Platte des Monats 2015 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2015

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur Platte des Monats ...

Jahrgang 2015
AusgabeTextPlattencover
12/15
 
Isaiah aus Israel überzeugen mit ihrer ersten in Deutschland erschienenen CD.
 
Zuhause in Israel ist der Gitarrist, Sänger und Songschreiber Tomer Yeshavahu längst ein Begriff und die Band, unter deren Namen er auftritt, hat dort bereits zwei CDs veröffentlicht. Jetzt hat er aus diesen einen Sampler für den deutschen Markt hergestellt und der beweist drei Dinge: Zum einen, dass der Gitarrenrock ein wahrhaft universaler Stil ist. Zum zweiten, dass Israel auch musikalisch eher zum Westen als zu Arabien gehört. Und zum dritten, dass Tomer Yeshayahu ein ausgezeichneter Songschreiber und Musiker ist. Denn er versteht, was nur wenige Kollegen beherrschen: Starke Songs zu schreiben und die dann auch noch gut zu arrangieren sowie zu singen. Gerne operiert er mit flirrenden Gitarren-Akkorden, oft wirken seine Lieder hymnisch. Vor allem aber haben sie gute Melodien wie beispielsweise der Opener Go Sister, Dancing Yellow Stains, Solitude oder Dim The Light, um nur einige Höhepunkte zu nennen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen geht er weder zurück zum wuchtigen Gitarrenrock der 80er Jahre und wird auch nicht zu poppig, sondern vermengt seine Melodien geschickt mit gitarrenlastigen Arrangements, die jedoch nie so dicht werden, dass die Melodien untergehen. Deswegen ist diese CD eine freudige Überraschung, zumal sie aus Israel kommt, wo bislang der Rock nicht unbedingt die Szene beherrscht hat und kaum Bands nach Europa vorgedrungen sind. Hoffentlich macht Isaiah Schule und man hört mehr von da – am Besten mit der Qualität von Tomer Yeshayahu. mvr

Popup Records / Cargo
11/15
 
Subsignal haben mit ihrem vierten Album ihr bislang bestes vorgelegt.
 
Als sich Vokalist Arno Menses und Gitarrist Markus Steffen 2008 von Sieges Even trennten, um ihr eigenes Ding zu machen, konnte man noch nicht ahnen, wie gut ihre neue Band Subsignal werden würde. Doch spätestens mit The Beacons Somewhere Sometime haben sie unter Beweis gestellt, dass sie Ihrem hohen Anspruch, stilistisch offenen progressiven Rock zu spielen, gerecht werden. Diese CD ist tatsächlich nach etlichen Seiten offen. Man wird Elemente von Toto ebenso finden wir klassischen progressiven Rock, Heavy Metal-Teile ebenso wie sensible Klanggemälde. Vor allem aber haben die beiden für ausgezeichnete Lieder gesorgt, die diese Vorgaben so umsetzen, dass sie trotz aller Vielfalt wie aus einem Guss wirken. Schon der Anfang des Albums löst den hohen Anspruch der beiden Macher ein: Nach einem kurzen Instrumental, das wie eine Ouvertüre wirkt, folgt mit dem ersten Song Tempest bereits der erste Höhepunkt, ehe A Time Out Of Joint demonstriert, dass Menses und Steffen nicht nur am Songwriting, sondern vor allem auch an den Vokalharmonien gefeilt haben. Die Chöre sind von einer Qualität, wie man sie in der Rockmusik nur selten findet und dazu passen die feinen Melodien. Da die CD auf diesem Niveau weitergeht, hört man bis zur abschließenden Suite des Titelstücks fasziniert zu. Mit dieser CD ist der Band, dazu gehören noch der Keyboarder Luca di Gennaro und der Schlagzeuger Dirk Brand, ein Meisterstück gelungen, das im progressiven Rock nicht nur in Deutschland Furore machen wird. Damit ist die Band international weit vorne. mvr

Golden Core Zyx GCR 20101-2
10/15
 
Tony Furtado hat mit The Bell ein großartiges Singer/Songwriter-Album vorgelegt.
 
