange und eher schlicht gehalten. Doch das zweite besaß den Namen des Labels mit Buchstaben, die aus Holz zu sein schienen und genauso wie die untere Hälfte in Grün gehalten war. Fans des Northern Soul bieten bis heute 80-100 Euro pro Single, so dass das Label auch dort nicht vergessen wurde.





06-2016
 
Cub war ein Sublabel von MGM, das den Rhythm&Blues Markt abdecken sollte.
 

Jedes Label hat seine eigene Identität. Da Künstler unter Vertrag zu nehmen, die nicht zu dieser Identität passen, wäre wenig sinnvoll. Auf der anderen Seite aber wäre es auch unklug, relativ sichere Umsatzbringer nur deswegen außen vor zu lassen, weil sie der Politik der Firma nicht entsprechen. Was also ist die Antwort? Ein Sublabel zu gründen, das diese Richtung beackert. Genau das machte das Medienunternehmen Loews Incorporated im März 1958, als man im Auftrag von MGM in New York das Orbit-Label gründete, um den stetig wachsenden Rhythm&Blues-Markt abgrasen zu können. Da sich jedoch schnell herausstellte, dass es in den USA bereits drei Firmen mit dem Namen Orbit gab, benannte man die junge Firma am 31.März 1958 in Cub um. Die ersten Singles kamen von solchen Künstlern wie den Wanderers und den Impalas, die mit Sorry im Frühjahr 1959 den zweiten Platz in den amerikanischen Hitparaden feierten. Der erfolgreichste Künstler für das Label, das bis 1960 auf dem Label die Inschrift Loews Incorporated trug, war aber Jimmy Jones, der mit Handy Man einen Welterfolg erzielte und bis 1961 viermal in die Hitparaden der USA kam. Doch  das war nicht der hauptsächliche Job  des Labels. Tatsächlich diente es MGM vor allem dazu, zum einen Talente auf ihre Markt-Tauglichkeit hin zu untersuchen – so tauchten dort Künstler wie Johnny Rivers, Al Martino oder Wilson Pickett zu Beginn ihrer jeweiligen Karrieren auf. Und zum zweiten kamen dort viele englische Stars unter, die in den USA nicht den großen Durchbruch schafften wie Russ Conway oder Adam Faith. 1963 war erst einmal Schicht im Schacht, ehe man 1967 weitermachte – mit einem neuen Label. Das erste war farblich dreigeteilt: Oben schwarz, in der Mitte weiß und unten rot. Im U des Labelnamen war der Löwenkopf von MGM zu finden. Das zweite hatte Ocker als Grundfarbe, der komplett neu gestaltete Labelname war auf einem hellen Violett-Ton genauso wie der Löwenkopf unten in der Mitte. Da der Erfolg weiterhin ausblieb, wurde der Betrieb 1968 nach 141 Singles und 9 Alben eingestellt. Übrig blieb eine sehr reichhaltige Sammlung von Vokalgruppen und etliche wertvolle Singles, weswegen es auch eine CD-Kompilation der Firma gibt. Für Sammler sind die R&B-Singles interessant.
 



02-2016
         

  
Das Carnival-Label des   Saxofonisten Joe Evans veröffentlichte 20 Jahre vor allem R&B und Soul.
  
Wenn man einmal im Musikgeschäft gelandet ist, wäre   man dumm, wenn man sich nur auf sein ureigenstes Talent verlassen würde. Die   Geschichte der Popmusik ist voll von Beispielen, bei denen Frauen und Männer   neben ihren ursprünglichen Tätigkeiten in ganz anderen Bereichen der   Musikindustrie ihre wahren Begabungen erkannten. So ähnlich war es auch mit   dem Saxofonisten Joe Evans, der als Mitglied der Tourband von Motown die Manhattans sah und sie so gut fand, dass er 1962 sein eigenes   Label gründete, Carnival.   Tatsächlich hatte er die richtige Nase gehabt. Schon die erste Single For The Very First Time wurde ein   lokaler Hit in New York und im Herbst 1965 landete das Quartett, das sich in   Jersey City in New Jersey an der Highschool kennen gelernt hatte ihren ersten   R&B-Hit, I Wanna Be (Your Everything). Neben dem Vokalquintett gab es   etliche Künstler, die in England legendär wurden wie Phil Terrell, der erste   Leadsänger der Band, aus der später Kool   & The Gang entstanden oder Wilbur Bascomb   & The Zodiac. Dank der ausgezeichneten Nase von Evans für neue   Talente erzielten die Singles von Carnival   immer wieder kleinere Erfolge. Da Evans zudem eine sehr sparsame   Labelpolitik durchzog – über die 20 Jahre veröffentlichte er nur 69 Singles   und 3  Alben – konnte er sich am Markt halten. In den   knapp 20 Jahren, in denen er die Firma führte – anfangs war noch Jack Rags   als Partner dabei – behielt er den Focus immer auf der Musik zwischen Soul,   Jazz und später dem Funk, die er selbst spielte. Er wusste, was guter Soul   war und er konnte etliche Künstler verpflichten, weil er ihre Qualität vor   den großen Labels erkannte. Das erste Label war relativ spartanisch gehalten   und brachte auf hellroter Farbe die Angaben in schwarz. Das zweite setzte den   in lateinisch geschriebenen Namen der Firma über dem Rest, der erneut in schwarz   auf rot gehalten war. Das dritte Label war das aufwändigste und brachte eine   Comicfigur mit Schirm auf weiß mit dem roten Label-Namen. Der Rest war wie zuvor. Etliche Singles der Firma waren sehr begehrt in Northern Soul-Kreisen. Deswegen erschien auch ein CD-Sampler mit dem Material.





02-2016
         
All Platinum war die   erfolgreichste Gründung von Sylvia und Joe Robinson.
  

