Platte des Monats 2011 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2011

Platte des Monats
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur Platte des Monats ...
Jahrgang 2011
AusgabeTextPlattencover
12 / 2011
Michael Franks feiert mit Time Together ein Comeback nach Maß.
In den 70ern war Michael Franks eine Ikone der Jazz-gefärbten Popmusik, der mit seiner relaxten Grundstimmung, intelligenten Texten und schönen Melodien eine Zeit lang richtig große Umsätze erzielen konnte. Doch in den 80ern verlor er nicht nur den Impetus für seine Musik, sondern ihm fielen auch nicht mehr so viele gute Lieder ein. Zwar feierte er 1990 mit dem Album Blue Pacific ein kurzes Comeback, aber danach versank er wieder in der Versenkung, da die folgenden Produktionen nicht die Klasse dieser Platte wiederholen konnten und sein Musical über Paul Gauguin, Noa Noa, nie wirklich aufgeführt wurde. Doch nachdem er 2006 einen ersten Comeback-Versuch mit Rendezvous In Rio unternommen hatte, geht er es jetzt zum zweiten Mal an und deutlich besser als vor 5 Jahren. Diese CD besitzt die Qualität so legendärer Produktionen wie Sleeping Gypsy, Burchfield Nines oder Tiger In The Rain. Sowohl hinsichtlich der Melodien wie der Texte und der Arrangements und nicht zuletzt des Gesangs von Franks ist das vom Jazz gefärbte Popmusik, die sowohl von Franks wie von den Instrumentalisten her höchsten Ansprüchen genügen kann. Was er immer anstrebte, die absolute Eleganz und Stilsicherheit – hier gibt es sie. Ob Now That The Summer´s Here, Summer In New York, Charlie Chan In Egypt, Samba Blue oder das Titelstück: Alle besitzen die Qualitäten seiner Klassiker vom Schlage The Lady Wants To Know oder Monkey See-Monkey Do. Deswegen ist diese Platte von derselben Klasse wie die, die ihn in den 70er Jahre zu einem Star des Genres gemacht haben.

Shanachie/In-akustik 0685189
11 / 2011
Jonathan Edwards knüpft mit seiner CD My Love Will Keep an seine Platten der 70er Jahre an.
Es gibt Musiker, die Kritiker nicht mögen, aber die dennoch viele Platten verkaufen. Dazu gehörte lange Jonathan Edwards, der in den 70ern einige ausgezeichnete Alben für ATCO und die Warner Brothers aufnahm, die sich auch richtig gut absetzen ließen. Doch die Kollegen aus Amerika warfen ihm seine Sentimentalität und seinen zu lieblichen Gesang vor. Seit den 80er Jahren beschränkte er sich auf Konzerte, legte allerdings noch eine exquisite LP mit der Bluegrass-Band Seldom Scene vor. Doch jetzt ist er zurück, als ob nicht seit seinen großen Triumphen über 40 Jahre ins Land gezogen wären und hat erneut eine Singer/Songwriter-Platte aufgenommen, die seine Stärken wie in einem Brennglas bündelt. Da ist zunächst sein Können als Songschreiber, das beispielsweise bei Crazy Texas Woman, How Long oder Lightkeeper deutlich wird. Zum zweiten kann er als Sänger überzeugen. Im Gegensatz zu früher hat er sich an die Kandare genommen, verzichtet auf zu süßliche Ausflüge. Zum dritten hat er im Gegensatz zu früher hauptsächlich akustische Arrangements gewählt, die die Wärme seines Gesangs unterstützen und ergänzen. Zum vierten hat er neben seinen eigenen Liedern auch die befreundeter Künstler wie Henry Gross oder Jesse Winchester, aber auch unbekannterer Kollegen in sein Repertoire aufgenommen, was der Abwechslung gut tat. Und zum letzten hat er als Produzent mit Jim Begley dafür gesorgt, dass der Klang stets abwechslungsreich, die Songs interessant arrangiert und die Qualität insgesamt hoch geblieben ist. 