In den 80er Jahren, als die Musikindustrie eine echte Krise erlebte, wurden einmal alle Singer/Songwriter aus dem Programm der Warner Brothers gestrichen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen sind die Damen und Herren dieses Stils wieder angesagt und ein schönes Beispiel dafür ist der Herr, der seinen Lebensunterhalt zum einen als Gitarrist und zum anderen als Singer/Songwriter fristet. Nach seiner letzten CD Golden, die groß einschlug, hat er sich vier Jahre Zeit gelassen und diese Pause hat sich gelohnt. Denn seine neue Produktion ist ein ausgezeichnetes Beispiel der modernen Singer/Songwriter-Schule, obwohl sie durchaus die Klassiker zitiert. Was zunächst auffällt, sind zwei Dinge: Zum einen die beeindruckende Stimme des Mannes und zum anderen die fantastischen Songs, die er geschrieben hat. Im Gegensatz zu den großen Klassikern des Genres bevorzugt er nicht den Westcoast-Sound, sondern teilweise poppige Melodien und akustische Passagen, die eher an die angesagte Americana-Richtung denn an den klassischen Klang des Genres erinnern. Dank seiner exquisiten Lieder und seiner Fähigkeiten als Gitarrist steuert Furtado zusätzliche Töne bei, die die CD zu einem Gesamtkunstwerk machen. Für Fans liegt außerdem noch die EP Copper And Tin  bei, die in den USA getrennt auf den Markt kam. Tony Furtado ist einer der seltenen Musiker, die sowohl ihr Instrument perfekt beherrschen als auch Songs schreiben können, auf die alle Kollegen stolz wären. Dieses Album demonstriert das. mvr

Blue Rose BLU DP0663/Soulfood
09/15
 
The Royal Southern Company beweist auf ihrem dritten Studio-Album, welche Klasse sie besitzt.
 
Die Klasse einer Band zeigt sich vor allem dann, wenn tragende Mitglieder durch Neuzugänge ersetzt werden müssen. Devon Allman und Richie Zito gingen nach der letzten Produktion, um sich ihren Solokarrieren zu widmen. Also musste das verbliebene Trio, Cyril Neville, Charlie Wooton und Yonrico Scott neues Blut suchen und fand es in den singenden Gitarristen Bart Walker und Tyrone Vaughan (einem Sohn von Jimmie Vaughan, dem Bruder von Stevie Ray). Um sicher zu stellen, dass alles rund laufen würde bei der neuen Produktion, traf man sich vorab in einem Haus am Mississippi und siehe da – die Chemie stimmte. Sicher war es eine gute Idee, das Ganze in den legendären Muscle Shoals Studios in Alabama einzuspielen, denn die Geschichte des Ortes inspirierte die Musiker hörbar. Der Mix aus Bluesrock und Soul ist nach wie vor das Herz des Quintetts, doch diesmal kommt noch ein Schuss Country dazu, der aber genauso gut passt wie die stürmischen Bluesrocker. Fraglos beeindruckt einmal mehr die Mischung aus den beiden Gitarren der Neuen und dem dichten Rhythmusgeflecht, das das Rest-Trio ausbreitet. Der Groove ist einfach unwiderstehlich und wenn dann noch gute Songs wie I Wanna Be Free, Reach My Goal, Don´t Look Back, Hard Blues und etliche andere dazu kommen, ist eine ausgezeichnete Platte garantiert. Was zudem für das Quintett spricht ist, dass man 14 Songs mit einer Spieldauer von über 67 Minuten vorlegt – das demonstriert die Kreativität der Band. mvr

 
Ruf/In-akustik 0621215
08/15
 
Die Funkband aus Los Angeles, Orgone, legt mit ihrem sechsten Album ein fantastisches Funk-Album vor.
 
Los Angeles ist zusammen mit New York und Austin in Texas eine der drei großen Musik-Metropolen der USA, in der jeden Tag neue Bands ins Leben gerufen werden. Orgone taten sich am Anfang des 21. Jahrhunderts zusammen und setzten sich aus namhaften Studiomusikern zusammen, die beispielsweise Alicia Keys bei ihren Produktionen unterstützten. Seit 2001 haben sie eigene Alben mit einem harten, treibenden Funk vorgelegt, der durch den Rhythmus auf der einen und den Bläsern auf der anderen Seite geprägt wird. Ihr sechstes Album, Beyond The Sun  ist jedoch ihr Meisterwerk, weil es sowohl harten Funk als auch ausgezeichnete Lieder bringt, die Sängerin Adryon de Leon mitreißend interpretiert, was etliche Kritiker bereits zu der Aussage verführt hat, sie erinnere an Chaka Khan. Tatsache ist, dass sie solchen Tracks wie Don´t Push Your Luck, No Pain, When Someone´s Love Is Real oder I´m A Woman (I´m A Backbone) das gewisse Extra verleiht und das ist nur eine kleine Auswahl von exquisiten Liedern, die sowohl vom Gesang der Dame wie vom Drive der Instrumentalisten leben. Wie alle großen Funkbands – Earth, Wind & Fire, Rufus, Parliament – klappt der Mix aus den temporeichen Instrumenten, den guten Melodien und dem perfekten Zusammenspiel zwischen der Rhythm Section und den Bläsern  ausgezeichnet und macht den Drive aus, der alle ihre Vorbilder definiert hat. Das ist Funk in Reinkultur und vor allem garniert mit einer Fülle mitreißend gesungener Kompositionen. mvr

Shanachie/In-akustik 0356304
07/15
 
Die kanadische Band Yukon Blonde legt mit ihrem dritten Album On Blonde eine starke Poprock-Platte vor.
 