Wenn man einmal mit der populären Musik in Berührung   gekommen ist, bleibt man von ihr infiziert. Sylvia Vanderpoole (1936-2011)   hatte bereits als Teenager mit dem renommierten Gitarristen Mickey Baker 1957   als Mickey & Sylvia den Hit Love Is Strange gefeiert, der in den   USA auf Platz 13 kam. Die beiden hatten sich kennen gelernt, als Baker der   19-jährigen Gitarrenunterricht gab. Bis 1965 blieb man zusammen und feierte   noch einige kleinere Hits. Danach heiratete Sylvia Vanderpoole den   Nachtclub-Besitzer Joe Robinson und zusammen gründeten sie 1967 das Label Platinum, das sie 1969 wegen der   Kollison mit einer Firma in Miami in All   Platinum umbenannten. Von Anfang an spezialisierte man sich auf den R&B- und Soul-Markt. Erste Hits feierte man mit den Moments, die 10 Jahre bei der Firma   blieben, auf dem Sublabel Stang. Sylvia   Robinson, die der kreative Kopf der Firma war, landete 1973 einen   Millionenseller Pillow  Talk, Shirley & Company folgten mit Shame, Shame, Shame, dazu kamen Donnie Elbert mit Where Did Our Love Go und etliche   mehr. Deswegen war man so erfolgreich,
  
dass man 1975 die Rechte am legendären Blues- und   Rock´n´Roll-Label Chess kaufen   konnte. Doch das entpuppte sich als Fehlinvestition, weil die Robinsons nicht   in der Lage waren, ständig neue Chess-Produkte   auf den Markt zu bringen. 1979 eröffnete das Ehepaar das Sugar Hill-Label, das dank der Nase von Sylvia für die neue   Hip-Hop- und Rap-Szene große Erfolge in den 80er Jahren feierte. Deswegen   wurde All Platinum 1982   eingestellt. Die drei Label der Firma unterschieden sich farblich und vom   Design her deutlich voneinander. Das erste war in einem hellen Gelb gehalten,   der Name  des Labels und alles andere   war in schwarz gehalten. Das zweite Label kam mit violetter Grundfarbe daher   und die Schrift war silbern. Das dritte Label schließlich wartete mit einem   sehr eleganten Label-Schriftzug auf, die Grundfarbe war ein helles Blau. Auffallend war  die Linie zwischen dem Label-Namen und dem Rest.





12-2015
Das Alston-Label feierte mehr   als ein Jahrzehnt großer Erfolge im Soul und Funk.
  
Die Popmusik hat wie viele andere Bereiche der   Gesellschaft ihre Trends. In den 60er Jahren war für die schwarze Musik der   Soul angesagt, in den 70ern der Funk. Um den Soulboom auszunützen, gründeten   Steve Alaimo und Henry Stone in Miami 1968 das Alston Label. Stone, der einer der einflussreichsten Männer im   Musikgeschäft der Stadt war, setzte von Anfang das Konzept um, und man   feierte schnell Hits mit Künstlern wie Betty Wright, Clarence Reid (der viele   Songs für Künstler des Labels schrieb) und The End Of The Beginning. Der erste Vertriebsdeal wurde mit ATCO/Atlantic abgeschlossen und der   definierte die Bestellnummern, Nach dem ersten, eher spartanischen Labeldesign, das den fett gedruckten   Namen hatte und ansonsten keine weiteren auffälligen Merkmale besaß, war das zweite Design durch den handschriftlichen Namen   der Firma auffällig. Diese Art des Labels gab es auch in Rot. Nach dem   Vertriebswechsel zu TK – einer   weiteren Grüpndung von Henry Stone – Mitte der 70er Jahre kam ein weiteres   Label, das graphisch wesentlich anspruchsvoller gestaltet war: Es wurde von den farbigen Streifen in der Mitte des   Labels definiert, zudem befand sich der neue Vertrieb darauf und die Bestellnummern   änderten sich ebenfalls. Bis zum Ende 1981 gab es dann noch eine dritte   Fassung, die diesmal wieder einfarbig gehalten war, aber wegen des   vorherrschenden Orangetons eine wesentlich optimistischere Ausstrahlung besaß   als noch die vorherigen Formen. Dank des Geschicks von Henry Stone und dem   musikalischen Geschmack von Steve Alaimo war Alston 10 Jahre relativ erfolgreich. Betty Wright blieb während   der gesamten Zeit erfolgreich, erreichte aber durch ihren größten Hit, Cleaning Up Woman, ein neues Level   ihrer Karriere. Bis heute ist sie aktiv geblieben und feiert nach wie vor   einige Erfolge. Doch der entscheidende Mann für den Erfolg der Firma war   definitiv Clarence Reid. Er steuerte nicht nur als Songschreiber Hits bei, sondern betreute sie auch als Produzent. 1981 ging Alston pleite.





10-2015
Das Bandit-Label sorgte von   1969-1981 für Chicago Soul der besten Art.
  
Dass die Musikindustrie und das Verbrechen oft genug   Hand in Hand gehen, ist spätestens seit dem Verfahren gegen den Eigentümer von   Roulette Records, Morris Levy,   wegen seiner Kontakte zur Mafia und der Autobiographie von Tommy James, in   der er ausgiebig über die Begegnungen mit Gangstern schrieb, eine Tatsache.   In den 70er Jahren benützte der Gründer und Besitzer von Bandit Records, Arrow Brown, sein Label ebenfalls, um seine   Tätigkeiten im horizontalen Gewerbe zu unterstützen, wobei nie so ganz klar   war, was davon Image oder was tatsächlich geschehen war. Tatsächlich wurde er am 10.9.1923 in Merigold, Mississippi als   jüngstes von 22 Geschwistern geboren. Als sein Vater an einer selbst   ausgeführten Blinddarm-Operation starb, zog die ganze Familie nach Chicago,   wo Arrow in die Fänge der Halbwelt geriet, weil ihn das Leben   dort faszinierte und er außerdem ein Ladies Man war. Im zweiten Weltkrieg   wurde er eingezogen und danach heiratete er. Danach arbeitete er in der   Campbell´s Suppenfabrik, doch auf Dauer war das nichts für ihn. 1953 verließ   er seine Frau für eine andere, die bis zu seinem Tod seine loyale Partnerin   blieb. Um diese Zeit rutschte er langsam ins Musikgeschäft, weil in den 50ern   das Geschäft mit der schwarzen Musik ins Rollen kam. Seit dem Hit von Gene   Chandler, Duke Of Earl, der 600   Dollar gekostet und den beiden Produzenten jeweils 30.000 Dollar eingebracht   hatte war klar, was möglich war. Nachdem er sich beim Chef der Chi-Lites, Marshall Thompson, Rat geholt hatte, legte Arrow Brown   mit seinem Label los. Das Geld dafür bekam er von seiner Familie (das heißt,   Frauen und Teenagern, für die er der gesetzliche Betreuer war). Die erste   Single war 1969 We Have Love von   den Arrows, die Benjamin Wright   arrangiert und Paul Serrano im Studio betreut hatte. Zwar wurde es kein   großer Hit, aber Brown war im Geschäft. Nach einigen Singles mit Sängerinnen   kam Johnny Davis zur Firma, der ihr größter Star wurde, bis er 1973 tot in einem Container unterhalb des Daches eines Lagerhauses gefunden wurde. Im selben Jahr kam die größte Chance des Labels für einen Hit: The Magic Of Your Love hatte Brown mit Larry Johnson geschrieben und die Majestic Arrows brachten das Lied live. Doch daraus ergab sich nichts und 1981 musste Brown schließen, was letztlich zu seinem Tod im August 1990 führte. Die beiden Label waren zuerst dunkelgrün, während das häufigere rot-gelb war mit dem Logo in der oberen Hälfte und den üblichen Angaben im Rest des Labels. Das Beste des Labels wurde in den 90er Jahren von Number Records in den USA wiederveröffentlicht.