Appleseed Recordings/In-akustik 0101126
10 / 2011
Mit ihrer Reunion-CD Mockingbird Time haben die Jayhawks ihre bislang beste Platte aufgenommen.
So richtig weg waren die Jayhawks eigentlich nie. Zwar stammt ihre letzte Platte aus dem Jahr 2003, aber sporadische Konzerte gab es seitdem immer wieder. Aber nachdem Mark Olson und Gary Louris vor einigen Jahren ein Duo-Album aufgenommen hatten und Victoria Williams sich von Olson trennte, womit der Trennungsgrund von 1995 entfiel, sah es schon gut aus. Doch erst 2010 war es so weit, dass sich die beiden Köpfe der ursprünglichen Gruppe zusammensetzten, um ein neues Album der Jayhawks zu schreiben. Das ist ihnen ausgezeichnet gelungen. Den ursprünglichen Countryrock wird man nicht mehr finden, dafür aber eine teilweise recht rockig gehaltene Song-Kollektion, die sie in Minneapolis zusammen mit dem Ur-Bassisten Marc Perlman und den 1995 zu den Jayhawks gestoßenen Tim O´Reagan und Karen Grotberg einspielten. Was ihnen 2010 gelungen ist: Einen idealen Mix aus langsameren und schnelleren Liedern anzufertigen, den sie zudem mit feinen Melodien bestückt haben. Das geht zwar manchmal in die Americana-Ecke, findet aber definitiv jenseits davon statt. Was sich Louris in einem Interview vor der Produktion vorstellte, „das beste Jayhawks-Album aller Zeiten zu machen“, ist den beiden und ihren Kollegen gelungen. Das ist eine Rockplatte wie aus einem Guss, das bei allen verschiedenen Stimmungen und Arrangements dennoch immer einen gemeinsamen Nenner besitzt. Das gelang der Band zuvor nie, jetzt hat es geklappt. Es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig es ist, manchmal eine Pause einzulegen.

Decca Universal 

09 / 2011
Ghost bringt die andere Seite des Devin Townsend Project´s und enthält fantastischen, melodischen Rock.
Devin Townsend ist ein Musiker, der in größeren Strukturen denkt. Seitdem er mit dem Saufen und den Drogen aufgehört hat, bringt er 2 Alben an einem Stück auf den Markt, die jeweils seine verschiedenen Seiten präsentieren sollen. Das war vor zwei Jahren mit Ki und Addicted so und ist jetzt mit Deconstruction und Ghost geschehen. Während ersteres Album mit seiner Heavy Metal-Vergangenheit abschloss, ist Ghost ein Schritt in die neue Richtung. Und die macht ihm alle Ehre. Dabei ist die Tatsache, dass die Musik diametral entgegengesetzt zu seinen bisherigen Platten ausgefallen ist weniger interessant als die, dass die Musik einfach überragend geworden ist. Es ist nicht nur die melodische Qualität der Disc, sondern vor allem die Arrangements, die Townsend dafür gefunden hat, die die CD zu einer der herausragenden Veröffentlichungen der letzten Monate gemacht hat. Er baute die einzelnen Kompositionen sowohl auf den Stimmen wie auf akustischen Instrumenten und dem Synthesizer auf. Das alles kommt völlig ruhig daher, baut sich langsam auf und Townsend lässt es behutsam angehen und sich entwickeln. Die Schönheit der Platte ist berückend, die Harmonien und Melodien bieten Pop der besten Art, aber Townsend schrieb Musik, die weit weg entfernt von platter Kommerzialität ist, dafür aber die Freude an gut strukturierten und arrangierten Stücken weckt. Mit dieser CD hat Townsend bewiesen, dass in ihm wesentlich mehr steckt, als das, was man bisher wahrnehmen konnte.

Inside Out EMI

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