Kanada ist rockmusikalisch immer etwas hinter den Bergen, aber oft wird übersehen, dass viele großartige Bands von da gekommen sind, die oft origineller waren als die amerikanischen Kollegen. Ein gutes Beispiel dafür sind Yukon Blonde, die ursprünglich aus Kelowna im Bundesstaat British Columbia stammen und heute in Vancouver leben. Die Jungs haben sich es von Anfang an zur Aufgabe gemacht, modernen Poprock zu produzieren und besaßen dafür mit Jeff Innes einen ebenso begabten wie guten Songschreiber und Sänger. On Blonde beweist nun, dass die Kanadier in der Lage sind, den gesamten Stilbereich abzudecken. Das beginnt mit einem Synthesizer-Riff, das an den Robert Palmer-Hit Johnny And Mary erinnert und sich ähnlich erfolgreich in die Gehörgänge einschleicht und fährt dann fort mit einem Mix aus Songs, die gleichermaßen auf der Gitarre wie dem Synthesizer basieren und das Spektrum von purem Pop bis zum Rock abdecken. Es ist neben Innes vor allem Gitarrist Brandon Scott, der da seine Spuren hinterlässt und ab und zu Freiraum für seine Soli bekommt. Aber im Mittelpunkt stehen immer die Lieder und deren Melodien, die Innes einfach ausgezeichnet gelungen sind. Das ist nie banal, aber oft genug mitreißend oder schlicht schön, was ihm da eingefallen ist. Sollte das Trio – dazu gehört noch der Schlagzeuger Graham Jones – weitere solch exquisite Produktionen auf den Markt bringen, haben sie in Zukunft außer dem Himmel nichts mehr über sich. Das ist toller Poprock einer Band, die wie dafür geschaffen zu sein scheint. mvr

Dine Alone Records / Caroline
06/15
Parzival´s Legend legen mit Defragments ihre zweite CD mit progressivem Rock vor.
RPWL haben in den letzten Jahren bewiesen, wie man sich aus einer Coverband zu einer eigenständigen Gruppe im progressiven Rock entwickeln kann. Dabei war auch der Bassist Chris Postl, der sich vor einigen Jahren mit seinem Projekt Parzival´s Legend selbständig gemacht hat. Als wollte er es seinen ehemaligen Kollegen zeigen, hat er jetzt mit seinem zweiten Opus demonstriert, wie man eine Nische für sich im derzeit gängigen modernen progressiven Rock finden kann. Postl hat das vor allem dadurch geschafft, weil er seine Kompositionen sehr behutsam instrumentiert und arrangiert hat. Er rückt den Gesang in den Vordergrund, lässt die Hintergründe bewusst sparsam und legt so das Gewicht auf die Melodien. Dass die Titel dennoch über 12 Minuten gehen können, beweist, dass Postl auch an die Fans des progressiven Rock gedacht hat. Schließlich engagierte er Ian Bairnson (Ex-Pilot, -Alan Parsons Project) für die Gitarrensoli, so dass diese ein weiteres Highlight dieser CD darstellen. Doch im Vordergrund stehen die Songs und da schrieb Postl etliche Preziosen wie beispielsweise den Opener Reach The Sky, Out On The Street oder der Hidden Track Hiding Out. Zudem hat er eine perfekte Coverversion des Yes-Klassikers Long Distance aufgenommen, die die Melodik des Tracks exquisit aufarbeitet und dank der Vokalharmonien mit Christina Booth in neuem Glanz erstrahlen lässt. Das ist oft Pop, aber Postl hat auch für Rock gesorgt und das macht diese Produktion absolut individuell und zu einem großen Wurf der modernen progressiven Rockmusik. Postl ist ein Original. mvr

05/15
 
Steven Wilson beweist mit Hand. Cannot. Erase. seine Fähigkeiten als Songschreiber und Musiker.
 