08-2015
Das   Minaret-Label aus Valparaiso im US-Staat Florida legte von 1967-1976   bemerkenswerten Soul vor.
  
In der Regel gab es in   den 60er Jahren zwei Ansatzpunkte, um ein eigenes Label zu gründen: Entweder   besaß man einen Schallplattenladen oder ein eigenes Studio. Natürlich war   letzterer Punkt alleine von den Finanzen her günstiger, weil man sich so die   Kosten für die Studioproduktionen sparen konnte. Das Minaret-Label wurde 1962 in Nashville von dem Konzertagenten Herb   Shucher gegründet, der sich auf Country- und Garagebeat-Singles   spezialisierte. Das Ganze zog er mit seinem Partner Finley Duncan auf, der   ihn 1965 auskaufte, um aus dem Label eines zu machen, das sich auf Blues und   Soul aus Nordflorida   konzentrierte, wo Duncan ursprünglich herkam. Vier Jahre lang versuchte er   zwischen Nashville und Valparaiso in Nordflorida hin- und her zu pendeln, ehe   er sich entschloss, dort selbst ein Studio zu bauen, was er   dann 1969 auch mit den Playground   Studios tat. Deswegen kann man 1969 als eigentliche Gründung von Minaret   ansehen, weil Duncan bis 1976 eine Fülle hochinteressanter Aufnahmen   betreute, die sich um seinen Star, Big John Hamilton gruppierten.   Etliche dieser Aufnahmen wurden in den legendären Muscle Shoals Studios in   Alabama eingespielt, aber sobald sich Duncan etabliert hatte, baute er seine   eigene Sessioncrew auf. Sie bestand aus dem Arrangeur und Keyboarder RJ   Benninghoff, dem Rhythmusgitarristen Larry Schell, dem Bassisten Dan Ertel,   dem Schlagzeuger Tony Adivino und dem Leadgitarristen Kent Phillips. Doch   erst als die Brüder John Rainey Adkins an der Gitarre (zuvor in der Band von   Roy Orbison) und der Schlagzeuger und Gitarrist Dan Adkins dazu stießen, war   die Band perfekt, zu der bei Bedarf auch noch Bläser um den ehemaligen Stax-Trompeter Wayne Jackson kommen   konnten. Big John Hamilton gehörte seit 1967 zu der Firma. Er hatte   als junger Erwachsener bereits mit solchen Künstlern wie Hank Ballard oder   Etta James gespielt, ehe er, um seine Familie zu ernähren, in eine Fabrik   ging. Doch als ihm ein Typ namens Leroy Lloyd eine Session in Augusta,   Georgia vorschlug, bei der man einen Plattenvertrag erhalten konnte, sagte er   zu und war der Einzige, der wirklich mit einem Kontrakt mit Minaret nach   Hause ging. Von da an war er der wichtigste Künstler des Labels und nahm weit   bis in die 70er Jahre Singles für die Firma auf. Das große Problem für Minaret war, dass man trotz der unzweifelhaften Qualität der Aufnahmen nie einen wirklich großen Erfolg schaffte, obwohl sich die Platten von Hamilton akzeptabel verkauften. Doch andere Künstler wie Doris Allen – die auch Duette mit Hamilton aufnahm – Genie Brooks, Johnny Dynamite und Willie Cobbs beschickten nichts und das war nicht zu verkraften. Duncan erkrankte dann auch noch an der Parkinsonschen Krankheit und so fiel die Firma und das Studio Ende der 70er Jahre auseinander. Die Label waren zuerst schwarz-gold mit dem Label oben. Dann kam ein sehr aufwändiges Labeldesign auf weißem Untergrund. Es gibt eine Doppel-CD auf Omnivore Records, die das Material des Labels bringt. Die Singles sind aufgrund ihrer großen Qualität rar.



06-2015
Das   New Yorker Calla-Label veröffentlichte von 1965 bis 1977 hauptsächlich   Soulmusik.

Die früheren Berufe der   späteren Gründer eines Plattenlabels waren so vielfältig wie die Musik, die   sie dann auf ihren Firmen veröffentlichten. Trotzdem dürfte die frühere   Karriere des Chefs des Calla-Labels,   Nathan McCalla, herausstechen. Denn er agierte bis 1965 als Leibwächter des   Gründers und Besitzers von Roulette, Morris Levy, dessen Verbindungen   zur Mafia längst notorisch geworden sind. So schrieb beispielsweise Tommy   James in seiner Autobiografie über die Bedrohungen, die er aufgrund seines   Erfolgs bei Roulette erfuhr. Sicher ist, dass McCalla diese engen Bande   aus erster Hand mitbekommen haben dürfte. Dennoch oder gerade deswegen gründete   er 1965 in New York das Calla-Label, auf dem er fast sofort einen   echten Hit landen konnte: J. J. Jackson´s But It´s Alright, das   tatsächlich in London produziert   wurde, wurde nicht nur in den USA ein Hit,   sondern transportierte auch die LP in die entsprechenden Charts. Damit hatte er   einen idealen Start geschafft und das half ihm auch, einen Vertriebsdeal mit Cameo-Parkway   zu ergattern, der seinen Produktionen natürlich half, in den Markt zu   kommen. Erst als Cameo-Parkway pleite ging, entwickelte McCalla seinen   eigenen Vertrieb, was auf der einen Seite natürlich profitabler war, auf der   anderen Seite aber doppelt so aufwändig. Dennoch schaffte er es, auf dem   Markt zu bleiben, zumal er 1969 Jackson noch einmal an Warner Brothers verkaufen   konnte. Immerhin war er lose mit Roulette verbunden, was ihm natürlich   auch hinsichtlich des Vertriebs half. McCalla führte Ende der 60er   Jahre die 5000er Reihe ein, für die er auch ein neues Label entwerfen ließ.   Diese Serie ließ er von Shakat Records vertreiben, die das zweite Single-Label   besaß. Als sich diese Serie dann zu einem Erfolg entwickelte, übernahm Columbia   den Vertrieb. Von 1972-1975 unternahm McCalla offensichtlich andere   Aktivitäten, die ihn davon abhielten, für seine Firma zu arbeiten. Er nahm   sie erst 1976 wieder auf, als er auf den 1230- und 5000er Sublabels eine Hand   voll Alben auf den Markt brachte, die relativ erfolgreich waren. 1977 ging er   dann auf einen längeren Urlaub nach Europa, der wohl etwas mit der Mafia zu   tun hatte, denn nach seiner Rückkehr in die USA 1980 wurde er relativ schnell umgebracht. Die Singles von 1965-1977 besaßen zwei völlig unterschiedliche Label. Das des Hauptlabels war eher einfach zweifarbig gehalten, oben und unten rot, der Rest weiß. Darauf erschienen die meisten Singles. Das des Sublabels, das die 5000er Serie beinhaltete, war dagegen sowohl farblich wie auch von der Anordnung deutlich abwechslungsreicher gestaltet: Oben rot, darunter eine schwarze Schleife und der Rest war in grün gehalten. Das Logo des Labels war ebenfalls grafisch anspruchsvoller gestaltet. Nach dem Ende der Firma 1977 lag das Material erst einmal brach, bis im CD-Zeitalter ein Sampler mit dem Material der Firma erschien. Calla ist aufgrund der teilweise überraschenden Künstler ein interessantes Thema geblieben.



04-2015
Das   Sublabel der Gospel-Plattenfirma Nashboro Records, Nasco, spezialisierte sich   auf R&B, Rock´n´Roll und Rock.

Heutzutage ist   Nashville das Zentrum der Countrymusik und verkauft sich auch so. Aber   tatsächlich war die Stadt in Tennessee zuerst bekannt als Geburtsort des   US-Präsidenten Andrew Jackson, als Hauptstadt des Staates Tennesse und als   Sitz vieler Hochschulen und Universitäten.. Bis ins 20. Jahrhundert hinein   waren das die Trumpfkarten der Stadt, ehe ab den 40er Jahren mehrere Plattenfirmen   dort sesshaft  oder dort gegründet   wurden. Anfangs beschäftigten sie sich neben der Country- vor
allem mit schwarzer   Musik, hauptsächlich dem R&B, aber auch dem Gospel. Der 1892 geborene   Ernest Young besaß Anfang der 50er Jahre den Schallplattenladen Ernie´s   Record Mart und wollte sein Geschäft ausweiten. Deswegen gründete er 1951   Nsshboro Records (seinen Namen erhielt das Label von dem Fort im 18.   Jahrhundert, aus dem dann später Nashville entstand) und richtete im ersten   Stock des Gebäudes, in dem sein Laden war, ein Aufnahmestudio ein. Nashboro   Records blieb bis zu seinem Tod 1977 das führende Gospel-Label in den   USA. Young war zum einen ein cleverer Mann, der von Plattenfirmen, die   pleite gegangen waren, neue Künstler übernahm   und zudem auf Qualität achtete. Zudem stellte er schon 1952 ein zweites Label   auf die Beine, Excello Records, das sich speziell auf Blues und   R&B spezialisieren sollte. Damit hatte er ebenfalls große Erfolge. Und   schließlich rief er 1957 Nasco Records   ins Leben, das den Rock´n´Roll und auch den R&B beackern sollte.   Damit hatte er ebenfalls fast sofort Erfolg: Die Crescendos aus   Nashville landeten mit Julie einen   nationalen Hit, doch danach kam nicht mehr viel. Tatsächlich waren die   wenigen Alben, die man hauptsächlich Anfang der 70er Jahre auf den Markt brachte, deutlich legendärer, aber nicht erfolgreicher. Auf Nasco erschienen die Alben von Whalefeather (2), Westfauster und Felt, die alle in Sammlerkreisen legendär sind. Das erste Label von Nasco war in einem hellen Rot-Ton gehalten und besaß bereits das charakteristische Design der Firma, den Namen, der von zwei Linien durchzogen wird. Die Angaben stehen wie üblich links und rechts sowie unterhalb des Lochs. Nur einige Nummern nach dem ersten Design folgte schon das zweite, das diesmal in Goldfarbe gehalten war, von der Gestaltung jedoch gleich blieb. Nasco blieb bis in die 70er Jahre aktiv. Nashboro  wurde nach dem Tod von Young 1992 an AVI Entertainment verkauft und ging 2000 an MCA, wovon es kurz darauf an Hip-O weiter wanderte.

02-2015
Zodiac gehörte zu den Labeln, die der Unternehmer Ric Williams im Chicago der 60er Jahre ins Leben gerufen hatte.