Steven Wilson, den ehemaligen Kopf von Porcupine Tree, als eine der zentralen Figuren des modernen progressiven Rock zu bezeichnen, ist sicher keine Übertreibung. Er sorgte nicht nur mit seiner Band für die ersten Höhepunkte des neuen alten Stils, sondern er hat in den letzten Jahren auch als Bearbeiter von Reissues einiger klassischer Veröffentlichungen bewiesen, wie breit sein Spektrum ist. In der klassischen Tradition des Stils ist Hand. Cannot. Erase. ein Konzeptalbum über den tragischen Tod der Joyce Vincent, die erst nach drei Jahren tot in ihrer Londoner Wohnung vermisst wurde. Das ist natürlich eine ideale Vorlage, um über die Anonymität und die Vereinsamung in den modernen Großstädten zu singen und genau das tut Wilson denn auch. Bemerkenswert ist jedoch, wie er das gemacht hat. Es gibt hier lange, rockige Tracks, aber auch kürzere, die mit feinen Melodien aufwarten. Wilson ist als Sänger, Gitarrist und Songschreiber präsent und hat sein Opus zudem noch produziert und abgemischt. Zweifelsohne ist ihm ein ausgezeichnetes Album gelungen, gerade, weil es nicht bei allen Titeln so zugänglich ist wie beispielsweise das letzte von Steve Morse. Wilson ist näher beim Rock geblieben als sein amerikanischer Kollege und hat einmal mehr bewiesen, dass es in der Szene der modernen progressiven Rockmusik nur ganz wenige Akteure gibt, die ihm das Wasser reichen können. Und dennoch ist er inzwischen mit seinen Produktionen in den Mainstream vorgedrungen, was die Qualität dieses Albums jedoch  nicht mindert. mvr

Kscope 316 / Edel
04/15
 
Neal Morse bewegt sich mit seiner neuen Produktion zu einer populären Abart des progressiven Rock.
 
Die meisten Gruppen der progressiven Rockmusik standen irgendwann vor der Frage, ob sie ihren einmal gefundenen Klang weiter durchziehen, oder ihn im Hinblick auf bessere Verkäufe adaptieren wollten. Der Keyboarder, Sänger und Songschreiber Neal Morse, eine der Schlüsselfiguren des modernen progressiven Rock, hat die Wahl für sich getroffen. Er will den großen Erfolg, aber ohne die ganz großen Kompromisse. Was er auf The Grand Experiment also gemacht hat war, der menschlichen Stimme mehr Platz einzuräumen. Das demonstriert bereits der Opener, der mit einem Chor beginnt, aber nach 10 Minuten demonstriert hat, dass der moderne progressive Rock, den Morse mit Spock´s Beard kreiert hat und heute mit Transatlantic und den Flying Colors neben seinen Soloplatten verfolgt, nach wie vor seine Musik ist, aber mit den oben angesprochenen Veränderungen. Fast jeder Titel dieses vorzüglichen Albums wird von den Stimmen, die er ähnlich anordnet wie das die Beach Boys gemacht haben, eingeleitet oder dominiert, die aber später den Instrumenten Platz machen. Das ist ein berauschender Schritt vom progressiven Rock zu poppigen Elementen, die sich nicht stören, sondern sich gegenseitig bereichern. Damit hat sich Morse einmal mehr als einer herausragenden Musiker der Szene des modernen progressiven Rock erwiesen, der Maßstäbe setzt, wo andere versuchen, einen eigenen Klang in diesem Genre zu erarbeiten. Morse gibt Richtungen vor, die von anderen, weniger begabten Musikern, nachgeahmt werden.

03/15
 
Blackberry Smoke unterstreichen auch mit ihrer neuen CD Holding All The Roses ihr großes Potenzial.
 
Letztes Jahr feierten Blackberry Smoke mit ihrem dritten Studio-Album The Whippoorwill einen echten Sensationserfolg und demonstrierten, dass der Southern Rock noch existiert. Danach folgte eine Live-CD, ehe sie jetzt ihre neueste Studioplatte vorlegen. Und Holding All The Roses ist verglichen mit The Whippoorwill eine deutlich andere Platte geworden. Diesmal ist der Grundtenor nicht der Southern Rock, sondern die stilistische Auffächerung. So bringt der Opener Let Me Help You (Find The Door) einen poppigen Rocksong mit einem Refrain, der explosive Kraft besitzt, der Titelsong gehr zurück zum Southern Rock, Payback´s A Bitch geht in Richtung Countryrock und akustischen Rock gibt es zudem. Natürlich finden sich daneben auch noch die klassischen Southern Rock-Songs, aber das Quintett aus Atlanta beweist seine Vielseitigkeit und vor allem, dass es keine stilistischen Grenzen kennt. Was es immer macht und was man von ihm erwarten kann ist Rock, der abgeht wie die Hölle. Aber dazwischen finden sich eben auch Facetten, die zu dem handfesten Image nicht passen, weil sie zu ausgeklügelt und musikalisch zu fein sind. Doch genau das ist der Punkt: Die Jungs mögen aussehen wie aus dem Hinterland der Südstaaten, aber sie sind Rockmusiker von hohen Graden, die sich die ganze Palette des Stils angehört und daraus das für sie richtige entnommen haben, um es jederzeit abzurufen. Solange Platten wie diese dabei herauskommen, tun sie das hoffentlich noch einige Jahre lang.