Über dem Erfolg von Tamla Motown wird oft übersehen, dass im Chicago der 60er Jahre eine ebenso lebhafte Szene der schwarzen Musik existierte, die weit über den Blues hinausging, der die Stadt am Michigan-See eigentlich berühmt gemacht hatte, erwähnt sei nur das Chess-Label. Tatsächlich feierte man erst in den 70er Jahren internationale Erfolge, als kurz der Begriff Chi-Sound aufkam und beispielsweise die Chi-Lites international erfolgreich waren. Doch bereits in den 60er Jahren konnten Label aus der sogenannten Windy City (ein Begriff, der nicht etwa vom Wetter her kommt, sondern von der Tatsache abgeleitet wurde, dass dort viele politische Kampagnen gestartet wurden, die am Anfang nun einmal Wind machen müssen) punkten - und zwar nicht nur in den R&B-Charts, sondern sogar national. So schaffte etwa Ruby Andrews auf dem Zodiac-Label mit Casanova (Your Playing Time Is Over) einen respektablen Top-20-Platz in den nationalen Charts, der ihre Karriere richtig in Gang brachte wie auch die des Labels, auf dem der Hit erschienen war. Tatsächlich war es eines von mehreren Labeln, die der Unternehmer Ricardo (genannt Ric) Williams in Chicago aufzog, wobei man den Begriff Unternehmer schon mit der Halbwelt der Stadt in Verbindung bringen darf. Von einem Nachtclub zu einer Musikfirma war der Schritt eben nie weit und das traf auch auf Ric Williams zu, der seine Erfahrungen in einem solchen Etablissement auf diese Art und Weise kapitalisieren wollte. Bringt man dazu noch die mehr als nahe liegende Annahme mit ein, dass in Chicago die Mafia mehr zu sagen hatte als in anderen Städten, wird man nicht  zu weit gehen, dass das Kapital dafür etwas mit Geldwäsche zu tun hatte. Tatsache bleibt, dass Zodiac einige Jahre relativ erfolgreich war, nicht nur mit Ruby Andrews (die in den 70ern dann zu ABC ging, wo aber jeder Erfolg ausblieb), sondern genauso mit „Joshie“ Jo Armstead oder Chuck Bernard. Und einer der größten Stars der Soulmusik machte auf diesem Label seine ersten Gehversuche: Al Green legte mit seiner ersten Band The Creations auf Zodiac 1967 mit Foot Steps / A Dream die erste Single vor, an der er je beteiligt war. Die Firma besaß zwei grundverschiedene Designs: Die erste und fast während der gesamten Zeit bis in die 70er gültige Gestaltung bestand aus einer grün-weißen Grundfarbe, auf der die Sternzeichen abgebildet waren. Oben befand sich der großgeschriebene Name des Labels, unten die normalen Angaben. Das zweite Design, das erst in den mittleren 70ern gesichtet wurde, war in einem matten violetten Ton gehalten und ansonsten völlig unspektakulär. Der Name des Labels und die üblichen Angaben waren denkbar schlicht angebracht. Es gibt eine CD, die Zodiac mit einem anderen Label der 60er paarte.



12-2014
Revilot war ein Label in Detroit, auf dem sowohl Darrell Banks als auch Parliament auftauchten.
Städte werden nicht wegen eines Künstlers oder einer einflussreichen Plattenfirma zur Legende in der Geschichte der populären Musik,. sondern weil sich zu einer bestimmten Zeit soviel Talent dort ansammelte, dass das zu einer Hochblüte der Popmusik führte. Ein sehr gutes Beispiel dafür war ab den späten 50er Jahren Detroit, das damals noch die Hauptstadt der amerikanischen Auto-Industrie darstellte. Folglich gab es jede Menge Jobs in der Stadt und das wiederum führte zu einer gewaltigen Zuwanderung aus dem Süden der Vereinigten Staaten. Spätestens in den 60er Jahren war es soweit, dass die Kinder der zuerst als Arbeiter angekommenen Frauen und Männer ihre Zukunft in der Popmusik sahen und für eine Welle von begabten Menschen sorgten. Deswegen existierte bereits vor Motown eine Fülle kleiner Firmen, die bereits genau den Klang brachten der später auch dem Label von Berry Gordy jr. zum Welterfolg verhelfen sollte. Eines davon war das Revilot-Label, das der DJ LeBron Taylor 1966 gegründet hatte, als er zusammen mit dem Produzenten Don Davis die Firma Hitsound Productions ins Leben gerufen hatte, da er als Musikdirektor der Radiostation WCHB eine gute Position hatte, um neues Talent zu sichten. Als ersten sicherte er sich für sein  Label den Vokalisten Darrell Banks und der landete mit der ersten Single auf Revilot, Open The Door To Your Heart, einen Hit. Das war natürlich fantastisch und Taylor wurde weiter fündig. Mit Parliament  hatte er erneut Erfolg, oder besser mit George Clinton, der der einzige Mann der originalen Besetzung, die ihren Ursprung in seinem Friseursalon in Plainfield, New Jersey hatte, im Studio in Detroit war, als nach etlichen Versuchen auf kleinen Labeln endlich der erste Hit mit (I Wanna) Testify gelang. Ansonsten waren auch noch Leon Ware und die Holidays  bei Taylor unter Vertrag, die ebenfalls Erfolge feierten. Revilot besaß drei verschiedene Gestaltungen des Labels. Das erste Design, das nur auf der ersten Single stattfand, brachte ein glänzendes graues Label, mit dem lateinischen Schriftzug der Firma, der schrägen Linie und den Angaben unterhalb des Lochs sowie links und rechts davon. Das zweite Design war grafisch ähnlich gehalten, aber in pink und das dritte ebenfalls, aber farblich aufgelockert.





11-2013
Das V-Tone Label aus Philadelphia war von 1958-1962 aktiv und agierte im Doo-Wop- und Rock´n´Roll-Bereich.

Sieht man sich die kleinen Label an, dann ist es auffallend, dass die meisten der kleinen Plattenfirmen in den 50er Jahren gegründet wurden. Das hatte seinen guten Grund: Der Rock´n´Roll war am Anfang eine Musik, die von unten kam und die die großen Firmen in der Regel verschlafen hatten. Zudem war es relativ billig, eine Rock´n´Roll- oder Doo-Wop-Single aufzunehmen: Man brauchte dazu keine großen Orchester und keine Arrangeure wie sie die Major Labels beim Pop der 50er Jahre zwingend einsetzen mussten. Und die Tonqualität war ebenfalls nicht besonders sophisticated, schließlich waren Stereo-Platten erst durch die Erfindung des Füllschrift-Verfahrens des deutschen Erfinders Eduard Rhein möglich geworden. 1954 erschien die erste Stereo-LP in den USA, 1956 in Deutschland, natürlich im Klassik-Bereich. Solange war man beim Rock´n´Roll noch lange nicht und so war die Chance, einen Hit herzustellen, für ein kleines Label fast so gut wie für die großen. Venton „Buddy“ Caldwell hatte als Polsterer gearbeitet, bis er angesichts des Booms der Doo-Wop- und Rock´n´Roll-Gruppen seine Chance erkannte, und 1958 in Philadelphia das V-Tone Label gründete. Im selben Jahr legte er mit Len noch einmal nach. Seine Stoßrichtung war klar: Er wollte den Jugendmarkt ausbeuten. Das klappte relativ schnell: The Hunch vom Bobby Peterson Quintet schaffte Ende 1959 die Nr. 71 in den USA,  Irresistible You vom selben Künstler erreichte 1960 die Nr. 96 in den amerikanischen Popcharts. Bobby Parker, der bei den Charms gewesen war und danach in der Band von Bo Diddley spielte, kam mit Watch Your Step im Sommer 1961 in die Popcharts. Andere Künstler waren Big Al Downing, The Parliaments und Clyde Stacey. Da der Erfolg nachließ und die Zahlungen der Vertriebsfirmen nur tröpfelnd eingingen, stellte Caldwell die Label 1962 und 1963 ein.
Die Single-Label von V-Tone hatte zwei verschiedene Gestaltungen: Zuerst erschien der Name oben auf dem Label und erinnerte an den Aushang eines Ladens. Das Ganze fand auf einem dunklen Blau statt und die Schrift war in Silber gehalten. Später fand das wesentlich simpler in schwarzer Schrift auf der gelben Grundfarbe statt. Da von der Firma nie eine LP veröffentlicht wurde, sind die Single bis heute relativ stark im Preis gestiegen, zumal nur zwei CDs mit dem Material der beiden Label erschienen sind, die bereits seit langem gestrichen sind. Deswegen ist V-Tone ein gesuchtes R&B- und Rock´n´Roll-Label der späten 50er und frühen 60er Jahre geblieben.



09-2013
Das Westbound-Label aus Detroit schrieb die Geschichte der Soulmusik in der Stadt nach Motown weiter.

Selten wurde die Musikszene einer Stadt durch die Abwanderung einer Firma so getroffen wie Detroit 1971, als Berry Gordy jr. beschloss, mit Motown nach Los Angeles umzuziehen, weil er zum einen die Zukunft seiner Firma im Filmgeschäft sah und zum zweiten in eines der Zentren der amerikanischen Unterhaltungsindustrie gehen wollte. Der Verlust für  Detroit war die Chance für Armen Bolodian, der 1969 bei der Fahrt über die Stadtautobahn von Detroit dank eines Verkehrsschildes den Namen für sein Label serviert bekam: Westbound Records sprang zumindest teilweise in die Bresche, die Motown hinterlassen hatte. Bolodian war bereits vorher im Geschäft mit der Musik tätig gewesen und hatte sich kurz davor  dazu entschlossen, ein eigenes Label zu gründen. Da er gute Beziehungen zu dem Rundfunksender CKLW in Windsor hatte, bekam er von der Programmdirektorin Martha Jean Steinberg den Tip, dass der Produzent Willie Mitchell aus Memphis (Al Green) ein neues Label suchte. Prompt schlug Bolodian zu und landete mit Denise LaSalle einen Nr.-1-Hit, nachdem Funkapolitan zuvor einen Top-20-Hit in den schwarzen Charts gelandet hatten. Und Bolodian hatte keine Angst, auch Bands von woanders her zu verpflichten: Er nahm die Ohio Players unter Vertrag, die zwar erst bei Mercury ihre wirklich großen Erfolge einfuhren, aber auch für Westbound einiges verkauften und er verpflichtete die Detroit Emeralds, die für seine Firma mit ihrer Stärke in den Diskotheken der Eisbrecher für Künstler wie Dennis Coffey und CJ&Co. waren. Auf der anderen Seite vernachlässigte Bolodian nie die Quelle der Inspiration für die meisten Bereiche der schwarzen Musik, den Gospel, der ihm 1983 den letzten Hit seines Firma einbrachte: Die Clark Sisters kamen aus einer seit 1930 im Gospel aktiven Familie und You Brought The Sunshine wurde zu einem echten Clubhit. Bolodian  steht bis heute seiner Labelfamilie (es existierte auch Eastbound) vor, wenngleich er heute vor allem damit beschäftigt ist, Material für andere zu lizenzieren und die Reissues zu überwachen, die über Ace in England auf den Markt kommen. Das erste Label war in schlichtem Lindgrün gehalten, das zweite vielfarbig um einen westwärts ausgerichteten Pfeil und das dritte bezog sich auf eine Lokomotive, die ebenfalls nach Westen brauste, farblich zwischen braun und grau.





07-2013
Ric-Tic war eines der besten Soul-Label aus Detroit, doch Motown beendete auch seinen Erfolgsweg.