Earache MOSH 537CD/Soulfood

02/15
 
Jochen Brückner von Highway hat mit Eleven And A Half sein viertes Solo-Album vorgelegt und überzeugt absolut.
 
Westcoast in Deutschland? Da gab es einige Bands, die sich daran versuchten, aber die erfolgreichsten waren  Ramases (siehe ihr Reunion-Album bei den Plattenkritiken) und Highway. Die Hamburger legten immerhin vier Alben vor, die alle ihre Qualitäten hatten, doch danach war Schluss und die Musiker verteilten sich in der Hamburger Szene wie Jochen Brückner, der zu Bad News Reunion stieß. Daneben machte er immer wieder ein Solo-Album, doch dieses vierte ist sein bislang bestes. Das liegt vor allem an den Songs, die Brückner mit Leuten wie Peter Bellotte und Jörn Fischer oder alleine geschrieben hat. Dazu kommen Coverversionen von Pete Townshend (Substitute), Jackson Browne (Farther On) und Joey Ryan (Broken Headlights), wobei Brückner den Mod-Klassiker sehr poppig vertont hat. Das passt genau zum Charakter der Platte, die von den wunderbaren Melodien lebt, die  Brückner überwiegend eingefallen sind. Dazu kommen noch die meist absolut passenden Arrangements, bei denen natürlich überwiegend die Gitarren im Mittelpunkt stehen. Daraus zu schließen, der Rock würde im Vordergrund stehen, ist falsch. Der Pop regiert, was knackige Soli und gute Riffs selbstverständlich nicht ausschließt. Brückner ist eine Platte gelungen, die bruchlos an seine Zeit mit Highway anschließt und seine Fähigkeiten als Songschreiber, Sänger und Produzent im hellsten Licht erscheinen lässt. Man muss kein Fan der Westcoast-Musik sein, um das zu mögen, aber schaden tut das in keinem Fall. mvr

Sireena SIR 2133/Broken Silence
01/15
 
North Atlantic Oscillation haben mit ihrem dritten Album erneut eine exquisite CD des progressiven Rock vorgelegt.
 
In einem derzeit derart angesagten Stil wie dem progressiven Rock einen eigenen Klang zu entwickeln, ist fast schon eine Meisterleistung. North Atlantic Oscillation haben das geschafft, indem sie von vorneherein ohne Scheuklappen durch die Musikwelt gegangen sind und sich ihre Vorbilder nur von den Besten geholt haben. Bei dieser CD wird man Anklänge an Pink Floyd der Wish You Were Here-Phase, an die  Beatles von Revolver und andere hören, die selbst Originale waren. Diese Einflüsse  sind derart geschickt mit den eigenen Kompositionen verwoben worden, dass sie kaum auffallen. Vor allem aber haben sie diesmal ein Gesamtkunstwerk aufgenommen, das ohne Pausen durchläuft, in der der eine Titel in den anderen übergeht, ohne das ein Bruch erkennbar wäre. Was Sam Healy hier mit der Hilfe von Bassist Chris Howard und Schlagzeuger Ben Martin angefertigt hat, besitzt einmal mehr seine feine Melodik und die unglaubliche Fähigkeit, aus ganz leisen Elementen nach und nach große Stücke zu formen, die am Ende durch ihre Melodik überzeugen. Laut wird es nämlich fast nie bei den Schotten, die ihr Können nicht zu Markte tragen, sondern es fast unterschwellig anbieten. Dafür ist der Anfang dieser CD typisch: Zuerst geht es ganz leise instrumental zu, ehe dieses Stück in das nächste mündet, das eine herrliche Melodie bringt. Dieser Wechsel aus ruhigen und etwas schnelleren Passagen prägt diese Produktion und überzeugt deswegen absolut, weil Sam Healy & Co. die Fähigkeit haben, leise Akzente zu setzen. mvr




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