Eine erfolgreiche Plattenfirma aus einer Stadt bedeutet weder, dass es vorher dort kein ähnliches Label gab und auch nicht, dass es nicht während der Existenz der Gesellschaft keine andere gab, die dieselbe Musik herausbrachte. Tatsächlich existierte die Ric-Tic- (der Name wurde zu Ehren des kurz zuvor in einem Unfall getöteten Sohn der einen Gründerin, Joanne Bratton, Derek, gegeben) und Golden World-Labelfamilie seit Januar 1962 und begann mit Popmusik. Nachdem zunächst die Veröffentlichungen beider Firmen auf einem gelben Label erschienen, änderte sich das im Juli 1964, als Ric-Tic eine eigene Identität erhielt. Fortan    erschienen die Singles der Firma auf einem strahlenden Karmesinrot, das Design war ansonsten sehr schlicht gehalten. Der Erfolg des sich alleine auf den Rhythm & Blues und den Soul konzentrierenden Firma stellte sich fast sofort ein: Schon die Nummer 103 erbrachte dank des Edwin Starr-Hits Agent Soul im Juli 1965 richtig Geld ein (er landete sogar in den Popcharts auf dem 21. Platz) und von da an kamen die goldenen Monate der Schöpfung von Joanne Barrett und Ed Wingate, die sie zu den hauptsächlichen Rivalen von Berry Gordy jr. und Motown machten. Nicht nur neue Künstler wie JJ Barnes, Laura Lee und die Fantastic Four waren erfolgreich, sondern auch Edwin Starr feierte mit Stop Her On Sight (SOS) und Headline News weitere Erfolge. Dementsprechend führte man ab der Nummer 121 ein neues Labeldesign ein, das ab Januar 1967 die Singles zierte: Der Name stand jetzt rechts vom Mittel-Loch in einem Kreis, alles fand auf einer in Grün gehaltenen Spirale statt, die optisch wesentlich besser wirkte als das zuvor vergleichsweise einfach gehaltene Label. Natürlich konnte Motown einen solch erfolgreichen Mitbewerber nicht dulden und so kaufte man sich einfach die Stars  von Ric-Tic ein, was speziell für Edwin Starr eine große Karriere bedeutete, während die anderen Künstler im riesigen Motown-Stall eher untergingen. Das war jedoch noch nicht das Ende für das Label. Ed Wingate verpflichtete neue Künstler wie Al Kent und die Flaming Embers oder die Detroit Emeralds, die für die restlichen Veröffentlichungen bis zur Nummer 145 sorgten, die dann das Ende für das Label bedeuteten. Das Angebot von Berry Gordy jr., nicht nur die beiden Firmen zu kaufen, sondern auch die restlichen Label, die Wingate inzwischen gegründet hatte, bedeutete 1968 das Ende für diese Familie. Gerüchte in England, dass Wingate, weil Gordy den Namen nicht mitgekauft hatte, das Ganze ab Ende 1968 in Illinois weiterbetrieb, sind genau das: Gerüchte ohne einen Wahrheitsgehalt. Sie kamen nur deswegen auf, weil die 45 Singles, die von 1964-1968 erschienen, im Laufe der Northern Soul Sammelbewegung zu extrem gesuchten Raritäten wurden, speziell die von Edwin Starr, Al Kent und JJ Barnes. Das soll zu Überlegungen von Wingate und dem Leadsänger der Flaming Embers, James Epps geführt haben, das Label in den frühen 70ern wieder auferstehen zu lassen. Aber auch das führte zu nichts.



05-2013
Look war von 1968-1970 ein Sublabel für Starday-King Records in Nashville.

Sublabel sind für größere Plattenfirmen eine bequeme Möglichkeit, andere Stilarten auszuprobieren als die, mit denen die Mutter erfolgreich ist oder auch Verluste zu generieren, mit denen man die Gewinne des großen Labels neutralisieren kann. Es gibt viele der kleineren Firmen, die ähnlich erfolgreich wurden wie ihr großes Vorbild. So schafften beispielsweise Gordy und Soul in der großen Zeit von Tamla Motown fast so viele Hits wie die ursprüngliche Firma. Das klappte natürlich nicht immer so wie geplant. Ein schönes Beispiel von diesen Sublabeln ist Look, das die erfolgreiche Country-Firma Starday-King 1968 einführte, um Künstler und Gruppen aus dem Softrock und –Pop-Bereich aufzunehmen. Einen großen Erfolg konnte man jedoch mit keinem der Tonträger erzielen, so dass nach 32 Singles 1970 Schluss war. Nur die Band Heart – nicht zu verwechseln mit den Hardrockern um die Schwestern Wilson aus Kanada – veröffentlichte in dieser Zeit zwei LPs auf dem Label und Singles kamen von solchen Künstlern wie Freddie Chavez, Jack Kane, The Blue Marble Faun oder Mother´s Worry auf den Markt, von denen aber keine wirkliche Erfolge feierte. Trotz der nicht sehr langen Lebensdauer des Sublabels existierten zwei Spielarten des Labels: Das erste kam in karmesinroter Farbe mit einer eher schlichten Gestaltung, bei der der Name der Firma immerhin in eckige Klammern gesetzt worden war. Ansonsten war nicht viel zu sehen, nur der Name des Künstlers, der des Songs, des Songschreibers, die Bestellnummer und der Musikverlag waren links und rechts neben dem Loch zu lesen.
Die zweite Form war grafisch und vom Text her etwas anspruchsvoller: Vor allem der Name war diesmal etwas trickreicher angebracht, er stand in an ein Auge erinnernden Klammern und die Angaben waren wesentlich ausführlicher als auf dem ursprünglichen Papieraufkleber. Diesmal war auch die Farbe geändert (lindgrün), zudem waren die Angaben ausführlicher, denn es war beispielsweise auch die Vertriebsfirma zu lesen. Doch der schwache Verkaufserfolg stellte nicht nur das Schicksal des Labels in Frage, sondern er bewies zudem, dass auf dem Markt für diese Art von Musik zuwenig Interesse bestand. Deswegen stellte Starday-King die Firma ein, realisierte den Verlust und konzentrierte sich wieder auf das Tagesgeschäft, der Countrymusik. Für Sammler ist dieses Label von Interesse, weil es zum einen relativ übersichtlich ist, zum zweiten einen Musikstil bringt, der seitdem als Easy Listening gerade im anglo-amerikanischen Raum ein Sammelgebiet geworden ist und  schließlich nicht so teuer sein dürfte wie  ähnliche Firmen aus dem Rock´n´Roll, dem R&B oder der Soulmusik. Deswegen sollte man durchaus einmal einen Blick auf dieses eher erfolglose Label werfen. Man könnte eine positive Überraschung erleben.



03-2013
Das Fury-Label von Bobby Robinson legte über 20 Jahre fantastische schwarze Musik vor.

Im richtigen Leben gibt es Menschen, die etwas machen und solche, die es eher auf sich zukommen lassen. Bobby Robinson war definitiv einer von denen, die immer aktiv sein müssen. Er besaß mit seinem Bruder Danny einen Plattenladen in New York und stieg bereits früh in das Geschäft mit der Musik ein, indem er eine Vielzahl von Labels gründete, angefangen mit Red Robin Records 1952. Mit allen seinen Gründungen hatte er eine Zeit lang Erfolg, aber seine langlebigste Schöpfung war 1957 Fury Records, das schnell Erfolge feiern konnte, dank Wilbert Harrison und Kansas City, das 1959 die Nr. 1 in den USA belegte. Doch das war gleichzeitig der Song, der den beiden Brüdern die meisten Probleme bescherte: Sie wussten nicht, dass Harrison einen 5-Jahres-Vertrag mit Savoy besaß, weswegen diese Firma natürlich Robinson & Co. verklagte und – noch schlimmer – die Aktivitäten von Fury wegen des Prozesses eingefroren wurden. Die Antwort von Bobby Robinson: Er brachte seine Produktionen einfach auf dem Fire-Label seines Bruders Danny unter. Bis dahin war das Design seiner Firma denkbar einfach gehalten: Auf der gelben Grundfarbe war der Name der Firma denkbar schlicht oben und die sonstigen Einträge wie üblich links und rechts vom Mitteloch und darunter zu sehen. Sieben Monate dauerte diese Pause (von März bis September 1959) und verhinderte vor allem, eine Folgesingle von Harrison auf den Markt zu bringen, was die Karriere des Mannes unwiederbringlich beschädigte. Bis dahin und in den folgenden Jahren arbeitete Fury hauptsächlich im Blues. Musiker wie Lightnin´ Hopkins, Buster Brown und Arthur „Big Boy“ Crudup veröffentlichten ihre Platten dort, obwohl Robinson auch in New Orleans aktiv wurde, wo er Lee Dorsey und  Bobby Marchan unter Vertrag nahm, mit denen er einige Hits feierte. Neben Kansas City, das sich zwei Millionen mal verkaufte, fanden auch Ya Ya von Dorsey und Fanny Mae von Buster Brown siebenstellige Käuferzahlen. Nach und nach verlegte sich Robinson auf den Soul und verpflichtete deswegen Gladys Knight & The Pips, King Curtis und Don Gardner & Dee Dee Ford. Er feierte dort zwar nicht die großen Hits, legte aber beispielsweise die ersten Aufnahmen von Gladys Knight & The Pips vor, bevor sie bei anderen Labeln ihre ganz großen Erfolge feierten. Zu dieser Zeit besaß Fury bereits das zweite Design, bei dem der Name der Firma wesentlich auffälliger gestaltet wurde und den Bezug zu der berühmten Fernsehserie um das Pferd herstellte. Die restlichen Daten und die Grundfarbe blieben gleich. 1965 verkaufte Robinson sowohl Fire als auch Fury an Bell und arbeitete künftig vor allem als Produzent. In dieser Funktion hatte er bis in 90er Jahre Erfolge, weil er immer ein Ohr für aktuelle Entwicklungen in der schwarzen Musik hatte. So machte er die ersten Aufnahmen mit Grandmaster Five & The Furious Five und hatte in den 90er Jahren noch einmal Erfolg mit der Beatbox. Er starb 2011 im Alter von 94 Jahren.



01-2013
Time Records aus New York brachte ab 1959 Rock´n´Roll und Doo-Wop auf den Markt.

Es gab verschiedene Kreativ-Explosionen in der Geschichte der Rockmusik, doch die größte war immer noch die erste, nachdem Elvis Presley diese Musik dem ganzen Publikum in den USA dank des Fernsehens und seiner Singles bewusst gemacht hatte. Es geschah dasselbe wie später beim Beat oder während der Punkmusik: Einmal bekannt, schossen fast in jedem Ort der USA mindestens eine Band oder ein Künstler aus dem Boden, die sich darin versuchten, um damit im Optimalfall reich und berühmt zu werden, aber mindestens an die Mädchen heranzukommen und seinen Spaß zu haben. Das klappte oft genug um viele junge Leute zu bewegen, diese Karriere einzuschlagen, auch wenn sie im Normalfall nicht lange dauerte und irgendwann die Frage auftauchte, ob nicht die Zeit gekommen war, an eine bürgerliche Laufbahn zu denken. Natürlich traf das erst recht auf New York als eine der Medienzentralen der USA zu. In der Bronx formierten sich The Bell Notes, die sich vornehmlich aus Italo-Amerikanern zusammensetzten und in einer Wirtschaft spielten, die dem Vater von Ray Tabano gehörte, dessen Sohn später mit Steven Tyler Aerosmith gründen sollte. 1959 brachten sie auf Time Records I´ve Had It auf den Markt, das auf den sechsten Platz der nationalen Charts schoss. Doch dabei sollte es bleiben, obwohl das kleine Label noch im selben Jahr vier Singles der Band veröffentlichte, von denen sich aber nur Old Spanish Town auf dem 76. Platz platzieren konnte. Da andere Bands wie die Tabbys oder die Chariots ebenso erfolglos blieben wie Solisten wie Bernie Terrill, brachte die Firma nach den großen Jahren Anfang der 60er nur noch eher selten Singles auf den Markt, ehe man 1968 mit einer EP vom Orchester Hugo Montenegro das letzte Lebenszeichen von sich gab. Bis dahin hatten zwei Label-Designs existiert: Das erste bestand aus silbernen Buchstaben auf schwarzem Untergrund und überzeugte durch das Design des Firmen-Namens. Das große T war sehr prägnant gestaltet und gab dem Label ein Bild. Links und rechts neben dem Mittelloch fanden sich die rechtlichen Daten, unten der Name des  Liedes, der des Songschreibers und der der Gruppe oder des Künstlers. Später hatte sich die Gestaltung deutlich verändert: Jetzt war das markanteste an dem Aussehen der große Punkt über dem i von Time und so blieb es. Tatsächlich besteht das Label bis heute, zog aber irgendwann nach Florida um und ist heute vor allem ein Musikverlag, der im Dancefloor-Geschäft tätig ist. Einige der frühen Veröffentlichungen haben einen gewissen Sammlerwert erreicht, wie beispielsweise die einzige Single von Bernie Terrill. Für Rock´n´Roll- und Doo Wop-Sammler ist die kleine Firma durchaus ein Begriff und dort besaß sie auch ihre Stärken, auch wenn man gegen Ende eher in Richtung Pop marschierte. Verwechseln sollte man die Firma nicht mit dem italienischen Label gleichen Namens, auf dem beispielsweise Mousse T. unter Vertrag steht.



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